Profifußballer Schnitzler offenbart sich. Heute wird der überführte Betrüger Sapina vernommen.

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„Seit ich 18 Jahre alt bin, gab es kaum einen Tag, an dem ich nicht gespielt habe“: René Schnitzler, Ex-Stürmer des FC St. Pauli.

„Seit ich 18 Jahre alt bin, gab es kaum einen Tag, an dem ich nicht gespielt habe“: René Schnitzler, Ex-Stürmer des FC St. Pauli.

dpa

„Seit ich 18 Jahre alt bin, gab es kaum einen Tag, an dem ich nicht gespielt habe“: René Schnitzler, Ex-Stürmer des FC St. Pauli.

Düsseldorf. Am Tag vor dem Auftritt des verurteilten Wettbetrügers Ante Sapina im Zeugenstand vor dem Bochumer Landgericht am Mittwoch hat sich im Fußball-Wettskandal ein weiterer Profi offenbart: Der frühere St.-Pauli-Stürmer René Schnitzler gab im Magazin „Stern“ zu, 100.000 Euro von einem Wettpaten namens „Paul“ kassiert zu haben. Er bestritt aber eine Manipulation von Spielen im Jahr 2008, berichtet das Magazin, gibt aber zu, spielsüchtig zu sein. „Seit ich 18 Jahre alt bin, gab es kaum einen Tag, an dem ich nicht gespielt habe“, wird der Angreifer zitiert.

Beim Bundesliga-Aufsteiger in Hamburg reagierte man geschockt. „Wenn sich ein Spieler mit der Wettmafia einlässt, dann wird der Sport mit Füßen getreten. Das verurteilen wir aufs Schärfste“, sagte Pressechef Christian Bönig, Torwart Hain sprach von „Hochverrat“. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) reagierte sofort. „Der Ligaverband hat unverzüglich Maßnahmen eingeleitet. Nach gegenwärtigem Stand sind uns keine Auffälligkeiten bekannt. Weder haben wir seitens Sportradar Hinweise zu auffälligen Wettbewegungen erhalten noch hat der Spieler, der bei drei der fünf angegebenen Partien auch gar nicht zum Einsatz gekommen ist, Spielmanipulationen zugegeben“, hieß es am Dienstag in einer veröffentlichten Erklärung.

Ante Sapina sitzt seit November 2009 in Untersuchungshaft. obwohl der Deutsch-Kroate bereits 2005 vom Berliner Landgericht wegen Wettbetruges zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und elf Monaten verurteilt worden war. Sapina soll 172 Spiele verschoben haben.

Vor Ablauf der Strafe schon wieder im Wettgeschäft tätig

Noch vor Ablauf seiner Gefängnisstrafe in Berlin war Sapina erneut im Wettgeschäft tätig, sagte er in Verhören der Bochumer Ermittler. Sapina belastete auch Schiedsrichter Felix Zwayer, dessen Aussagen 2004 den von Sapina bestochenen Schiedsrichter Robert Hoyzer auffliegen ließen. Zwayer hat die Anschuldigungen stets bestritten.

Nach der Stern-Veröffentlichung teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Dienstag mit, dass die Verdachtsmomente „seit einiger Zeit bekannt“ sind. Laut „Stern“ handelt es sich bei dem Wettpaten um einen Niederländer, eine mutmaßlich zentrale Figur im Wettskandal.

Im Gespräch mit unserer Zeitung bezeichnete der Gießener Kriminologe Matthias Braasch den Sport als extrem betrugsgefährdet: „Im Sport wird Korruption begünstigt, weil viel weniger kontrolliert und viel weniger geregelt wird. Und man geht immer noch davon aus, dass es sich um Einzelfälle handelt. Ein transparenter Blick auf die Wirklichkeit ist im Sport nicht erwünscht.“

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