Der FC Schalke 04 nimmt in Kauf, auf Ablösesummen zu verzichten, um erfolgreicher zu sein.

Gelsenkirchen. Nach einiger Zeit verspürte Fred Rutten keine Lust mehr, noch weiter über Albert Streit zu reden. "Wir sprechen hier doch nicht über Maradona", sagte der Trainer des FC Schalke04. Der Mittelfeldspieler der Westfalen war wie Gustavo Varela und Peter Lövenkrands vor wenigen Tagen aus dem Schalker Profikader aussortiert und für den Rest der Saison zu den Amateuren degradiert worden.

"Kein Trainer der Welt würde doch die besten Spieler aus seinem Team herauslassen. Die würden spielen, auch wenn sie Arschlöcher wären", fügte Rutten an.

Im Zuge des Großreinemachens bei den Königsblauen, das seine Ursache in der wenig zufriedenstellenden Hinrunde mit lediglich Platz sieben in der Bundesliga hat, zählt der 28-Jährige zu denjenigen, bei denen die Verantwortlichen offenbar keine Perspektive mehr sehen.

Müller macht Ex-Coach Slomka für Streit-Irrtum verantwortlich

Noch vor einem Jahr hatte Manager Andreas Müller Streit in der Winterpause trotz Verletzung und für zweieinhalb Millionen Euro aus seinem Vertrag bei Eintracht Fankfurt herausgekauft und ihn als besten Torvorbereiter der Bundesliga angekündigt.

Eine wesentliche Rolle hat er aber nie gespielt. "Wenn ein neuer Spieler kommt, dann geht man davon aus, dass er auch spielt", sagt Andreas Müller. "Dass war bei Albert aber nicht der Fall."

Der Brasilianer Zé Roberto II, der nicht zum Trainingsauftakt des FCSchalke 04 erschienen war, ist nicht zu erreichen. "Es gab keinen telefonischen Kontakt. Wir haben ihn schriftlich aufgefordert, zurück zu kommen", sagt Manager Müller.

Der Schuldige, den der Schalker Manager für diesen Einkaufsirrtum ausmacht, ist damit eindeutig: Mirko Slomka. Der Ex-Trainer hatte Streit kaum einmal berücksichtigt, daraufhin hätte der die Lust nach und nach verloren, sagt Müller. Allerdings hatte auch Rutten dem Spieler wenig Beachtung geschenkt.

"Auf Schalke ist mir der Spaß am Fußball vergangen. Ich bin hier immer nur links liegen gelassen worden", sagt Streit. Bereits im Sommer habe er darum gebeten, den Verein wechseln zu können.

Allerdings habe der damals neue Trainer Rutten diese Bitte verneint, da er sich erst einmal ein Bild von der gesamten Mannschaft habe machen wollen. "Seitdem ist Albert nicht mehr mit seinen Gedanken bei der Sache, darum haben wir so reagiert. Unsere Ziele bleiben unverändert hoch, und das können wir nur erreichen, wenn alle Spieler dieses konkretes Ziel haben. "

Mit der Entscheidung, Streit und die übrigen Spieler zu degradieren, hat der Klub allerdings sportliche Alternativen, aber wohl auch Einnahmen aus Transfererlösen verloren. Denn der ehemalige Frankfurter Streit will nicht zu reduzierten Bezügen den Klub wechseln.

"Ich habe hier den besten Vertrag meines Lebens unterschrieben. Ich bekomme hier noch dreieinhalb Jahre sehr gutes Geld", sagte er. 2,5 Millionen Euro soll er in Gelsenkirchen jährlich verdienen. Ob sich ein Klub bereit erklärt, dieses Gehalt plus eine Ablösesumme (Müller: Ablösefrei ist er sicher nicht.") zu zahlen, ist unwahrscheinlich. Albert wird also wohl im Streit bleiben.

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