Borussia Dortmund besiegt desolate Wolfsburger mit 2:0 und erfreut sich an seinem neuen Star aus Asien.

Shinji Kagawa freut sich sichtlich über seinen Treffer gegen Wolfsburg.
Shinji Kagawa freut sich sichtlich über seinen Treffer gegen Wolfsburg.

Shinji Kagawa freut sich sichtlich über seinen Treffer gegen Wolfsburg.

Reuters

Shinji Kagawa freut sich sichtlich über seinen Treffer gegen Wolfsburg.

Dortmund. Der Dolmetscher von Shinji Kagawa hatte einen hochroten Kopf. Er musste viel reden an diesem Tag, Kagawa war nach dem 2:0 (0:0)-Sieg von Borussia Dortmund gegen den VfL Wolfsburg ein gefragter Mann, und wenn der Dolmetscher sich dann doch mal eine Pause nehmen konnte, dann nur, weil Kagawa gerne auch mal in die japanischen Mikrofone sprach.

Es gehört zu den Eigentümlichkeiten der Fußball-Bundesliga, dass japanische Fußballer in Deutschland stets von einer Horde japanischer Journalisten begleitet werden. Jedes Detail geht in die Heimat, der Stolz der Asiaten auf einen von ihnen, der in der Bundesliga anzukommen scheint, ist unermesslich. Viele gibt es nicht davon, aber mit diesem Kagawa, dem 350.000-Euro-Import aus der zweiten japanischen Liga von Cerezo Osaka, muss man rechnen.

"Er will jeden Ball, ist schnell, hat Übersicht"

Schnell ist der 21-Jährige, wendig, trickreich und torgefährlich. Der Boulevard nennt ihn den "Sushi-Knipser", eine Mischung also aus Vorurteil und erwiesener Stärke. Und Jürgen Klopp, der Dortmunder Trainer, schwärmt schlicht ganz fußball-sachlich von seinem neuen Offensiv-Stammspieler, den er selbst wohl kaum auf der Rechnung gehabt hatte: "Er will jeden Ball, ist schnell, hat Übersicht, den nötigen Zug zum Tor und unglaubliche Bewegungen."

Ähnliche Attribute würden die Wolfsburger gerne ihrem 15-Millionen-Einkauf Diego zuschreiben, aber der Brasilianer war an diesem Tag vor 73.600 Zuschauern im Dortmunder Stadion eine traurige Gestalt.

Nach dem 0:1 zerfällt das Team des VfL in seine Bestandteile

Diego, der Anti-Kagawa, versuchte zuerst, dem Wolfsburger Spiel Struktur zu geben, aber schnell war er durch die stetig wechselnden Dortmunder Defensivzerstörer zermürbt. Und als der überragende Nuri Sahin mit einem Distanzschuss mit links in den linken Torwinkel die 1:0-Führung für Dortmund erzielt hatte (51.), war die Wolfsburger Minimal-Struktur dahin, die Mannschaft als solche zerfallen und Diego nur noch trauriger Statist, der nach einem Tritt gegen Sebastian Kehl auch noch den Platz hätte verlassen müssen.

Schiedsrichter Deniz Aytekin verschonte ihn, aber es war die Frage, ob Diego das tatsächlich als Schonung empfunden hatte. Wolfsburg ergab sich in das Schicksal, kassierte durch eben jenen Kagawa das 0:2 (67.) und offenbarte in der Folge, dass irgendwas in dieser Mannschaft nicht stimmt.

"Wir haben eine Krisensituation. In München und Dortmund kann man verlieren, Knackpunkt aber war das 3:4 gegen Mainz nach 3:0-Führung", sagte Dieter Hoeneß, der Wolfsburger Manager, der von unfassbaren technischen Fehlern bei einzelnen Spielern sprach. "Das habe ich so vorher noch nie gesehen."

Steve McClaren wirkt noch nicht angekommen in der Bundesliga

Man darf sich sorgen um den britischen Trainer der Wolfsburger. Steve McClaren hat nach drei Spielen noch keinen Punkt gewonnen, und dass er nach dem Spiel lächelnd von einer "unglaublich ausgeglichenen Liga sprach, in der jedes Spiel ein harter Wettkampf ist und Siege schwer zu erarbeiten sind", ist schlicht wahr, wirkte aber auch ein wenig so, als sei da jemand mit leicht naiven Vorstellungen nach Deutschland gekommen.

"Wir müssen da jetzt zusammen raus", sagte Hoeneß. Und auf die Frage, ob er wie so oft einst bei Hertha BSC Berlin schon jetzt näher an die Mannschaft rücken werde, sagte Hoeneß nur: "Wenn es so wäre, kündige ich das nicht öffentlich an." In Wolfsburg kann es ungemütlich werden.

In Dortmund hingegen herrscht Vorfreude auf das Derby beim FC Schalke 04 am Sonntag. "Wir können dort einen guten Start noch besser machen", sagte der stark spielende Dortmunder Verteidiger Mats Hummels und lächelte. Für Shinji Kagawa ist es das erste Derby und zugleich die Gelegenheit, sich schnell tatsächlich unsterblich zu machen in Dortmund. Und Schalke zu zeigen, wie wenig eine echte Verstärkung kosten muss.

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