Leverkusen spielt wie aus einem Guss. Der Trainer ist dabei, einen Titelkandidaten erster Güte zu formen.

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Jupp Heynckes in Aktion.

Jupp Heynckes in Aktion.

dpa

Jupp Heynckes in Aktion.

Leverkusen. Jupp Heynckes bemühte sich, eine ernste Miene aufzulegen. Seine Mannschaft hätte die eine oder andere Chance des Gegners zugelassen, mäkelte er. "Das muss sie unbedingt noch abstellen." Heynckes blickte dabei düster drein. Es war, als ob der Vater seine Söhne wieder zurück auf dem Boden der Tatsachen holen wollte. Dabei hatten seine Spieler gerade ein 4:0 gegen den VfB Stuttgart furios herausgespielt.

Der Erfolg lässt allzu schnell Grundsätzliches vergessen, schien er mahnen zu wollen. Zu lange hat er mit seiner Mannschaft daran gearbeitet, dass aus den himmelsstürmenden Werks-Kickern der Vergangenheit eine seriöses Team wird, das seine offensiven Stärken weiterhin nutzt, aber ihre defensiven Schwächen enorm verbessert hat.

Dieses Spiel gegen die Schwaben, es war vor allem das Werk des 64-Jährigen, der diesen Spielern nach der missratenen Vorsaison Stärke und Harmonie eingehaucht hat. "Es stimmt in der Mannschaft. Auch in der Kabine verstehen wir uns alle gut", sagte beispielsweise Stefan Kießling, dreifacher Torschütze und unter Heynckes in der Form seines Lebens. Und so konnte der Trainer seinen missmutigen Gesichtsausdruck auch nicht mehr länger beibehalten. Hervorragenden Fußball habe man gespielt, tolle Tore geschossen, schwärmte er.

"Ein guter Fußballer war Toni Kroos schon immer"

Und neben Kießling stellte er einen Spieler in den Vordergrund, dem er seit Saisonbeginn besonders viel Beachtung geschenkt hatte: Toni Kroos. Aber nicht dessen drei Torvorlagen und die vielen weiteren wunderbaren Offensivaktionen stellte er in den Vordergrund. Vom Reservisten zu Saisonbeginn hat Heynckes nach intensiver körperlicher Arbeit an Robustheit und Durchsetzungsvermögen einen Führungsspieler geformt. "Ein guter Fußballer war Toni Kroos schon immer. Aber das reicht nicht. Es ist schön zu sehen, wie er die Wege nach hinten macht, Zweikämpfe angeht und für die Mannschaft arbeitet", lobte der Trainer.

Heynckes hat diese Aufgabe bei Bayer 04 bisher so gut bewältigt, weil er anders als in früheren Tagen und bei seinen ehemaligen Vereinen einen neuen Weg gefunden hat. Wohl noch in keinem Verein wurde er so häufig gut gelaunt und zu Späßen aufgelegt gesehen. Die Verbissenheit und oft auch Sturheit der Vergangenheit ist einer Milde gewichen, die ihm einen direkten Draht zu den jungen Spielern verschafft.

Völler erwartet erst im Frühjahr eine Entscheidung um Kroos

Toni Kroos, der sich in Leverkusen pudelwohl fühlt, will keineswegs freiwillig der Rückhol-Order aus München folgen. "Ich habe hier die pure Lust am Fußball", sagte der 19-Jährige und betonte: "Noch ist nichts entschieden." Rückhalt bekommt er von Trainer Jupp Heynckes. Er hält das von Karl-Heinz Rummenigge gegebene Versprechen, Kroos im Sommer 2010 zurückzuholen, für vorschnell.

Er hat das auf der Jahreshauptversammlung gesagt, und da musste er den Leuten Bonbons geben", sagte Heynckes. "Klar ist aber auch: Der Spieler muss gefragt werden, auch wenn er ein Spieler des FC Bayern ist."

Die Einhaltung von Disziplin oder Pünktlichkeit sind zwar immer noch die wesentlichen Eckpfeiler seines Handelns. Aber die Verstöße dagegen haben weniger gravierende Folgen für die Spieler. Diese neue Leichtigkeit hat sich auf die Leverkusener Mannschaft übertragen. So hat Heynckes einen Titelkandidaten geformt, der mit neuer Stabilität bis zum Saisonende durchhalten könnte. Umso unangenehmer wäre es nicht nur für Heynckes, wenn ausgerechnet er einen seiner Schüler am Saisonende wieder ziehen lassen müsste.

Im Sommer endet das Ausleihgeschäft mit dem FC Bayern. Und deren Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge hatte den Mitgliedern auf der jüngsten Jahreshauptversammlung versprochen, dass "Toni nächstes Jahr zu uns zurückkehren und dann ein wertvoller Spieler für den FC Bayern sein" wird. Der Spieler, so ist zu hören, würde gerne in Leverkusen bleiben. Sportdirektor Rudi Völler geht davon aus, dass erst im Frühjahr eine Entscheidung fallen wird. Heynckes will jedenfalls ein gutes Wort bei den Bayern-Verantwortlichen, die er sehr gut kenne, einlegen. "Ich weiß aber nicht, ob das am Ende ausreicht."

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