Die Wirtschaftskrise erschwert die Suche nach einem Hauptsponsor für Borussia Mönchengladbach.

Mikael Forssell.
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Mikael Forssell.

Düsseldorf. Was bis 1972 völlig normal war, dürfte bei einigen Fußball-Bundesligisten derzeit für reichlich Kopfzerbrechen sorgen: die drohende leere Fläche auf den Trikots der Spieler. Allein in der Bundesliga enden zur Jahresmitte zwölf Verträge mit Hauptsponsoren oder Ausrüstern. Nur wenige Vereine, wie Bayer Leverkusen (TelDaFax bis 2013), Borussia Dortmund (Evonik bis 2010/11), der Hamburger SV (Emirates bis 2012) und Werder Bremen (neuer Ausrüster-Vertrag mit Nike für fünf Jahre) haben sich bereits eine langfristige Unterstützung gesichert.

Auf ein weiteres Engagement ihres Hauptsponsors hoffen Hertha BSC Berlin (Deutsche Bahn) und der VfLBochum (Kik). Bei wieder anderen Erstliga-Vereinen wird es keine Vertragsverlängerung geben - dazu gehört neben Cottbus (EnviaM) auch Borussia Mönchengladbach (Kyocera).

Im Jahr 1972 zahlte Jägermeister 100 000 Mark im Jahr

Bereits seit September steht fest, dass der japanische Konzern Kyocera, der in Europa hauptsächlich durch Drucker und Kopierer bekannt ist, sein Hauptsponsoring beim Tabellenschlusslicht zum 30.Juni 2009 beenden wird. Einen Nachfolger gibt es bislang nicht. "Gespräche laufen, aber über den aktuellen Stand reden wir nicht", sagt Borussen-Pressesprecher Markus Aretz.

Doch der drohende Abstieg in die 2.Liga dürfte die Verhandlungen für die Verantwortlichen nicht gerade leichter machen. Und noch ein Aspekt ist zu beachten: "Vermutlich wird mit den Auswirkungen der Finanzkrise auch die Sponsorensuche schwieriger", sagt Stefan Walzel vom Institut für Sportökonomie und Sportmanagement der Deutschen Sporthochschule Köln.

Dabei hat Trikotsponsoring bei Borussia Mönchengladbach Tradition: Zu Beginn der Saison 1976/77 zierte erstmals der Schriftzug eines Geldgebers die Brust der Fohlen. Auf Erdgas folgten u.a. Tuborg, Trigema, Diebels und Belinea.

Seinen Anfang hatte das Werben auf der Spielkleidung von Fußballern im Jahr 1972: Jägermeister war der erste Trikot-Sponsor und bescherte Eintracht Braunschweig 1000 00 Mark im Jahr. Mittlerweile sind diese Einnahmen - Branchenführer Bayern München bekommt von der Telekom jährlich 20Millionen Euro - wesentlicher Bestandteil im Etat eines jeden Bundesligisten. "Das Sponsoring ist nach den TV-Einnahmen die wichtigste Ertragsquelle", sagt Stefan Walzel.

Spieler in Italien stehen vor Gehaltskürzung von 20 Prozent

Doch nicht nur in der Bundesliga, auch im Ausland gibt es prominente Vereine, die sich nach einem neuen Hauptsponsor umschauen müssen. So hat die Finanzkrise auch den englischen Meister Manchester United getroffen: Der amerikanische Versicherungs-Konzern AIG kündigte an, seinen Mitte 2010 auslaufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen. Auch in der Primera Division in Spanien sind die Auswirkungen zu spüren.

Der FCValencia etwa wirbt auf seinem Trikot für ein längst bankrott gegangenes Unternehmen. Racing Santander und Deportivo La Coruna spielen ganz ohne Trikotsponsor. Wie auch in Italiens SerieA-Clubs Lazio Rom und Palermo Calcio.

Die Gewerkschaft der Berufsfußballer hat vorgerechnet, dass die Spieler-Gehälter im Land des Weltmeisters in den nächsten zwei Spielzeiten um 20 Prozent sinken werden. "Der Fußball wird sich total verändern - es werden Dinge passieren, die wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen können", prognostiziert Bayern-Manager Uli Hoeneß. Gefahren für die Bundesliga sieht er aber kaum: "International sind wir besser aufgestellt als die anderen Ligen - wir sind gesünder und seriöser."

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