Ferrari-Teamchef
Stefano Domenicali setzt auf eine aggressive Strategie beim Autobau der Scuderia. Foto: Valdrin Xhemaj

Stefano Domenicali setzt auf eine aggressive Strategie beim Autobau der Scuderia. Foto: Valdrin Xhemaj

dpa

Stefano Domenicali setzt auf eine aggressive Strategie beim Autobau der Scuderia. Foto: Valdrin Xhemaj

Berlin (dpa) - Die Formel 1 ist auf Crashkurs. Zum ersten Mal müssen alle Teams in diesem Jahr schon vor dem Start ihrer Testfahrten beweisen, dass ihre neuen Autos auch schweren Unfällen standhalten.

Für die Ingenieure bedeutet die neue Regel weniger Zeit zur Entwicklung der Rennwagen, damit alle Pflicht-Crashtests rechtzeitig absolviert werden können. Bislang mussten die Boliden erst vor dem Auftaktrennen zur Sicherheitsprüfung. «Es wird eng, aber das ist im Januar normal», bemühte sich Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko um verbale Gelassenheit.

Doch selbst ein Spitzenteam wie Ferrari bringt der neuformulierte Paragraf 22.2 des Sport-Regelwerks in Zugzwang. Bei der Aufholjagd auf die im Vorjahr dominanten Red Bulls um Sebastian Vettel sucht die Scuderia nach kreativen Lösungen - und scheiterte prompt beim ersten Crashtest. «Ich habe unsere Ingenieure schon im vergangenen Sommer aufgefordert, jedes Detail und jeden Winkel des Regelwerks auszuleuchten, um ans Limit zu kommen», erklärte Teamchef Stefano Domenicali die aggressive Strategie beim Autobau.

Für den zweiten Testanlauf musste Ferrari seine neue «Rote Göttin» dem Vernehmen nach zusätzlich mit Karbon verstärken - und kam diesmal durch. Die Prüfungen dürfen beliebig oft wiederholt werden. Aber es gilt: Jedes Chassis, das bei Übungsfahrten und Rennen eingesetzt werden soll, muss in der Teamfabrik unter Aufsicht des Weltverbands FIA insgesamt acht sogenannte statische Tests bestehen.

Simuliert werden dabei unter anderem harte Einschläge an der Cockpit-Seite, am Unterboden des Benzintanks und an der Frontpartie. Dazu wird der Überrollbügel bei drei Prüfungen jeweils mit mehreren Tonnen belastet und darf sich dabei um nur wenige Zentimeter verformen.

Hinzu kommen dynamische Tests bei einem Prototypen des neuen Autos, die in einem von der FIA genehmigten Testzentrum ausgeführt werden müssen. Die Front, die Seite und das Heck des Rennwagens werden mit einer Geschwindigkeit von bis zu 15 Metern pro Sekunde, also 54 Stundenkilometern, gecrasht. Dabei muss die Sicherheitszelle des Piloten intakt bleiben. «Da war ganz viel Daumendrücken. Man hofft, dass alles so läuft wie vorausgesagt», berichtet Force-India-Technikchef Andrew Green.

Das Team des Deutschen Nico Hülkenberg hat alle geforderten Tests bereits bestanden. «Es war in diesem Jahr etwas anstrengender», gestand Ingenieur Green mit Blick auf die Entwicklung des VJM05. Auch McLaren und Außenseiter Caterham sowie Lotus haben die Prüfungen schon mit Erfolg absolviert. Williams-Technikdirektor Mike Coughlan verkündete, sein Rennstall habe zumindest bei internen Simulationen alle Crashtest-Erfordernisse erfüllt.

Während Timo Glock gar erst Anfang März in seinen neuen Marussia steigen darf, geht Mercedes bei den ersten Probefahrten in Jerez Anfang Februar bewusst mit einem Vorjahresmodell an den Start. Die Schwaben wollen so mehr Zeit für den Bau des neuen Silberpfeils haben. Teamchef Ross Brawn sieht dies als «optimalen Kompromiss für unser Design- und Entwicklungsprogramm». Seinen Piloten Michael Schumacher und Nico Rosberg bleiben damit jedoch insgesamt nur acht Testtage mit dem neuen F1 W03, ehe am 18. März in Australien die Saison beginnt.

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