Die Jagd von Kölner Hooligans auf Gladbacher Anhänger ist beispiellos. Es droht eine erneute Eskalation.

Überfall
Der Bus des Pulheimer Busunternehmens ist nach dem Überfall der FC-Ultras stark beschädigt.

Der Bus des Pulheimer Busunternehmens ist nach dem Überfall der FC-Ultras stark beschädigt.

Privat

Der Bus des Pulheimer Busunternehmens ist nach dem Überfall der FC-Ultras stark beschädigt.

Köln. Auf dem Hof des Transport-Unternehmens in Pulheim steht der ramponierte Bus. Drei Scheiben sind eingeschlagen, im Gefährt liegen die Scherben verteilt, die Scheibenwischer sind zerstört. Das Ganze gibt einen Eindruck davon, was am Sonntag auf der Autobahn-Raststätte Siegburg-Ost an der A 3 passiert sein muss. „Geschätzt sind das rund 25 000 Euro Schaden“, sagt ein Mitarbeiter des Unternehmens. Längst haben Mitarbeiter der Versicherung den Bus unter die Lupe genommen.

„Mit Baseballschlägern und Eisenstangen haben die auf den Bus eingeschlagen, sogar Ziegelsteine flogen, auf denen das Emblem des 1. FC Köln prangte“, sagt der Mitarbeiter und nennt die Dinge beim Namen: „Das war eine ganz gezielte Aktion der Kölner.“ Gegen 23.30 Uhr trafen die Anhänger aufeinander, die Kölner aus Hoffenheim, die Gladbacher aus Freiburg kommend. Ausbremsen, schneiden – bis Siegburg-Ost ging das so, was bei Bad Honnef begonnen hatte. „Das ist eine neue Dimension der Gewalt“, sagte Kölns Polizeisprecher Lutz Flassnöcker.

Anhänger machen mit erheblicher Brutalität Jagd auf Fans eines anderen Vereins. Einen vergleichbaren Fall hat es nie gegeben.

Den Hooligans droht ein dreijähriges Stadionverbot

Der Fahrer des Pulheimer Unternehmens startet durch, bis Köln-Dellbrück wird der Bus von der Horde Unverbesserlicher weiter verfolgt, ehe die Polizei eingreift und neun Täter in Gewahrsam nimmt. Die einzig gute Meldung: Personen wurden nicht verletzt.

„Wenn es sich um Leute aus unseren Fan-Klubs handelt“, sagt Rainer Mendel, Fan-Betreuer des 1. FC Köln, „werden wir sie mit einem dreijährigen republikweiten Stadionverbot belegen. Sollten es Vereinsmitglieder sein, werden wir Ausschlussverfahren einleiten.“

Die vermummten Täter, die in einem Kleinbus unterwegs waren, haben den Bus mit Gladbach-Anhängern massiv angegriffen. „Jetzt ermitteln wir unter anderem wegen Sachbeschädigung, Landfriedensbruch und Nötigung“, sagte der Sprecher der Kölner Polizei, Lutz Flassnöcker.

Mitte März 2008 haben nach dem Heimspiel gegen St. Pauli drei 13- bis 16-Jährige Köln-Anhänger aus dem Fahnenraum der Borussen-Fans in der Nordkurve die Flagge der Ultras gestohlen. Die Täter sollen zur Kölner Gruppe „Wilde Horde“ gehört haben. Im folgenden Derby zündeten Gladbach-Fans Leuchtraketen, als das gestohlene Stofftuch im rot-weißen Block der Kölner auftauchte.

Beim Derby Anfang Oktober 2008 in Mönchengladbach wurden Busshuttles mit Kölner Anhängern von Mönchengladbacher Hooligans angegriffen. Rund 200 Kölner randalierten daraufhin in den Bussen.

Bereits am Montagvormittag entschuldigte sich der 1. FC Köln offiziell beim rheinischen Rivalen. Tobias Schmidt, Pressesprecher des 1. FC Köln, sagte: „Das sind keine Kavaliersdelikte. Das ist eine Form von Gewalt, die wir in keinster Weise tolerieren können.“

Das Derby zwischen den Rivalen steigt am 15. April dieses Jahres

Beide Vereine machten in ihren eiligen Statements am Montag deutlich, dass die Tat zur Verharmlosung keinen Anlass gibt. Zu viel ist passiert in der Vergangenheit zwischen Borussia und dem FC, zwischen denen, die Anhänger sein wollen, aber Hooligans sind.

Mit einigem Schrecken darf man dem nächsten Derby entgegen sehen, das am Sonntag, den 15. April (15.30 Uhr) dieses Jahres im Mönchengladbacher Borussia-Park steigt. Ohnehin sportlich prekär, weil Gladbach in der Liga vorn mit- und Köln gegen den Abstieg spielt, droht der Bus-Angriff zum erneuten Zankapfel zu werden.

Die Erinnerungen sind noch frisch: 2008 hatten Köln-Fans eine Gladbacher Ultra-Fahne gestohlen und öffentlich verbrannt, danach kam es in aufgeheizter Atmosphäre zu einer Reihe von Ausschreitungen zwischen beiden Lagern (siehe auch Kasten). „Wir appellieren an alle Borussia-Fans, besonnen zu reagieren“, sagte VfL-Geschäftsführer Stephan Schippers in böser Vorahnung.

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