Der Torwart der TSG Hoffenheim übt Kritik am neuen WM-Ball. „Jabulani“ hat wenig Freunde.

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Da ist er im Netz: Der WM-Ball „Jabulani“ feierte am Wochenende (hier in Schalke) seine Bundesliga-Premiere.

Da ist er im Netz: Der WM-Ball „Jabulani“ feierte am Wochenende (hier in Schalke) seine Bundesliga-Premiere.

dpa

Da ist er im Netz: Der WM-Ball „Jabulani“ feierte am Wochenende (hier in Schalke) seine Bundesliga-Premiere.

Düsseldorf. Die Kritik von Timo Hildebrand ist niederschmetternd. Der Torwart des Fußball-Bundesligisten TSG Hoffenheim nennt den neuen WM-Ball "Jabulani" eine "Katastrophe". "Wenn man diesen Ball aufs Tor kriegt, kann man nur noch beten", schimpfte Hildebrand nach dem torlosen 0:0 beim Hamburger SV.

Hamburgs Nationalverteidiger Marcell Jansen sparte ebenfalls nicht mit Kritik. "Die Bälle werden immer verrückter, flattern immer mehr." Und Per Mertesacker gab der "Kanonenkugel" sogar eine Mitschuld an der mageren Bremer Nullnummer beim 1. FC Köln.

Je glatter die Oberfläche ist, desto unstabiler fliegt der Ball

Machen es sich die Profis da nicht zu einfach, werden böse Zungen jetzt behaupten. Gute Fußballer sollten schließlich mit jedem Spielgerät klarkommen, und ohnehin ärgern sich ja eh meist Torhüter oder Abwehrspieler.

"Schlecht" sei natürlich überhaupt kein Ball, mit dem in den höchsten deutschen Klassen gespielt wird, betont auch Frank Emrich vom Institut für Biomechanik und Orthopädie an der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS).

"Dafür sorgen schon die Fifa- und DFB-Normen." Emrich nahm in der Vergangenheit bereits mehrfach Fußbälle unter die Lupe, unter anderem für die Stiftung Warentest.

Bei der WM-Premiere 1930 pochten im Finale Argentinien und Uruguay auf ihren jeweils favorisierten Lederball. Also wurde in der ersten und zweiten Halbzeit mit zwei unterschiedlichen Bällen gespielt.

Der Ball zum legendären Wembley-Tor 1966 wurde von der britischen Firma Slazenger gefertigt.

Seit 1970 ist das deutsche Unternehmen offizieller Balllieferant der Fifa und verwendet seitdem auch mehr oder weniger einfallsreiche Namen für die Bälle - von Telstar (1970/Mexiko) über Durlast (1974/Deutschland) oder Etrusco (1990/Italien) bis hin zum Teamgeist (2006/Deutschland). Seit 1982 werden synthetische Bälle benutzt.

Und schließlich gibt es noch "Jabulani"-Fans wie etwa Mario Gomez. Der Bayern-Stürmer markierte gegen Gladbach den ersten Treffer mit dem neuen Ball und schwärmte: "Der geht richtig ab." Dazu muss allerdings gesagt werden, dass die Münchner von "Jabulani"-Hersteller Adidas ausgerüstet werden, Kritiker Hildebrand dagegen von Puma.

Das Unternehmen in Herzogenaurach wollte sich nicht dazu äußern, inwieweit dieser Fakt in der Bewertung beider Spieler eine Rolle gespielt haben könnte.

Laut Adidas-Sprecher Oliver Brüggen, hätten umfangreiche unabhängige Tests bewiesen, dass "Jabulani" der beste WM-Ball aller Zeiten ist. "Das können wir versichern." Weitere Superlative etwa über die nie dagewesene Rundheit des Balles folgen. Die Kritik von Timo Hildebrand versteht Adidas als Einzelmeinung.

"Absolute Rundheit" gibt es laut Frank Emrich von der DSHS aber ohnehin nicht. "Rundheit ist auch nur eins von vielen Merkmalen." Dazu gehöre zum Beispiel auch die Reaktion des Balles, wenn er deformiert, sprich getreten wird.

Der von den Kickern gern genannte Flatterball-Effekt sei vor allem von der Oberfläche abhängig. "Je glatter die ist, desto unstabiler fliegt der Ball." Ein Golfball habe daher, auch wenn das auf den ersten Blick schwer zu glauben sei, dank seiner vielen Dellen die besten Flugeigenschaften.

Bis irgendwann der "perfekte Fußball" über den Rasen rolle, vergehe aber sicher noch einige Zeit, meint Emrich. "Das Problem ist das Ventil. Dadurch ist der Ball auf der einen Seite immer schwerer als auf der anderen."

Luft müsse aber nunmal irgendwie in den Ball. "Es gibt wohl schon Polster, die semipermeabel, das heißt nur von einer Seite luftdurchlässig sind. Eine solche Technik bei Bällen ist mir aber nicht bekannt", sagt Emrich.

Ansonsten sollten sich die Fußball-Profis vielleicht ein Beispiel an Michael Ballack nehmen. Der Nationalmannschafts-Kapitän beschrieb "Jabulani" als fantastisch und betonte: "Es gibt keine Ausreden mehr." Wer trotzdem eine braucht, kann die Schuld ja weiterhin wahlweise auf den Rasen, das Wetter und natürlich den Schiedsrichter schieben.

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