Hamburg (dpa) - Die Angriffe von FIFA-Präsident Joseph Blatter auf das Internationale Olympische Komitee (IOC) bilden den bisherigen Höhepunkt der Auseinandersetzungen zwischen den beiden größten Organisationen des Weltsports.

Dabei geht es um Macht und Einfluss, letzten Endes um Wirtschaftskraft und den Kampf um den größten Anteil am globalen Markt der Sportrechte. Formal ist die FIFA als einer von 35 internationalen Sportverbänden Teil des IOC. Als persönliches Mitglied unter maximal 115 Olympiern musste der Schweizer bei seiner Aufnahme 1999 den Eid ablegen, «die Interessen des IOC und der olympischen Bewegung unter allen Umständen zu verteidigen». Tatsächlich hat Blatter die Interessen der FIFA immer höher gestellt als die des IOC. Das führte zu Dauerkontroversen.

Die FIFA ist der einzige Verband, dem das IOC entgegen der olympischen Bestimmungen eine Altersbegrenzung von 23 Jahren zugesteht. In der vom IOC geforderten Freigabe der besten Spieler für die Olympischen Spiele sieht Blatter eine Entwertung der FIFA-Weltmeisterschaften. Als Blatter gar eine Zulassungsbegrenzung von 20 Jahren forderte, drohte das IOC mit dem Ausschluss des Männer-Turniers von den Sommerspielen. So blieb es für die Spiele 2012 in London bei U-23-Teams, die ergänzt werden dürfen durch jeweils drei ältere Spieler.

Um die Autonomie der FIFA zu wahren, hat Blatter jahrelang gegen die Anerkennung des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) und der Welt-Antidoping-Agentur (WADA) und ihrer Bestimmungen gekämpft. Seine Unterschriften erfolgten erst nach großem Druck durch das IOC. Die größten Kontroversen gab es jedoch auf dem Feld des lukrativen Sportmarktes.

Als noch junger FIFA-Präsident forderte Blatter das IOC mit seinem Vorschlag heraus, die Fußball-Weltmeisterschaften alle zwei Jahre auszutragen. Das hätte bedeutet, die WM in unmittelbarer zeitlicher Nähe zu den olympischen Sommerspielen zu veranstalten. Der damalige IOC-Herrscher Juan Antonio Samaranch befürchtete rapiden Preisverfall bei den Fernseh- und Sponsorenrechten, er konnte Blatters Vorhaben dank seines Einflusses rasch stoppen.

Nun wird das IOC mit Blatters Vorhaben konfrontiert, die Katar-WM 2022 zeitnah zu den Winterspielen ausrichten zu wollen. Ob das gelingen wird, hängt auch vom internationalen Fernsehen ab und dessen Willen und Vermögen, über zwei Weltereignisse innerhalb kürzester Zeit zu berichten. Einen Preisverfall müsste besonders das IOC für seine «kleinen Spiele» fürchten. Schon jetzt hat es Mühe, seine TV-Rechte auf den größten Märkten USA und Europa für die Winterspiele in Sotschi 2014 und die Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro einkömmlich zu platzieren.

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