Deutsche Handballer können kämpfen – kaum mehr.

Innsbruck. Es bleibt nach dieser Enttäuschung offenbar nicht mehr, als sich in Optimismus zu üben. Michael Kraus, der Kapitän der deutschen Elite-Handballer, bezeichnete das österreichische Intermezzo als einen "extremen Lernprozess, den hoffentlich alle annehmen".

Am Donnerstag also folgt der Kehraus für die deutschen Handballer in Österreich und unabhängig davon, wie sie sich im letzten Spiel gegen Tschechien bewähren - zuletzt schnitt Deutschland vor zehn Jahren bei einer Handball-EM ähnlich schlecht ab. Damals, 2000, war es der neunte Rang.

Die Abwehr ist nicht mehr das Prunkstück der Mannschaft

Am Sonntag werden Brand und seinem Team gleich die neuen Aufgaben präsentiert, wenn in Wien ausgelost wird, gegen wen Deutschland in zwei Qualifikationsspielen für die WM 2011 im Juni spielen muss. Neben leichten Gegnern wie Holland, Portugal oder Griechenland liegen auch mindestens zwei dicke Brocken vom Kaliber Ungarn, Ukraine oder Serbien im Lostopf.

Bundestrainer Heiner Brand dürfte die Analyse dieser EM weniger Schwierigkeiten bereiten, als die Ursachen dafür abzustellen. Die Baustellen ziehen sich durch alle Mannschaftsteile. Die Abwehr, einst Prunkstück des deutschen Spiels, steht nicht mehr stabil - ausgenommen die Torhüter Johannes Bitter und Silvio Heinevetter. Im Angriff registriert Brand die größte Mängelliste: Ein Spielmacher internationaler Prägung ist nicht in Sicht.

Kapitän Michael Kraus steht nach Ansicht des ehemaligen Welt-Handballers und Europameisters von 2004, Daniel Stephan, gar am Scheideweg seiner Karriere. Kraus habe Fähigkeiten wie kein anderer. "Aber er hat noch nicht gezeigt, dass er einer Führungsrolle wirklich gewachsen ist." Auf den Halbpositionen im Rückraum verzettelte sich Lars Kaufmann allzu oft in Einzelaktionen, auch Holger Glandorf konnte nicht überzeugen. Im Ergebnis wirkte der Angriff überfordert.

Allein in kämpferischer Hinsicht konnte die Mannschaft überzeugen. Lockerheit und Sicherheit hielten allerdings erst dann Einzug ins deutsche Spiel, als die Mannschaft durch ihren fahrigen Auftritt aussichtslosen Rückständen hinterherhecheln musste. "Es war ja klar zu sehen, dass bei uns unter Druck zu viele Fehler entstehen", sagte Brand.

Der 57-Jährige, mit einem Vertrag bis 2013 ausgestattet, ist gewillt, sein Aufbauwerk konsequent fortführen: "Ich bin bereit, Geduld aufzubringen." Die Ursache der Unzulänglichkeiten sieht Brand auch in mangelnder Erfahrung begründet: "Einige Spieler schaffen in der Bundesliga zu spät den Durchbruch." Diese Problematik begleitet ihn seit langem. Viele Vereinen bauen eher auf ausländische Spieler. Während der Europameisterschaft aber, sagte Brand, wolle er das Thema Bundesliga nicht ansprechen.

» Deutschland - Tschechien Donnerstag 16.15 Uhr/ZDF

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