Abschied
Christian Ehrhoff beendete überraschend seine Eishockey-Karriere. Foto: Marius Becker

Christian Ehrhoff beendete überraschend seine Eishockey-Karriere. Foto: Marius Becker

dpa

Christian Ehrhoff beendete überraschend seine Eishockey-Karriere. Foto: Marius Becker

Köln. Eine Ehrenrunde gab es am Sonntagabend nicht. Auch keine Abschiedsrede. Ein Lächeln für die Fans, ein Gruß in Richtung Tribüne, dann verließ Christian Ehrhoff das Eis. Und niemand hätte gedacht, dass es mal so unspektakulär endet. Dass der 35-Jährige gerade sein letztes Spiel absolviert hat. Sicher, die Kölner Haie waren gerade im Viertelfinale der Deutschen Eishockey Liga an Nürnberg gescheitert. Aber sie würden im Herbst ja wiederkommen. Und mit ihnen ihr Kapitän.

Ein paar Stunden später war alles anders. Da verkündete der gebürtige Moerser im Internet, dass es das war. Dass er sich bei allen bedanke, die ihm während seiner 19 Jahre langen Karriere geholfen hätten. Und dass er sich auf das freue, was das Leben nun für ihn, seine Frau Farina und seine drei Töchter bereithält.

Niemand außerhalb des engsten Kreises wusste davon. Es gab nicht mal Gerüchte. Ehrhoff selbst hatte jüngst ja noch davon gesprochen, vielleicht sogar Olympia 2022 in Peking zu erleben. Doch nun macht er Schluss. Sein Kopf sei nach fast zwei Jahrzehnten und mehr als 1400 Spielen nicht mehr bereit. für Profisport. Schon die WM im Mai in Dänemark werde er nicht mehr spielen.

Das ist für das deutsche Eishockey ein herber Verlust. Der stets ruhig und abgeklärte Ehrhoff war nicht nur auf dem Eis eine Führungsfigur, während und nach dem Gewinn der Silbermedaille in Südkorea war er neben Trainer Marco Sturm das Gesicht des Erfolges. Er saß in Pressekonferenzen und TV-Studios, er durfte bei der Abschlussfeier die Fahne tragen und seinen Namen in Goldene Bücher schreiben. Der historische Erfolg in Pyeongchang, er ist das passende Ende einer Karriere, die hierzulande ihresgleichen sucht. Bereits mit 18 Jahren war der wendige Offensivverteidiger Stammkraft bei seinem Heimatverein in Krefeld, mit 20 wurde er Meister, ehe er in die nordamerikanische NHL wechselte.

Fast 900 Spiele bestritt Ehrhoff in der Liga der Superstars. Und das nicht als Mitläufer, sondern als einer, dem sie stets mit höchstem Respekt begegneten. Weil er kluge Pässe spielte und einen sensationellen Schlagschuss hatte. Über Jahre gehörte Ehrhoff zu den besten Verteidigern der Welt, zwischenzeitlich war er gar der bestbezahlte. Am Ende der 13 NHL-Jahre hatte er Verträge für mehr als 50 Millionen Dollar unterschrieben. Nur der ultimative Preis blieb ihm vorenthalten: der Stanley Cup. 2011 war er kurz davor, mit Vancouver stand er im Finale gegen Boston, doch am Ende jubelten die Gäste mit seinem Freund Dennis Seidenberg. Bis heute nennt Ehrhoff das den „bittersten Moment meiner Karriere“.

Danach war er oft vom Pech verfolgt. Entweder waren seine Teams in der Krise oder er. Zudem verletzte er sich mehrfach. 2016 reichte es ihm, er kam zurück in Heimat. Doch eben nicht zum KEV, mit Blick auf die sportliche Perspektive und die Heim-WM 2017 ging er nach Köln. In Krefeld, wo sie mit der Rückkehr des größten Spielers der Clubgeschichte rechneten, nahmen sie ihm das übel und beschimpften ihn. Das tat ihm weh. Er fühlte sich falsch verstanden.

Für eine zweite Meisterschaft reichte es aber auch mit den reichen Kölnern nicht. Dafür feierte Ehrhoff Erfolge mit der Nationalmannschaft. Erst als Kapitän bei der Heim-WM, wo es ins Viertelfinale ging. Nun bei Olympia in Südkorea. Weil es danach gleich in der Liga weiterging, konnte er den Medaillengewinn noch nicht verarbeiten. Dazu ist jetzt Zeit, wenn Christian Ehrhoff in sein zweites Leben startet.

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