Die Verletzung des Kapitäns wiegt schwer. Jetzt kommt viel auf Schweinsteiger an. Und auf einige andere.

Sciacca/Düsseldorf. Die Kampagne des Hauptsponsors mutet nur noch wie ein verunglückter Werbegag an. "Der vierte Stern für Deutschland", so sagt der deutsche Automobilhersteller, soll bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika her.

Der vierte Titel nach 1954, 1974 und 1990. Doch hatten die findigen Ideengeber in ihrer mutigen Prognose Michael Ballack eingerechnet. Den Kapitän, die Leitfigur, den einzigen Weltstar im deutschen Team.

"Das ist sicherlich die schlimmste Diagnose meiner Karriere"

Jetzt aber ist Ballack nicht mehr dabei, und die Dynamik, mit der die Botschaft gestern aus der Praxis des DFB-Arztes Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt hinaus in die Fußball-Welt schoss, verdeutlichte: Hier war Schlimmes passiert.

Riss des Innenbandes und ein Teilriss des vorderen Syndesmosebandes im rechten Sprunggelenk, mindestens acht Wochen Pause. Keine WM, kein Titel, nichts. "Das ist sicherlich die schlimmste Diagnose meiner Karriere", sagte Ballack mit tiefer, belegter Stimme, als er mit Gehhilfen die Praxis verließ. Es blieben mit leerem Kopf nur Plattitüden: "Das ist Fußball. Es muss weiter gehen", sagte dieser Pechvogel, der schon so oft mit Verletzungen zu kämpfen und schon so viele Titel verpasst hatte.

Zwischen Enttäuschung und Aufbruch liegen bisweilen nur wenige Minuten. Bundestrainer Joachim Löw war wenig später nach Erhalt der Nachricht, als er sich erklären musste, gefasst. "Von Resignation kann bei uns keine Rede sein, wir können trotzdem ein gutes Turnier spielen."

Ballack reiste Montagnachmittag nach Sizilien

Gestern Nachmittag reiste der lädierte Kapitän nach Sizilien, sprach mit Trainer und Mannschaft. Es gilt als sicher, dass Ballack mindestens zeitweise auch in Südafrika dabei sein wird. Immerhin ist dieser jungen Mannschaft ihr einziger echter Leitwolf abhanden gekommen - dessen Rolle außerhalb des Platzes vielleicht noch wichtiger ist, als sie es auf dem Rasen je war.

Seine Nachfolger? Man landet schnell bei Bastian Schweinsteiger. Der als Nebenmann im defensiven Mittelfeld geplant war. Und beim FC Bayern eine rasante Entwicklung zum Führungsspieler erlebt hat. "Auf dieser Position ist Schweinsteiger jetzt noch mehr in der Verantwortung", sagte Löw. Der 73-malige Nationalspieler, hat Uli Hoeneß gesagt, sei "vom Schweini zum Mann" geworden. Gute Voraussetzungen, künftig Führungsspieler zu sein.

Flankiert von Philipp Lahm und Miroslav Klose, die ob ihrer Erfahrung mehr Verantwortung übernehmen müssen - und jeweils als neuer Kapitän in Frage kommen.

Westermann und Träsch sind weitere Alternativen

Erster Anwärter auf die Rolle neben Schweinsteiger ist der 23-jährige Stuttgarter Sami Khedira, der bislang in drei Länderspielen nur 104 Minuten absolviert hat. "Diese zwei Spieler sind jetzt gefragt", sagte Löw, dem die Alternativen abhanden gekommen sind: Torsten Frings hat er selbst aussortiert. Wer Löw kennt, der weiß, dass Frings auch jetzt keine Rolle spielt.

"Nach der Analyse in diesem Jahr sind die Trainer zu dem Schluss gekommen, dass er hier in diesen Kreis jetzt nicht gehört", sagte Manager Oliver Bierhoff am Montagabend über Frings.

Simon Rolfes ist verletzt ausgefallen, Thomas Hitzlsperger in einer Formkrise. Christian Träsch und Heiko Westermann könnten als "Sechser" aushelfen, selbst Lahm hat das schon gespielt, als Deutschland 2007 2:1 in London gegen England gewann. Eben dort, wo Ballacks WM-Traum jetzt zerplatzt ist.

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