WM-Kampf: Felix Sturm gönnte sich 14 Monate Pause. In Köln feiert er sein Comeback als Weltmeister und ist nun sein eigener Chef.

Felix Sturm.
Felix Sturm.

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dpa

Felix Sturm.

Köln. Felix Sturm ist zurück. Angeschnallt auf einem Teleskop-Arm fährt er aus dem Bauch der Halle und scheint zu schweben. Über dem Ring, in dem er gleich seinen Titel verteidigen wird, und über seinen Fans. Für sie ist er ein Idol, das jetzt den nächsten Schritt tun wird. In ein neues Leben. Kurz kommt er dafür zurück auf die Erde, besteigt den Ring und schickt Giovanni Lorenzo, seinen Gegner, in eine Niederlage. Ein deutliche und nie gefährdete zudem. Sturms Rückkehr in den Ring nach 14-monatiger Pause ist aber vor allem sein Einstieg als Unternehmer. Der WBA-Weltmeister im Mittelgewicht ist jetzt sein eigener Chef - im Ring, am Ring und abseits des Gevierts.

Sturm verspricht, jedes Jahr im "Kölner Wohnzimmer" zu boxen

Und so stand in Köln vor rund 18000 Zuschauern viel auf dem Spiel für den Selbstvermarkter als Weltmeister: Der Titel, der Start als Unternehmer, das Renommee als Publikumsmagnet und damit als Quotenbringer für Sat.1. Der Sender kann mit dem Zuschauerschnitt von 5,27 Millionen (Quote 28,2 Prozent) zufrieden sein. Sturm war es auch. "Wir haben hier etwas hin gebastelt, das uns kaum jemand zugetraut hat", sagte Sturm. Schließlich stünde in Köln Europas größte Halle. "Das ist mein neues Wohnzimmer", verkündete er noch voller Stolz im Ring nach seiner achten Titelverteidigung, die vom eher behäbig wirkenden Gegner eigentlich nie in Gefahr geriet. Die Domstadt ist das neue Hauptquartier des Unternehmers Sturm, der ankündigte, mindestens einmal im Jahr in Köln boxen zu wollen.

Sturms Kämpfe folgen einer eigenen Melodie. Vielleicht mag sie einigen ein bisschen eintönig sein, weil ohne erkennbaren Rhythmus. Sturm, der nicht der spektakuläre Boxer mit Hau-um-Effekt ist, hat es mit seinem technisch geprägten Stil ohnehin schwerer. Aber die Zischlaute, die der Weltmeister bei seinen gezielten Attacken ausstößt, finden meist Wertung auf den Zetteln der Ringrichter. Schnell wurde klar, das sich dies ungleiche Spiel nur in eine Richtung einwickeln würde. In jene, in der zwei Fäuste schlugen und trafen, während aus der anderen meist nur ein Fäustchen nach dem Ziel suchte.

Sturm: Ich habe jetzt keine Kopfschmerzen mehr

Rund 1,5 Millionen Euro ließ sich Sturm die Wendung seiner Karriere zum Unternehmer kosten. Sein Trainings-Gym baute er aus und fand sein ehemaliges Management Universum ab. Offensichtlich ein gutes Investment. "Es gibt jetzt keine Diskussionen mehr", sagte Sturm und meinte damit sein altes Management. "Ich habe jetzt keine Kopfschmerzen mehr, gehe nach Hause und schlafe gut." Sein neuer Trainer Fritz Sdunek lobte seinen Schützling wie selbstverständlich. "Felix hat vorsichtig begonnen, den Kampf mit der linken Führhand gut bestimmt. Aber die Rechte hätte öfter kommen müssen", kritisierte Sdunek, der auch Vitali Klitschko seit seinem Comeback betreut. Sturm ist dabei, auch dank der Wahl des Kenners Sdunek, sich einen Platz im Box-Business neben dem Sauerland-Stall, Universum Box-Promotion und den Klitschkos zu sichern. Selbst wenn es noch keiner in der ersten Reihe ist.

Die drei Ringrichter fällten ein einstimmiges Urteil: 117:111, 117:111, 118:111 für Felix Sturm gegen Giovanni Lorenzo aus der Dominikanischen Republik.

Für Dezember kündigte Felix Sturm den nächsten Kampf an. Zu Wochenbeginn soll über den Gegner und über den Kampfort entschieden werden.

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