Bundesliga: Gladbachs Trainer ist wichtiger als das Team – für Dr. Kuhl ein Problem.

Düsseldorf. Der Essener Sportpsychologe und Managementberater Ulrich Kuhl erläutert den Liga-Endspurt aus seiner Sicht.

Herr Kuhl, wer hat psychologische Vorteile im Titelkampf? Bayern in der Post-Klinsmann-Ära oder Wolfsburg?

Ulrich Kuhl: Felix Magath hat sehr clever reagiert. Zuerst hat er die Titelchancen immer klein geredet. Und dann ist er selbst unter Druck gekommen und hat als Stratege reagiert. Ich glaube, dass Wolfsburg eine gute Chance hat, Meister zu werden. Das wird sich nicht negativ auswirken. Ohnehin holen die Spieler den Titel für sich und nicht für den Trainer.

War es sinnvoll, das Projekt Klinsmann bei Bayern so früh zu beenden?

Kuhl: Ich halte Jürgen Klinsmann für einen Guten, aber die Situation ist ihm ganz einfach nicht gut gelungen. Die Bayern haben dann an nichts anderes gedacht als einfach irgendetwas Anderes zu machen. Das Konzept war lediglich: Es muss etwas Anderes als Klinsmann sein. Das ist das Prinzip Hoffnung.

Wirkt Druck auf Spieler in den entscheidenden Phasen lähmend oder fördernd?

Kuhl: Im Spitzensport muss man mit hohem Druck fertig werden. Lukas Podolski bringt hervorragende technische Potenziale mit, aber er bringt das nur unter bestimmten Bedingungen. Fußball spielen funktioniert nicht immer nur unter Lust und Freude, sondern auch unter Druck. Ein Stefan Effenberg ist das Gegenbeispiel. Der hat Druck immer in positive Energie umgesetzt.

In Bremen feiert Thomas Schaaf sein zehnjähriges Dienstjubiläum. Verbraucht sich ein Trainer?

Kuhl: Die Trainer, die eine sachliche Art haben, verbrauchen sich nicht so schnell.

Wie muss ein Trainer im Abstiegskampf einwirken?

Dr. Ulrich Kuhl ist ein Essener Sportpsychologe und Managementberater. Er arbeitete am Olympiastützpunkt Rhein-Ruhr und in der A-Trainer-Ausbildung im Fußball und Tennis. Heute ist er Geschäftsführer der KKP Managementberatung. Zu seinen Kunden zählen auch Spitzensportler, darunter Speerwerferin Steffi Nerius.

Kuhl: Ein guter Trainer fokussiert die Spieler auf das, was sie tun. Denke nicht an deine Angst, denke an deine Aufgabe. Was in der Zeitung steht, das ist die Welt nebenan. Und der Trainer muss Dinge absichern: Dass sich die Mannschaft gegenseitig aufbaut und nicht abwinkt, wenn etwas nicht gelingt.

In Gladbach arbeitet Hans Meyer mit seiner ganz eigenen, ironischen Art.

Kuhl: Das Ironische dient nicht der Teambildung, macht eine Mannschaft auch nicht stark, sondern dient der Selbstdarstellung. Bei Meyer hat man immer das Gefühl: Der Trainer ist wichtiger als die Mannschaft. Die Mannschaft verblasst.

Kritisiert wird auch sein Umgang mit dem Jung-Nationalspieler Marko Marin.

Kuhl: Der Entwicklung von Potenzial bei einem Spieler dienen diese Maßnahmen nicht. Man hat ja auch gemerkt, dass der Trainer Gegenwind bekommt.

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