Hans-Joachim Stuck über den Formel-1-Grand-Prix am Sonntag im österreichischen Spielberg, das Duell bei Mercedes und alte Erlebnisse mit seinen Konkurrenten.

Rennfahrer Hans-Joachim Stuck.
Rennfahrer Hans-Joachim Stuck.

Rennfahrer Hans-Joachim Stuck.

Rennfahrer Hans-Joachim Stuck.

Herr Stuck, im Rennkalender 2015 fehlt ein deutsches Formel-1-Rennen, in Spielberg wird jetzt am Wochenende gefahren. Was machen die Österreicher besser als die Deutschen?

Hans-Joachim Stuck:
Dass wir in Deutschland einen Grand Prix organisieren können haben wir oft genug bewiesen. Die Frage müsste eher lauten: Mag Bernie Ecclestone die Österreicher lieben als die Deutschen? Denn dass es kein deutsches Rennen gibt, ist dem Formel-1-Chef geschuldet, der von seinen Forderungen keinen Millimeter abgewichen ist. Dadurch gab es keine Möglichkeit, hier ein Rennen zu veranstalten, was ich persönlich für eine Riesenschande halte. Die Automobilnation schlechthin mit einem starken Mercedes-Team und drei deutschen Fahrern ohne Grand Prix – das geht überhaupt nicht. Andererseits ist Österreich in vielen Dingen finanziell unabhängig, weil Red-Bull-Chef Dieter Mateschitz mit seinem Red-Bull-Ring Tolles leistet.


Im vergangenen Jahr erhielt der Große Preis von Österreich Bestnoten für die Organisation. Warum?

Stuck:
Ich war letztes Jahr dort. Der GP in Spielberg ist der attraktivste, den wir momentan in Europa haben. Weil es Red Bull versteht, den Samstag und Sonntag mit attraktiven Nebenschauplätzen zu befüllen, wie etwa der Legenden-Parade. Da fahren Idole wie Niki Lauda oder Gerhard Berger in den alten Boliden, die richtig Krach machen und optisch was hergeben. Mateschitz und sein Team haben verstanden, dass es den Zuschauern nicht nur um eine Stunde und 40 Minuten Rennen geht.


Sebastian Vettel hat mit einem Sieg im zweiten Rennen sein großes Potenzial angedeutet. Aber warum kann Ferrari die Lücke zu Mercedes nicht schließen?

Stuck: Jedes Team darf nur ein bestimmte Anzahl von Entwicklungsschritten machen und einsetzen. Das muss also sehr zielgerichtet geschehen. Verbunden mit den Testbeschränkungen macht das die Aufholjagd für die Teams, die nicht gleich von Anfang an bei der Musik sind, so schwer. Ich finde das nicht richtig. Die Formel 1 ist das Aushängeschild des Motorsport, und deshalb sollten im Augenblick unterlegene Marken die Möglichkeit haben, ihre technische Kompetenz zu beweisen. Mercedes hat auch im vergangenen Winter einen extrem guten Job gemacht, das macht es für alle anderen schwierig.


Die Mercedes-Piloten machen wieder das WM-Rennen unter sich aus. Wie kann man das ändern?

Stuck: Ich finde es nicht gut, dass die Entwicklungsmöglichkeiten beschränkt sind. Auf der einen Seite reden wir von der Kostenreduzierung. Aber das kann man anders machen. Mein Vorschlag: ran an die Aerodynamik, die Millionen von Euro kostet, aber wenig bringt. Durch den Abtrieb fahren die Autos wie an der Schnur gezogen. Weniger Abtrieb würde weniger kosten – und das macht die Rennen spektakulärer, weil man besser überholen kann.


In der WM liegt Lewis Hamilton mit vier Siegen vor Nico Rosberg mit zwei Erfolgen. Was fehlt dem Deutschen zum absoluten Spitzenfahrer?

Stuck: Rosberg fehlt nicht viel auf Hamilton, beide fahren auf etwa dem gleichen Niveau. Aber Rosberg ist einen Tick langsamer, er fährt hinterher und muss überlegen, wie er den Briten überholt – das kostet schon wieder Zeit.


Im freien Training stimmen die Piloten mit ihren Ingenieuren die Autos ab. Tauschen sich die Teamkollegen aus, oder behält jeder sein Wissen für sich?

Stuck: Zu 90 Prozent sind die Autos eines Herstellers gleich, weil es gemeinsame Technik-Meetings gibt. Der Teamgedanke steht im Vordergrund. Bei den letzten Feinheiten, der Stoßdämpfereinstellung oder bei Spur und Sturz gibt es individuelle Vorlieben.


Wie ist das Verhältnis unter Teamkollegen?

Stuck:
Der Teamkollege ist der härteste Rivale. Das sind keine Busenfreude. Wie soll das auch gehen: sich auf der Piste gegenseitig in die Kiste fahren und hinterher ein Bier trinken gehen? Das funktioniert nicht.


Wie haben Sie sich mit Ihren Garagenpartnern verstanden?

Stuck: Mein coolstes Jahr war 1978 mit dem Schweizer Clay Regazzoni. Wir waren beide Vollgastiere und wollten Spaß haben, der Bessere sollte gewinnen. 1977 mit John Watson bei Brabham war das nicht so, wir haben beide versucht den anderen auszutricksen. Denn: Wer am Ende der Bessere war, durfte im damaligen Team von Bernie Ecclestone bleiben. Als ich bei March gefahren bin, war Ronnie Peterson mein Kollege. Der Finne war einer der schnellsten Formel-1-Piloten. Ich habe mit allen Mitteln versucht, ihn zu schlagen.

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