Interview: Europameisterin Simone Laudehr über ihr Image, Vorfreude auf die Heim-WM 2011 und Zeitstress nach dem EM-Titel.

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Simone Laudehr freut sich auf die Heim-WM 2011.

Simone Laudehr freut sich auf die Heim-WM 2011.

dpa

Simone Laudehr freut sich auf die Heim-WM 2011.

Goch. Vorwenigen Tagen holte Simone Laudehr mit der Nationalmannschaft den EM-Titel in Finnland. Sonntag startet die 23-Jährige schon mit dem FCRDuisburg in die Bundesliga. Im Trainingslager im niederrheinischen Goch spricht sie über den Stress im Frauenfußball und ihre Ansprüche im Nationalteam.

Frau Laudehr, zwischen EM-Finale und Bundesliga-Start liegen nur neun Tage. Konnten Sie abschalten?

Simone Laudehr: Es war schwer, wieder in den Alltag zu finden. Ich hatte in der knappen Woche nicht viel Zeit für Privatleben, Freund und Familie. Mir fiel es sehr schwer.

Was halten Sie von dieser kurzen Pause ?

Laudehr: Wir Spielerinnen regen uns schon darüber auf. Aber die Entscheidung liegt beim DFB, da haben wir keinen Einfluss. Wenn die Zuständigen denken, dass es das Beste für uns ist, dann wird das so sein. Aber wenn man keine Pause hat, kann es schnell zu Verletzungen kommen.

In der Nationalmannschaft gehören sie zu den "jungen Wilden". Mögen Sie dieses Image?

Laudehr: Ja, das ist okay. Die Generation unter 24 ist halt jung und auch wild. Wir wollen spielen. Deshalb kann ich mit diesem Motto gut leben.

Wie sehen Sie ihre Rolle im deutschen Team?

Laudehr: Ich sehe mich in einer Position, von der aus ich ein Spiel gestalten kann. Ich will versuchen, auch andere Spielerinnen mitzuziehen - eine Führungsrolle. Ich will irgendwann zu den ganz festen Größen des Teams gehören.

Sie gelten schon jetzt als Frau für die wichtigen Tore. Beispiele sind das 1:1 im EM-Halbfinale gegen Norwegen und das 2:0 im WM-Finale 2007. Ist das Zufall?

Simone Laudehr wurde am 12.Juli 1986 in Regensburg geboren.

Weltmeisterin 2007, Europameisterin 2009, Olympia-Dritte 2008 mit dem Nationalteam (31 Länderspiele/6 Tore); DFB-Pokal- und Uefa-Cup-Sieg 2009 mit dem FCR Duisburg

Laudehr: Nein. Gegen Norwegen wollten wir das Spiel unbedingt noch gewinnen. Und wenn ich eine Chance bekomme, will ich eben unbedingt das Tor machen. Da gehört ein bisschen Mitdenken zu. Man muss spüren, wohin die Bälle kommen.

Wird die WM 2011 im eigenen Land ein Sommermärchen wie bei den Männern 2006?

Laudehr: Es war ja schon bei der Frauen-WM 2007 schön, dass alle mit Fahnen auf den Autos unterwegs waren. Durch den EM-Titel kommt bei der WM viel mehr Euphorie auf uns zu. Wir haben Erfolg, und das spricht sich auch herum. Ich hoffe, dass wir 2011 die Aufmerksamkeit bekommen, die wir verdient haben.

Mit leeren Stadien wie bei der EM in Finnland rechnen Sie nicht?

Laudehr: Nein, ich denke, dass es bei der WM rappelvoll wird. Auch bei den Spielen ohne deutsche Beteiligung. Der Frauenfußball hat in Deutschland einfach einen ganz anderen Stellenwert als in anderen Ländern.

Zur neuen Saison: Wie stehen die Chancen des FCR Duisburg?

Laudehr: Wenn wir so spielen wie im letzten Jahr, dann haben wir gute Titelchancen. Natürlich wird es schwer, weil wir den DFB-Pokal verteidigen müssen und den Uefa-Cup gewonnen haben. Jeder kennt uns jetzt und will uns schlagen. Dass wir einen Punkt an der Meisterschaft vorbei geschrammt sind, hat mich geärgert. Ich möchte unbedingt den Meistertitel, der fehlt mir noch.

Werden Sie noch lange in Duisburg bleiben oder reizt Sie eine neue Herausforderung?

Laudehr: Natürlich ist mein größter Wunsch, auch mal im Ausland zu spielen. Man muss aber abwarten, mein Vertrag in Duisburg läuft bis zur WM 2011. Was danach passiert, weiß ich nicht.

Was kommt nach der Karriere?

Laudehr: Als männlicher Profi muss man sicher nicht mehr arbeiten. Als Frau muss man aber schauen, dass man sich eine berufliche Schiene nach der Karriere sichert. Ich möchte studieren, vielleicht Management oder Sportmarketing. Als Nationalspielerin kann ich mir sicher eine gute berufliche Zukunft aufbauen. Aber man muss wissen, was man will.

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