Uli Eicke gewann bei Olympia 1984 in Los Angeles Gold. Heute nimmt der Düsseldorfer Menschen ihre Schmerzen.

Uli Eicke
Der Olympiasieger von 1984 im Kanu, Uli Eicke, nimmt in seiner Praxis in Düsseldorf Sportlern die Schmerzen - hier im Bild die Turnerin Simone Kuhlmann. (Archivbild von 2009)

Der Olympiasieger von 1984 im Kanu, Uli Eicke, nimmt in seiner Praxis in Düsseldorf Sportlern die Schmerzen - hier im Bild die Turnerin Simone Kuhlmann. (Archivbild von 2009)

Lange, Hajo (HL)

Der Olympiasieger von 1984 im Kanu, Uli Eicke, nimmt in seiner Praxis in Düsseldorf Sportlern die Schmerzen - hier im Bild die Turnerin Simone Kuhlmann. (Archivbild von 2009)

Düsseldorf. Die Stiftung Deutsche Sporthilfe ist ein segensreicher Verein. Ohne sie wäre der deutsche Spitzensport undenkbar. Die Stiftung hat ein viel beachtetes Buch herausgegeben. Darin geht es um Vorbilder aus dem Sport. Eines dieser Vorbilder ist Uli Eicke – 1984 in Los Angeles Olympiasieger im Einer-Canadier.

Uli Eicke war mit Leib und Seele Spitzensportler. Heute arbeitet der studierte Diplom-Sportlehrer als Heilpraktiker in Düsseldorf. „Ich liebe den Sport, aber gesund ist er nicht unbedingt“, sagt Uli Eicke.

Statt Medikamenten setzt er seine Hände ein

Heilpraktiker Eicke ist Schmerztherapeut. Medikamente braucht er nicht, er setzt seine Hände ein. Was als Erklärung dafür dienen kann, dass in seiner Praxis an der Benrodestraße im Düsseldorfer Stadtteil Benrath gelegentlich Schreie zu hören sind. „Ich drücke auf bestimmte Bereiche der Muskulatur. Ist der Muskel intakt, lachen die Leute. Wenn man die Stelle bei einem verkürzten Muskel richtig trifft, tut das tierisch weh.“

Das Jammern ist aber nur von kurzer Dauer. „Nach einer Minute ist die Spannung raus aus dem Muskel, und der Schmerz ist weg. Das ist die eine Therapie. Man kann auch in diese Muskeln spritzen, etwa ein leichtes Schmerzmittel. Die manuelle Technik ist aber ungefährlicher.“

Uli Eicke mag es ungefährlich. Und er ist überzeugt von seiner Methode. Patienten, die erfolglos an den Bandscheiben operiert worden sind, kommen zu ihm. Und viele, denen eine solche Operation droht.

Erlernte Übungen machen unabhängig vom Therapeuten

Bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal belegte Uli Eicke Rang acht. Der deutsche Olympia-Boykott in Moskau brachte ihn 1980 um eine Medaille, Eicke verlor die Motivation und studierte. 1983 kehrte der gebürtige Wuppertaler mit Rang fünf bei der WM in die Weltklasse zurück. Ein Jahr später holte er in Los Angeles olympisches Gold. 1985 wurde er zum dritten Mal Vize-Weltmeister und beendete seine Karriere.

 

Von 1987 bis 1995 leitete Eicke den Olympiastützpunkt Köln-Bonn-Leverkusen, war bis 2008 im Schuldienst und ist seit 2006 als Heilpraktiker tätig. Eicke arbeitet nach den Grundsätzen der Biokinematik des Freiburgers Walter Packi.

 

Uli Eicke arbeitet intensiv mit Orthopäden zusammen, denen es nicht nur um die Knochen, sondern auch um die Muskeln geht. „Das sind leider längst nicht alle“, sagt er. Die Kosten für die Therapie bei Eicke werden im Moment nur von privaten Kassen übernommen.

 

„Operationen sind immer schmerzhafte Eingriffe. Dabei liegt das Problem häufig nur in der verkürzten Muskulatur. Das Problem bei Rückenschmerzen sind nicht zu schwache Muskeln im Rücken. Das Problem sind die Muskeln vorn – Bauch, Hüftbeuger, tiefe Beckenmuskulatur. Wenn dort Verkürzungen auftreten, schmerzt es hinten. Und das passiert bei all diesem täglichen Wahnsinn. Viel am Schreibtisch sitzen, viel Auto fahren, viel in den Bildschirm starren“, sagte Eicke der „FAZ“.

Rückenschmerzen sind eine Befindlichkeit der Zeit. Uli Eicke behandelt seine Patienten und zeigt ihnen, wie sie trainieren können, um ihre Muskeln wieder zu verlängern. Bei ihm erlernen Patienten Übungen, die sie unabhängig vom Therapeuten machen.

„Sprinten, wie ich es mir vorstelle, ist Sprinten wie Usain Bolt. Seine Armbewegungen sind Ausgleichsbewegungen, Bolt beugt sich nicht nach vorn, er ist stabil auf den Beinen.“

Uli Eicke über den Laufstil des jamaikanischen Ausnahme-Sprinters

Ins Kanu steigt der Olympiasieger heute nicht mehr. Schmerzen hatte der Düsseldorfer in seiner aktiven Zeit natürlich auch, aber die richtigen Schmerzen kamen erst nach dem Ende der Karriere. Die machten aus dem Pädagogen einen Heilpraktiker. Als dann noch ein Tinnitus dazukam, musste er den Lehrer-Job an den Nagel hängen. Bekämpft hat er die Ohrgeräusche nicht mit Medikamenten, sondern mit intensivem Training der Halsmuskulatur. Mit Erfolg. Das überzeugte Eicke endgültig, auf dem richtigen Weg zu sein.

Wenn man den ehemaligen Spitzensportler nach seinen Freizeitbeschäftigungen fragt, sagt er gern „rennen und sprinten“. Jedenfalls laufen. Aber nicht so, wie es viele Trainer ihren Zöglingen beibringen: nach vorn gebeugt, immer kurz vor dem Fallen.

„Absoluter Quatsch“, meint Eicke. „Sprinten, wie ich es mir vorstelle, ist Sprinten wie Usain Bolt. Seine Armbewegungen sind Ausgleichsbewegungen, Bolt beugt sich nicht nach vorn, er ist stabil auf den Beinen und dürfte weniger Schmerzen haben. Ich versuche zu laufen wie er, wenn auch nicht ganz so schnell.“ Eicke lacht.

Was viele vergessen, ist die Tatsache, dass unsere Schuhe unsere Fußmuskulatur quälen. „Bei uns verkürzt sich die Fußmuskulatur, sie leistet nichts mehr. Irgendwann wird sie verschwinden.“ Dabei sind die Menschen dazu gemacht, barfuß zu laufen. „Mit den richtigen Übungen kann man die Muskulatur zurückholen“, sagt Eicke.

Der Zustand der Muskulatur wirkt sich auf innere Organe aus

Das ist ein Anfang. Ein vielversprechender. Uli Eicke betont: „Weil der Zustand der Muskulatur Auswirkungen auf die inneren Organe hat. Wenn der linke Brustmuskel verkürzt ist, stellt sich ein Gefühl der Enge ein. Mancher, der einen Herzinfarkt befürchtet, braucht nur das richtige Training der Brustmuskulatur.“

Wenn Sie mich fragen, ich laufe seit Neuestem so oft es geht barfuß.

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