Robert Kubica wurde nach seinem schweren Unfall sofort ins Krankenhaus eingeliefert.
Robert Kubica wurde nach seinem schweren Unfall sofort ins Krankenhaus eingeliefert.

Robert Kubica wurde nach seinem schweren Unfall sofort ins Krankenhaus eingeliefert.

dpa

Robert Kubica wurde nach seinem schweren Unfall sofort ins Krankenhaus eingeliefert.

Genua (dpa) - Zwischen Hoffen und Bangen: Auch nach einer siebenstündigen Operation bleiben die Sorgen um die rechte Hand von Formel-1-Pilot Robert Kubica noch einige Tage bestehen.

Immerhin gab es erste positive Signale. «Roberts genereller Zustand ist viel besser heute», überschrieb Kubicas Rennstall Lotus Renault die Pressemitteilung. Die Ärzte holten den 26-Jährigen, der bei einer Rallye in Italien verunglückt war, kurz aus seinem künstlichen Koma. Er sprach mit seinen Verwandten im Santa Corona Hospital in Pietra Ligure und konnte laut Lotus Renault sogar seine Finger bewegen. Anschließend wurde Kubica noch einmal für 24 Stunden ruhig gestellt. In der Zwischenzeit wollten die Mediziner entscheiden, wie sie die Ellbogen- und Schulterfrakturen behandeln.

Der Pole weiß nach Angaben seines Managers Davide Morelli über die Schwere seiner Verletzungen. «Robert zeigte, dass er alles genau verstanden hat», wurde Morelli auf der Homepage von «Il vostro giornale» zitiert. Kubicas Hirntätigkeit sei intakt: «Und wir sind extrem erleichtert.»

Doch das Bangen um die Fortsetzung von Kubicas Motorsportkarriere geht weiter, nachdem seine Hand bei dem Unfall nur wenige Kilometer nach dem Start der Rallye Ronde di Andora regelrecht zertrümmert worden war.

«Wir haben unser bestes getan, um die Funktionen des Unterarms wiederherzustellen», meinte Hand-Spezialist Igor Rossello, der mit sechs weiteren Ärzten den Eingriff vorgenommen hatte. Die komplette Anatomie des Unterarms hatte rekonstruiert werden müssen. «Die Hand ist warm und das bedeutet, dass die Operation gut war», meinte Rossello. Mindestens sechs Tage müsse man aber abwarten und sehen, ob das Blut so zirkuliert, wie es soll.

An eine Rückkehr ins Cockpit ist derzeit erstmal wohl nicht zu denken. Zumal die Piloten neben Fingerfertigkeit auch Kraft in den Unterarmen mitbringen müssen, um das Steuer eines weit über 700 PS starken Autos zu bedienen.

Der Pole galt für die kommende Saison als Geheimtipp. Bei den Testfahrten in der vergangenen Woche hatte er einmal die Tagesbestzeit erzielt. Und nun das: «Ein Jahr ist die beste Vorhersage», antwortete Chirurg Rossello auf die Frage, wann Kubica seine rechte Hand voraussichtlich wieder richtig benutzen kann. Er schloss aber eine schnellere Heilung nicht aus: «Fahrer sind immer ganz spezielle Patienten.»

Wer anstelle Kubicas, der im Sommer 2006 seine Formel-1-Premiere als erster Pole gefeiert, 2007 einen schweren Unfall in Montréal gehabt und ein Jahr später an selber Stelle seinen ersten und bislang einzigen Sieg gefeiert hatte, vorerst an den Start gehen wird, ist offen. «Das ist für uns momentan gar kein Thema», erklärte Manager Timo Gans vom deutschen Piloten Nico Hülkenberg der Nachrichtenagentur dpa. Der Emmericher bekam für die kommende Saison kein Stammcockpit und heuerte als Ersatzmann bei Force India an.

Ein möglicher Kandidat könnte ein ehemaliger Teamkollege von Kubica sein: Nick Heidfeld steht derzeit noch ohne Job da. Auch er wünschte dem Verunglückten alles Gute. Seine Gedanken seien bei Kubica, notierte Heidfeld auf seiner Homepage.

Nicht nur Hülkenberg und Heidfeld zeigten sich betroffen vom Unfall des Polen, dessen Eltern laut italienischer Medien von Krakau nach Italien reisten. «Ich bin noch immer entsetzt über die Meldungen, die mich über Robert Kubica erreichen. Es ist schockierend, was man da hören muss, ganz schrecklich», schrieb Rekordweltmeister Michael Schumacher auf seiner Homepage.

Er hoffe sehr, dass die medizinischen Maßnahmen alle gegriffen hätten und noch greifen würden, «damit er wieder der Alte sein kann und keine Schädigungen zurück bleiben», so Schumacher weiter. Der mittlerweile 42-Jährige hatte wegen eines Motorradunfalls im Februar 2009 sein Comeback bei Ferrari im gleichen Jahr aus gesundheitlichen Gründen platzen lassen müssen.

Für Kubica wurde die Rallye-Leidenschaft zum Verhängnis. «Ich liebe es, einen Rallye-Wagen zu fahren», sagte Kubica, der bei einem Unfall im Straßenverkehr 2003 einen Armbruch erlitten hatte, einmal. Sein Rennstall rechtfertigte die Erlaubnis für den Ausflug. «Er liebt den Rallye-Sport. Wir kannten das Risiko und er auch», sagte Eric Boullier der italienischen Nachrichtenagentur Ansa.

Neben den Verletzungen an der Hand, am Arm und an der Schulter wurde auch Kubicas rechtes Bein in Mitleidenschaft gezogen. Kubica, über dessen Zustand sich Kumpel Fernando Alonso noch am selben Tag vor Ort erkundigte, habe in der Hand und im Bein schwere Schmerzen, berichtete sein Manager.

Rallye-Co-Pilot Jakub Gerber kam bei dem schweren Unfall unverletzt davon; er war aus dem Fenster geklettert. «Wir wussten, dass der Asphalt rutschig war wegen der Feuchtigkeit. Wir waren darauf vorbereitet.» Als fatal erwies sich nun offenbar, dass die Leitplanke unterbrochen war. Nach dem Einschlag in die erste wurde der Skoda von der nachfolgenden praktisch aufgespießt.

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