Ergreifender Abschiedsbrief der Mannschaft. Zwanziger denkt an Robert-Enke-Stiftung.

Robert Enkes Grab, umgeben von Blumen.
Robert Enkes Grab, umgeben von Blumen.

Robert Enkes Grab, umgeben von Blumen.

Reuters

Robert Enkes Grab, umgeben von Blumen.

Gelsenkirchen. Der Weg zurück in die ersehnte Normalität führt über dieses Trikot. Es ist 20.36 Uhr, als der deutsche Kapitän Michael Ballack allein aus dem Spielertunnel kommt und Robert Enkes Torwarttrikot auf die deutsche Bank legt.

Die Fotografen vor ihm haben auf diesen Moment gewartet. Es ist kein leichter Weg für Ballack. Aber Enke soll bei ihnen sein, so haben es die deutschen Spieler gewollt, so führt es der Anführer aus, wenige Tage nach dem tragischen Tod des Kollegen, des Freundes.

Auf einer kalten Eisenbahnstrecke bei Neustadt. Und jetzt liegt dieses rote Trikot in der Schalker Arena zwischen den Einwechselspielern Andreas Beck und Arne Friedrich. Sie haben die Lücke geschlossen. So gut es irgend ging.

Der Weg zurück in die Normalität führt über diesen überdimensionierten Videowürfel, der an der geschlossenen Dachkonstruktion der Arena in Gelsenkirchen hängt. Nie war es leiser in diesem Kasten der Emotionen, als zu den Klängen von "You’ll never walk alone" die Momente aus dem Leben ihres Torhüters über den Bildschirm flimmern.

Zur Nationalhymne haben sich selbst die Ivorer weiße T-Shirts über ihren Trikots gestreift. "In memoriam Robert Enke" steht darauf geschrieben. Die Fußball-Welt, die Enke so geliebt, und die ihn zugleich auch so dramatisch verletzlich hat werden lassen, kreist noch einmal um ihn. Hier auf Schalke, acht Tage nach seinem Tod.

"Du wirst uns fehlen. In der Kabine, im Strafraum"

Als Lukas Podolski das 1:0 erzielt, zeigt sein Finger verhalten gen Himmel, eine Geste nur, nichts Übertriebenes. Aber Enke ist dabei, in den Köpfen der Spieler, der Zuschauer. Und bei Tim Wiese und Manuel Neuer, die sich die unglaublich schwierige Aufgabe teilen, zwischen den Pfosten zu stehen. Und an diesem Abend doch nur Stellvertreter sind.

Am Nachmittag hat die Mannschaft einen öffentlichen Brief an ihren Torwart verfasst. "Du wirst immer Teil dieses Teams bleiben", schreiben sie. Und: "Wir spielen vor allem für Dich." Weiter heißt es: "Wir haben lange zusammengesessen und an Dich gedacht. Wir haben zusammen geschwiegen, zusammen geweint und zusammen nach Antworten gesucht, aber eigentlich immer nur neue Fragen gefunden. Quälende Fragen nach dem Warum. Du wirst uns fehlen. Auf dem Weg ins Stadion, in der Kabine, im Strafraum. Du wirst uns fehlen, weil Du ein außergewöhnlicher Torhüter warst. Aber noch vielmehr, weil Du ein bemerkenswerter Mensch warst."

DFB-Präsident Theo Zwanziger hat seine Gedanken an eine "Robert-Enke-Stiftung" öffentlich gemacht, und Enkes Berater Jörg Neblung hat das "grundsätzlich begrüßt", bat aber noch "um Zeit für Besinnlichkeit".

Vielleicht ist das alles zu früh, aber die Trauer treibt die Verantwortlichen an, man kann es ihnen beileibe nicht übel nehmen. Bevor nach der Pause Manuel Neuer in seinem Stadion spielen darf, drückt ihn Bundestrainer Joachim Löw noch einmal fest an sich. Väterlich. Auch das ist Teil dieses Weges, der seine letzte Station noch lange nicht erlebt hat.

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