Warum der Schalke-Trainer seinem verein treu bleiben will – und er Mitleid für Kevin Kuranyi empfindet.

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Felix Magath sieht sich nicht als Nationaltrainer.

Felix Magath sieht sich nicht als Nationaltrainer.

Reuters

Felix Magath sieht sich nicht als Nationaltrainer.

Herr Magath, Bundestrainer Joachim Löw hat sich gegen Kevin Kuranyi entschieden. Was halten Sie davon?

Felix Magath: Es ist schade für Kevin. Er hat eine starke Saison für den FC Schalke 04 gespielt, und ich hätte ihm eine WM-Teilnahme gegönnt. Die Entscheidung ist nun final. Ich kann seine Enttäuschung verstehen.

Sie haben gesagt, Schalke sei in den vergangenen Jahren nicht entsprechend seines sportlichen Wertes gewürdigt worden, weil sich niemand zuständig gefühlt hat, den Respekt einzufordern. Gelingt Ihnen das jetzt?

Magath: Wir müssen daran arbeiten, Respekt einfordern zu können - nicht nur auf dem Rasen. Ich möchte, dass Schalke hinter Bayern eine feste Größe in der Liga-Spitze und international ist. Das heißt, dass wir uns auch regelmäßig in der Champions League wiederfinden.

Könnte Schalke die Endstation Ihrer Karriere werden?

Magath: Weiß ich nicht. Das ist ja auch abhängig davon, in welchem Verhältnis meine Familie steht, wie es gesundheitlich bestellt ist. Da ist noch so vieles offen.

Was ist mit Puerto Rico, woher Ihr Vater stammt. Die wollten Sie doch auch schon mal...

Magath: ... als Nationalmannschafts-Manager verpflichten, ja. Aber ich hatte kein Interesse daran.

Beim DFB könnte eine Personaldiskussion nach der WM ausbrechen.

Magath: Damit habe ich aber nichts zu tun. Ich habe ja noch einen Vertrag. Und Nationaltrainer zu sein, ist für mich nun wirklich keine Alternative. Dafür stehe ich viel zu gerne täglich auf dem Platz.

Was bewirkt die Kompetenz-Fülle als Trainer, Manager und Vorstandsmitglied für Ihre tägliche Arbeit?

Magath: Der FC Schalke hatte und hat ja nicht nur finanzielle Schwierigkeiten, sondern war damals sportlich mit einer sehr teuren Mannschaft nur auf dem neunten Platz. Wenn die Situation so schwierig ist, müssen Entscheidungen getroffen werden. Und dann ist es günstig, dass nicht zu viele Kompromisse gemacht werden müssen. Aus finanziellen Gründen waren ohnehin schon viele Kompromisse nötig.

Man hat den Eindruck, dass Sie für die jungen Spieler wie Rafinha, Moritz, Matip, dem Sie für die Abiturprüfungen frei gegeben haben, oder Schmitz viel Verständnis aufbringen.

Magath: Ich versuche, meine Arbeit professionell zu verstehen und habe nicht die Absicht, ihnen ein Ersatzvater zu sein. Was ich versuche, ist ihre Persönlichkeit zu fördern und Verantwortungsgefühl zu wecken. Sie müssen beispielsweise bei Vertragsverhandlungen nicht nur eine, ihre eigene Seite sehen lernen.

Die vielen Verpflichtungen in der Winterpause haben überrascht. Aber die von Christoph Metzelder in der vergangenen Woche war eine Sensation. Was erwarten Sie von ihm?

Magath: Ich habe ihn vor eineinhalb Jahren kennengelernt, damals war ich noch in Wolfsburg, und hatte einen Spieler gesucht, der Verantwortung für die Mannschaft übernimmt. Allerdings wollte er damals einen Vertrag bei Real Madrid bis zum Ende erfüllen. Also bin ich jetzt zu ihm gefahren, wir hatten ein sehr gutes Gespräch. Ich bin überzeugt, dass er unserer Mannschaft und dem Verein als Führungsspieler auch international weiterhelfen kann.

An Innenverteidigern mangelt es aber nicht. Es sei denn, dass die Gerüchte, Marcelo Bordon und Benedikt Höwedes würden Schalke verlassen, stimmen.

Magath: Bordon hat eine überragende Saison gespielt. Auch ihm haben wir die Champions League zu verdanken. Mit ihm habe ich schon in Stuttgart zusammengearbeitet. Er ist einer, der zu mir passt. So lange er einen Vertrag hat (bis 2011, d. Red.), habe ich keinen Anlass daran zu zweifeln. Und Höwedes: Auch er hat einen gültigen Vertrag.

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