Die Vereine in Deutschland sorgen sich um Zuschauerschwund und wachsende Schuldenberge.

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Längst nicht immer ausverkauft: Sporthallen in Deutschland, beim Eishockey oder auch in anderen Ligen.

Längst nicht immer ausverkauft: Sporthallen in Deutschland, beim Eishockey oder auch in anderen Ligen.

dpa

Längst nicht immer ausverkauft: Sporthallen in Deutschland, beim Eishockey oder auch in anderen Ligen.

Düsseldorf. Gelassen bleiben sie fast nur noch im Profifußball, in den anderen Profi-Ligen der Republik geht die Angst um. Die Angst, die eigenen Leute nicht mehr bezahlen zu können. Und irgendwann vom Insolvenzverwalter abhängig zu sein. Nicht nur im Eishockey, im Handball und im Basketball sind die Sorgen im Jahr der weltweiten Wirtschaftskrise groß.

In der Basketball-Bundesliga droht aktuell den Paderborn Baskets das Aus. Der Klub teilte gestern mit, in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten zu stecken. Schätzungen zufolge soll den Ostwestfalen im Etat ein sechsstelliger Betrag fehlen. "Die Paderborn Baskets Team GmbH, die den Bundesligabetrieb verantwortet, steht kurz vor einer möglichen Insolvenz", sagte Paderborns Präsident Wolfgang Walter.

Im schlimmsten Falle droht den Baskets der Sturz in die Regionalliga. Als Hauptgrund für die schwierige Situation nannte Walter die Tatsache, dass einige der langjährigen Sponsoren ihr Engagement aufgeben mussten. Gleichzeitig blieb der Zuschauerschnitt von 2131 Besuchern hinter den Erwartungen zurück.

Diese Probleme kennen andere Vereine auch. Die Erwartung, in der Kölnarena automatisch auf den Zuspruch von Tausenden setzen zu können, hat der VfL Gummersbach längst aufgegeben. Selbst die Kölner Haie, über Jahrzehnte ein Zuschauermagnet, haben wie fast alle Klubs in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) Probleme mit der Zuschauerresonanz.

Nicht allen geht es aber so schlecht wie den Nürnberger Ice Tigers, die schon im November Insolvenz anmelden mussten. Insolvenzverwalter Volker Böhm bleibt dennoch optimistisch. "Die Gespräche laufen gut. Ich bin fast sicher, dass die Ice Tigers die Saison zu Ende spielen können. Wenn alles gut läuft, schaffen wir auch die nächste Saison." Das glauben in Nürnberg aber längst nicht alle.

Tusem Essen und die Vorstandsetage glaubten auch zu lange an das Positive. Jetzt plant Geschäftsführer Niels Ellwanger für die zweite Bundesliga. Wenn alles gut geht. Nach dem Insolvenzverfahren setzt der Klub auf die Jugend und darauf, in spätestens drei Jahren wieder in der Bundesliga zu sein. Wenn es schlecht geht, droht dem Traditionsverein aber die Rückstufung in die Oberliga. Ellwanger: "Das wäre zwar ein Rückschlag, aber noch nicht das Ende der Planungen."

Essen ist Kulturhauptstadt 2010 und sportliche Problemzone

Auf der Gläubigerversammlung am 26. Januar rechnet Ellwanger mit Forderungen in Höhe von 2,6 Millionen. In Essen fast der sportliche Alltag, der Eishockey-Club der Moskitos ist nach der Insolvenz 2007 inzwischen in Liga Vier gelandet, die Fußballprofis von Rot-Weiß versuchen sich am Aufstieg in die dritte Liga. Das Georg-Melches-Stadion beherbergt nichts Großartiges mehr. Dort lebt man von der Tradition und streut sich Sand in die Augen.

Auch die älteste organisiert betriebene Sportart der Welt kämpft ums Überleben. Die Wettumsätze gehen zurück, der deutsche Turf hat große Probleme. Der Rennveranstalter in Frankfurt ist pleite, Baden-Baden drücken Millionenschulden. Aber nicht nur die deutschen Klubs erwischt es, auch die Sportverbände. Die Deutsche Eislauf-Union (DEU) sah sich 2007 vor dem Konkurs, als 60000 Euro an Steuern nachzuzahlen waren.

Christian Seifert bleibt dagegen gelassen. Der Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL) sagt: "Trotz des temporären Rückgangs der Einnahmen gibt es keinen Grund zur Hysterie. Die Bundesliga wird die Krise meistern." Seifert warnte die Bundesligaklubs allerdings eindringlich vor "gewagten finanziellen Transaktionen".

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