Mit Aachen gewann Erik Meijer 2004 im Pokal gegen Bayern. Heute ist er Sportdirektor. Und Bayern ist wieder da.

Interview
Die Bayern können kommen: Aachens Sportdirektor Erik Meijer auf den Rängen des neuen Tivoli.

Die Bayern können kommen: Aachens Sportdirektor Erik Meijer auf den Rängen des neuen Tivoli.

dpa

Die Bayern können kommen: Aachens Sportdirektor Erik Meijer auf den Rängen des neuen Tivoli.

Herr Meijer, was fällt Ihnen ein, wenn sie an den 4. Februar 2004 denken?

Erik Meijer: Unser Pokalsieg gegen den FC Bayern. 81. Minute: Flanke von Frank Paulus, ich steige höher als Martin Demichelis, köpfe vorbei an Oliver Kahn, das 2:1. Der Rest war Riesenjubel, weil ich wusste: Jetzt gewinnen wir.

Ist die Mentalität der aktuellen Mannschaft eine ähnliche?

Meijer: 2004 war viel Erfahrung auf dem Platz, fast alle gingen bei uns auf die 30 zu. Jetzt haben wir eine junge Mannschaft, die weniger Erfahrung hat, aber mehr Kilometer abspulen kann. Ob diese Kilometerfresser, ob diese Straßenköter zubeißen, wissen wir um 22.16 Uhr.

Wie können Sie der Mannschaft emotional helfen. Was sagen Sie?

Meijer: Wie man mit Einsatz und Durchsetzungsvermögen ein Starensemble schlagen kann. Wie 2004. Bei Bayern haben sich nur die Namen geändert, aber die Stars sind geblieben. Es ist wieder David gegen Goliath.

Mit welcher Taktik muss Aachen in das Spiel gehen?

Meijer: Es gibt nur ein Gas: Vollgas. Wir haben einen Weg gefunden, der zu uns passt. Wir haben 30 Tore geschossen und 28 Gegentore bekommen. Bei uns ist immer etwas los. Die Marschroute werden wir nicht aufgeben. Dann kann es sein, dass wir vorgeführt werden. Oder aber wir wachsen über uns hinaus.

„Von mir aus können die Bayern ruhig die ganze Zeit über van Gaal quatschen“

Aachen hat Bayern im Pokal schon zweimal geschlagen.

Meijer: Die Statistik spricht für uns. Ich vermute mal, dass die Bayern eine Riesenangst haben und überlegen: Wie um Gottes Willen sollen wir nur die Topspieler von Aachen stoppen? Ich kann sie trösten. Im neuen Tivoli haben wir jetzt warmes Wasser in den Duschen. Beim alten Stadion mussten wir uns zwischen der Rasenheizung und warmem Wasser entscheiden (lacht).

Die ideale Dramaturgie für Mittwochabend?

Meijer: Einem überlegenen FC Bayern gelingt es nicht, ein Tor zu schießen. Aus dem Nichts heraus macht Benny Auer das 1:0. Bayern rennt an, aber unser Torwart David Hohs holt alles raus. 89. Minute: Konter, Sergiu Radu macht das 2:0. Danach Jubel und erneut das Bild vom enttäuschten Uli Hoeneß (lacht). Wenn wir siegen, weiß ich nicht, ob ich am Donnerstag im Büro gerade sitzen kann.

Beim FC Bayern hängt der Haussegen schief.

Meijer: Die Verantwortlichen wissen mittlerweile, welcher Typ van Gaal ist. Er hat gerne das alleinige Sagen. Aber beim FC Bayern wollen auch einige andere Herren etwas zu sagen haben. Für van Gaal spricht die vergangene Saison, da hat er fast alles gewonnen. Jetzt entsteht Unruhe, weil Bayern nicht auf einem Champions-League-Platz steht. Von mir aus können sie ruhig die ganze Zeit über dieses Thema quatschen und vergessen, dass wir auch noch da sind.

Ihr Trainer Peter Hyballa ist ein junger Trainer, das Team ist jung. Vieles erinnert in Aachen an Mainz 05 von einst.

Meijer: Hyballa ist ein professioneller und emotionaler Trainer, das finde ich super. Bei uns sitzt kein Sandsack auf der Bank. Mainz ist für uns eine Art großer Bruder. Der Verein hat es geschafft, aus der zweiten Liga rauszukommen und eine feste Größe zu werden. Und das mit jungen Spielern und einem jungen Trainer. Aber das ist noch ein langer Weg für uns.

Sie sind seit einem Jahr Sportdirektor, waren zuvor Trainerassistent. Ist das nun der richtige Job für Sie?

Meijer: Der Assistenztrainerjob war die falsche Entscheidung. Ich bestimme gerne, und das geht da nicht. Wir haben im Sommer vieles geändert, um dem Verein wieder „unsere“ Identität zu geben: Alles geben. Und auch mal mit einer schmutzigen Hose und Blut am Knie als Sieger den Platz verlassen.

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