Wie Trainer Thomas Tuchel den jungdynamischen Tabellenführer Mainz zum Sieg beim FC Bayern rotiert.

Die Mainzer Andre Schürrle (l) und Adam Szalai jubeln über den 1:2-Auswärtssieg. Am Samstagabend traten sie zusammen mit Lewis Holtby als „Bruchweg-Boys“ im Aktuellen Sportstudio auf.
Die Mainzer Andre Schürrle (l) und Adam Szalai jubeln über den 1:2-Auswärtssieg. Am Samstagabend traten sie zusammen mit Lewis Holtby als „Bruchweg-Boys“ im Aktuellen Sportstudio auf.

Die Mainzer Andre Schürrle (l) und Adam Szalai jubeln über den 1:2-Auswärtssieg. Am Samstagabend traten sie zusammen mit Lewis Holtby als „Bruchweg-Boys“ im Aktuellen Sportstudio auf.

dpa

Die Mainzer Andre Schürrle (l) und Adam Szalai jubeln über den 1:2-Auswärtssieg. Am Samstagabend traten sie zusammen mit Lewis Holtby als „Bruchweg-Boys“ im Aktuellen Sportstudio auf.

München. Louis van Gaal blickte den Fragesteller irritiert an. Der knorrige Holländer sah noch etwas knorriger aus als sonst. Die Erklärung dieser 1:2-Niederlage hatte ihn an den Rand seiner Deutsch-Kenntnisse gebracht, ihm fehlten die Worte. Wo das noch hinführen könne, war die Frage. Louis van Gaal antwortete: "Wir sind noch in drei Wettbewerben vertreten, oder sehen Sie das anders?"

Dabei zielte die Frage nicht auf die Chancen des FC Bayern. Sie zielte auf Mainz 05. Auch das war neu, wie so vieles an diesem Nachmittag, der die Fußball-Welt auf den Kopf gestellt hat. Noch nie war van Gaal mehr nach dem Gegner gefragt worden als nach seinem FC Bayern. Es hat aber auch kaum eine Mannschaft gegeben, die in München so selbstbewusst, so angriffslustig angetreten ist wie dieser furchtlose FSV.

Das Geheimnis des Mainzer Trainers Thomas Tuchel (37) ist Fitness. Und der sogenannte Matchplan, eine für jeden Gegner passend und detailliert ausgearbeitete Erfolgsanleitung. Sechstes Spiel, sechster Sieg, saisonübergreifend sind die Mainzer nun schon seit April ungeschlagen. Tabellenführer.

"Wir wollten die Besten sein, die wir sein können"

"Dieser Sieg in München gibt uns den Glauben an die eigene Leistungsfähigkeit", sagt Tuchel. Stolz war er darüber, "dass wir auch hier unseren Stil zu erkennen gegeben haben. Wir haben uns nicht verstellt. Wir wollten die Besten sein, die wir sein können."

Wieder hatte Tuchel fünf Spieler in das Team rotiert, wohl noch nie in der Bundesliga hat es solch einen gelungenen Rollentausch gegeben wie diesen steten Wandel in Mainz. Dabei ist der Wechsel Teil des Plans, er soll Erholungspausen schaffen. "Wir spielen einen kraftaufwändigen Fußball", sagte Heidel, "und wer nicht laufen will bis zum Anschlag, der ist kein Spieler von Mainz 05".

Lewis Holtby möchte für die deutsche Nationalelf spielen

Lewis Holtby, der am Abend zusammen mit Schürrle und Szalai einen frech-mutigen Auftritt als "Bruchweg Boys" im Aktuellen Sportstudio im ZDF hatte, sagte: "Wir laufen uns kaputt, wir kämpfen um jeden Grashalm." Holtby dauergrinst sich derzeit durch sein Fußballer-Leben, im Fernsehen verkündete er dann noch, künftig für die deutsche Nationalelf spielen zu wollen - und nicht für die englische, die ihre Fühler nach dem Halbbriten ausgestreckt haben soll. Alles paletti also.

Kein Mittel fanden die Bayern gegen das aggressive Forechecking der Gäste, die mit ihren Stürmern Sami Allagui und Adam Szalai nicht nur brillante Torschützen hatten (15./77.), sondern auch das Aufbauspiel der Bayern schon im Ansatz zerstörten. Zehn Punkte liegt der Meister nun schon hinter dem Spitzenreiter zurück.

Also, Herr van Gaal, wo führt das noch hin mit diesen Mainzern? "Die Mannschaft hat eine Handschrift", sagte er, "sie kann Meister werden". Thomas Tuchel daneben verschluckte sich fast. Meister Mainz? Das hört sich fremd an, klingt aber gut.

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