Aus und vorbei
Für Rubens Barrichello gibt es in der Formel 1 kein Cockpit mehr. Foto: Harish Tyagi

Für Rubens Barrichello gibt es in der Formel 1 kein Cockpit mehr. Foto: Harish Tyagi

dpa

Für Rubens Barrichello gibt es in der Formel 1 kein Cockpit mehr. Foto: Harish Tyagi

Sao Paulo (dpa) - Aus und vorbei? Für Rekordstarter Rubens Barrichello wird es wohl keine 20. Formel-1-Saison geben. Der bald 40-Jährige hat kein Team mehr. Es könnte das Ende einer langen und oft auch leidvollen Karriere des emotionalen Brasilianers in der Formel 1 sein.

Den sehnlichen Wunsch seines kleinen Sohnes wird Rubens Barrichello wohl nicht mehr erfüllen können. Der Sechsjährige hatte seinem Papa bereits ein Helmdesign für die kommende Formel-1-Saison entworfen. Barrichello präsentierte die Zeichnung auf einem DIN-A4-Blatt stolz und bewegt bei seinem möglicherweise letzten Rennwochenende. «Kannst du damit nächstes Jahr fahren?», habe ihn sein Sohn gefragt. Nein, nach aktuellem Stand kann er es nicht.

So wie es aussieht, wird es nichts mit der großen Jubiläumssaison für den Rekordstarter der Formel 1. Williams hat ihn ausgemustert und seinen Platz an Bruno Senna vergeben. 322 Grand Prix hat Barrichello absolviert. Michael Schumacher liegt mit 286 Rennen auf Platz 2.

Mit seinem Verhältnis zum Rekordweltmeister ist es nach den gemeinsamen Ferrari-Jahren allerdings nicht zum besten bestellt. So richtig hat Barrichello sein Schattendasein offensichtlich nie verwunden. Der gebürtige Paulista geht auch als Pilot der verpassten Chancen in die Historie ein. 2002 musste er Schumacher Platz machen, legendär ist der Funkspruch des damaligen Ferrari-Teamchefs, Jean Todt: «Let Michael pass for the Championship.»

Und so wurde Barrichello seinerzeit WM-Zweiter, ebenso wie 2004. 2009 saß der mittlerweile 39-Jährige abermals in einem Wagen mit WM-Chancen. Wieder wurde nichts draus, denn Teamkollege Jenson Button triumphierte im BrawnGP.

Immerhin schenkte er dem motorsportverrückten Brasilien im gleichen Jahr durch seinen Sieg in Valencia den 100. Grand-Prix-Erfolg. «Der Triumph des Rentners», titelte damals ««Il Giornale» aus Italien. Doch selbst in der Stunde des ersten Sieges nach einer fünfjährigen sportlichen Leidens- und Durststrecke dachte Barrichello nicht nur an sich. Den Sieg widmete er seinem zuvor in Ungarn schwer verunglückten Landsmann Felipe Massa.

Ein anderer Brasilianer hat ihm nun den Stammplatz weggeschnappt. Ausgerechnet Bruno Senna. Barrichello war auch so etwas wie ein Mentor für den Neffen der Formel-1-Legende Ayrton Senna. Der dreimalige Weltmeister war 1994 in einem Williams-Wagen beim Großen Preis von San Marino tödlich verunglückt. Am schlimmsten Wochenende der Formel-1-Geschichte, an dem auch noch der Österreicher Roland Ratzenberger ums Leben gekommen war, war auch Barrichello verunglückt. Wie durch ein Wunder war er in seiner zweiten Saison aber so gut wie unverletzt davongekommen.

In Brasilien im vergangenen Jahr weigerte er sich auf der Auslaufrunde fast schon ein bisschen trotzig, seinen Landsleuten «auf Wiedersehen» zu sagen. Gegen die vermeintliche Mitgift, die Landsmann Senna im Rennen um das Williams-Cockpit mitbrachte, zählte aber offenbar auch die Erfahrung des Rennroutiniers wenig. Von Verbitterung gegenüber Senna, der den zweiten Platz neben Pastor Maldonado aus Venezuela bekam, aber keine Spur: «Ich wünsche meinem Freund Bruno Senna alles Gute», twitterte Barrichello. Seine eigene Zukunft sei weit offen, schrieb der elfmalige Grand-Prix-Gewinner. Lediglich beim Hinterbänkler-Team HRT ist noch ein Platz frei.

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