Bundestrainer Löw will am Mittwoch mit einer mutigen Mannschaft Sympathie für das WM-Abenteuer schaffen.

München/Düsseldorf. Am Dienstag hat Joachim Löw einen Witz gemacht. Gut, als ausgesprochener Humorist war er bislang nicht aufgefallen, aber der öffentliche ist ja auch nicht der private Löw. Im privaten Kreis, erzählen enge Bekannte, soll Löw ein eloquenter, trocken humorvoller Mann sein. Öffentlich ist er meist distanziert und verbindlich in den Themen, die ihn als Deutschlands wichtigsten Trainer zu beschäftigen haben. Aber Dienstag war alles anders. Am Tag vor dem ersten Fußball-Länderspiel des Jahres und zugleich dem wichtigsten WM-Test gegen Argentinien in München zückte Löw auf der Pressekonferenz eine sehenswerte Zigarre und bat Pressesprecher Harald Stenger um Feuer und Aschenbecher.

Es war Löws Replik auf den Zigarre qualmenden Maradona vom argentinischen Trainingsplatz. Es war auch ein bisschen der Versuch des deutschen Trainers, der einst 52 Bundesliga-Spiele eher unauffällig bestritten hatte, dem vielleicht größten Fußballer der Welt auf Augenhöhe zu begegnen. Und Selbstbewusstsein zu demonstrieren. Seht her, ich stehe über den Dingen. Alle negativen Stimmen, die den Bundestrainer nach den gescheiterten Vertragsverhandlungen mit dem DFB als einen dem Größenwahn verfallenen Abzocker interpretierten - sie konnten ihm nichts anhaben. Sie haben ihn nur noch härter gemacht. Noch zielorientierter. Er werde vor der WM im Sommer in Südafrika nicht mehr verhandeln. "Es ist alles gesagt worden", sagte Löw. Und fügte doch doch etwas an. Nein, belasten würde ihn seine unsichere Zukunft gar nicht. "Es ist für mich persönlich ausgeblendet bis nach der WM."

Löws junge Mannschaft braucht Sicherheit

Eingeblendet ist der Gigant Argentinien. Eingeblendet ist der letzte Test, bevor Löw im Mai seinen erweiterten WM-Kader nominieren muss. Und eingeblendet sind in erster Linie all’ die Personalfragen, die ihm die Fußball-Gegenwart auf das Tablett legt und sagt: Nun mach mal was daraus.

Löw ist diese Aufgabe angegangen, er hat René Adler zur Nummer eins gemacht. Weil er weiß, dass diese junge Mannschaft, in der bis zur WM noch einige Baustellen abzuschließen sind, vor allem Sicherheit braucht. Die frühe Entscheidung für Adler war aus dieser Erkenntnis geboren, und sie wird vielleicht nicht die letzte Entscheidung sein, die für Löws Verhältnisse ziemlich früh fällt.

Deshalb ist es auch wahrscheinlich, dass heute Bastian Schweinsteiger neben Michael Ballack ins zentrale Mittelfeld rückt. Eben dorthin, wo der spielen will, wo Schweinsteiger auch bei Bayern spielt - und wo Ballack ihn eigentlich nicht sehen will, weil der Kapitän seine Rolle dann noch defensiver interpretieren müsste. Löw will keine neuen Konflikte. Er sagt nur: "Michael ist stark, wenn er aus der Defensive kommt." Damit ist alles und nichts gesagt. Aber die Diskussion bis zum Spiel heute Abend beendet.

Das 1:4 gegen Italien vor der WM 2006 ist mahnendes Beispiel

Ohnehin wird erst nach diesen für ein Testspiel recht bedeutenden 90 Minuten von München Vieles neu zu ordnen sein. Wer sich an das deprimierende 1:4 in Italien im letzten bedeutenden Spiel der WM 2006 erinnert, der weiß, was eine mögliche Niederlage gegen Argentinien bedeuten könnte. Damals forderte der Boulevard die kurzfristige Ablösung Klinsmanns, die Stimmung war desaströs und erst die Grundlage für das folgende WM-Sommermärchen. Wer tief gefallen war, der konnte höher fliegen. Aber Löw will diesmal von einem ganz anderen Level in die WM starten.

Er weiß deshalb um die Bedeutung dieses Spiels. "Für die WM-Stimmung und Vorfreude ist es auch wichtig, dass wir ein gutes Ergebnis erzielen und vor allem ein gutes Spiel zeigen", sagt er. Helfen könnte dabei auch der Münchener Debütant Thomas Müller, der die Lücke im rechten Mittelfeld schließen könnte. Alternativ auch Toni Kroos. In der Innenverteidigung hat Serdar Tasci gute Chancen, der hochtalentierte Jerome Boateng hofft auf eine neue Chance als rechter Verteidiger. Und Miroslav Klose wird in einem offensiv orientierten Mittelfeld wohl die einzige Spitze sein. "Ich traue mich alles", sagte Löw zu möglichen risikovollen Varianten. Freilich gegen einen Gegner, der allein schon mit dem Namen Messi Ehrfurcht herausfordert.

Gegen Argentinien hat die die deutsche Mannschaft zuletzt vor der WM 2002 in Stuttgart mit 0:1 verloren. Argentiniens Samuel, Ballack und Klose waren damals schon dabei. Joachim Löw hingegen war seinerzeit noch Trainer in Tirol. Und vielleicht ein ausgesprochener Spaßvogel.

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