„Perfekt gespielt? Das darf unser Trainer nicht hören“, sagt Sportdirektor Christian Nerlinger.

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Ein sichtlich zufriedener Trainer Louis van Gaal am Mittwoch bei der Rückkehr am Flughafen in München.

Ein sichtlich zufriedener Trainer Louis van Gaal am Mittwoch bei der Rückkehr am Flughafen in München.

dpa

Ein sichtlich zufriedener Trainer Louis van Gaal am Mittwoch bei der Rückkehr am Flughafen in München.

Lyon/München. Die Frage nach Fußball in Vollendung wollte Christian Nerlinger nach dem fantastischen 3:0 im Champions-League-Halbfinale bei Olympique Lyon ebenso wenig beantworten wie Trainer Louis van Gaal. Das machten andere.

Nach dem bärenstarken Auftritt im Stade de Gerland geriet vor allem Uli Hoeneß ins Schwärmen. "Besser geht es nicht. Was diese Mannschaft am Ende einer Saison noch zeigt, ist unglaublich", war der Präsident bei seiner Lobeshymne nicht zu bremsen. Und selbst Franz Beckenbauer, der mit den Bayern nicht immer zimperlich umgeht, musste eingestehen: "Das war eine taktische Meisterleistung."

Van Gaal selbst bremste die Euphorie. "Alles ist möglich. Wir können aber auch noch alles verlieren", mahnte der Holländer, der seinem Team dennoch eine großartge Leistung bescheinigte. "Sie haben zehn Monate mit mir leben müssen. Das ist nicht einfach. Ich glaube, dass meine Spieler jetzt sehr froh sind."

Rückblende: Van Gaal war nicht unumstritten. Im Herbst 2009 und im Frühjahr 2010 litten die Bayern unter extremen Formschwankungen. Franck Ribéry war ständig verletzt und machte mehr durch seine Wechselabsichten Richtung Real Madrid auf sich aufmerksam als durch konstruktive Zusammenarbeit.

Die Mannschaft war nicht die Einheit, wie sie van Gaal anstrebte. Als Mitte Februar mit dem 1:1 in Nürnberg die beachtliche Serie mit zwölf Siegen hintereinander riss, war es plötzlich mit der Dominanz der Bayern vorbei. Fast hätte das zum Ausscheiden in der Champions-League gegen Florenz geführt.

Lahm: Wir haben noch viel vor und sind noch nicht am Ende

Bayern-Profi Anatoli Timoschtschuk bangt um das Leben seiner ungeborenen Zwillinge. Bei seiner Frau Nadija war die Fruchtblase geplatzt. Daher weilte er in einem Münchener Krankenhaus bei ihr, statt mit der Mannschaft in Lyon das Halbfinale der Champions League spielen zu können.

Jetzt kann man sagen, dass van Gaal vieles richtig gemacht hat. Luca Toni, Andreas Ottl, der Brasilianer Breno und Edson Braafheid wurden ausgeliehen. Und weil auch Andreas Görlitz und Christian Lell den Ansprüchen des Trainers nicht genügten, tat sich ein Problem in der Defensive auf. Van Gaal setzte auf zwei Teenies: Diego Contento und David Alaba.

"Ich habe vor einem Jahr noch in der 3. Liga gespielt, und jetzt habe ich mitgeholfen, das Finale in der Champions League zu erreichen. Das ist ein Traum", war der 19 Jahre alten Contento überglücklich. Über vorübergehende Schwächen in der Innenverteidigung bei Daniel van Buyten und Martin Demichelis spricht seit Lyon niemand mehr.

Mit dem ersten Finaleinzug seit 2001 und der Chance auf das Triple mit Meisterschaft, Pokal und Champions League stehen die Bayern vielleicht erst am Anfang einer neuen, erfolgreichen Ära. "Wir haben noch viel vor und sind noch nicht am Ende", sagt Philipp Lahm.

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