Der ehemalige Eishockeyschiedsrichter Josef Kompalla in Krefeld in seinem «Arbeitszimmer».
Der ehemalige Eishockeyschiedsrichter Josef Kompalla in Krefeld in seinem «Arbeitszimmer».

Der ehemalige Eishockeyschiedsrichter Josef Kompalla in Krefeld in seinem «Arbeitszimmer».

dpa

Der ehemalige Eishockeyschiedsrichter Josef Kompalla in Krefeld in seinem «Arbeitszimmer».

Krefeld (dpa) - Josef «Jupp» Kompalla gilt als der beliebteste und beste deutsche Eishockey-Schiedsrichter. 23 Jahre lang stand er rund um den Globus auf dem glatten Untergrund. Am Sonntag wird der Krefelder 75 Jahre alt.

Kompalla wohnt wie in einem Eishockey-Museum. Schläger in der Zimmerecke, hunderte Pucks in den Regalen, ungezählte Anstecker als Souvenirs von Spielen und Turnieren, die er fast auf der ganzen Welt betreute - jeder Raum in «Jupp» Kompallas Wohnung erinnert an seine großartige Zeit als Eishockey-Schiedsrichter. «Hätte ich gewusst, was für eine Karriere ich mache, hätte ich früher angefangen», sagte Kompalla der Nachrichtenagentur dpa. An diesem Sonntag feiert der Krefelder seinen 75. Geburtstag.

Wimpel von 15 Weltmeisterschaften, Eishockey-«Hall-of-Fame»-Urkunde, Bundesverdienstkreuz, dazu Erinnerungsstücke an drei Olympische Spiele und handgeschriebene Notizbücher mit allen Begegnungen, in denen Kompalla als Spieler oder Schiedsrichter auf dem Eis stand - die Geschichten zu all den großen und kleinen Dingen in seiner Wohnung würden Bücher füllen. In 48 Ländern stand er auf dem Eis, leitete Spiele des renommierten Iswestija-Cups in Moskau und zwei der großen Duelle zwischen Kanada und der UdSSR 1972 und 1974. «Was da in den Hallen los war - unbeschreiblich.»

Kein Helm, dafür wehendes Haar, dunkler Schnurrbart und immer im Getümmel: So hat die Eishockey-Welt in 23 Jahren und mehr als 2000 Spielen den populärsten deutschen Schiedsrichter kennengelernt. «Die Spieler und Trainer haben meine Karriere groß gemacht - weil sie mich akzeptiert haben», sagt Kompalla. Ein kanadischer Crack habe ihm mal gesagt: «You have a good referee face» («Du hast ein gutes Schiedsrichtergesicht»). In den Eishockey-Hallen wird er noch heute ebenso erkannt und angesprochen wie beim Supermarkt um die Ecke. «Diese Anerkennung ist viel mehr wert als Geld», meint Kompalla.

1969, mit 33 Jahren, tauschte der im polnischen Kattowitz (Katowice) geborene Kompalla Schläger gegen Pfeife - zufällig. «In einem Lehrgang für Schiedsrichter war noch ein Platz frei, und ich habe mich breitschlagen lassen.» Elf Jahre zuvor war er als Spieler aus Polen zu Preußen Krefeld gekommen und hatte sich schnell den Ruf eines beinharten Verteidigers erarbeitet. «Erst der Gegner, dann der Puck», beschreibt Kompalla seine Präferenzen als Spieler.

Sein gutes Gespür für heikle Situationen zeigt sich bereits nach kurzer Zeit im schwarz-weiß-gestreiften Trikot. «Nur, wenn du selbst gespielt hast, kannst du beurteilen, ob der Stock da mit Absicht gelandet ist oder ob das einfach dumm gelaufen ist.» Schon 1972 wird der Vater von Tochter Nicole, die auch Schiedsrichterin wurde, für die WM in Prag nominiert - 14 weitere Weltturniere folgen.

Sein letztes Spiel leitete Kompalla am 7. Mai 2010 - vor 78 000 Zuschauern in der Schalke-Arena. Nur ein Seniorenmatch zwischen Deutschland und Russland vor der Auftaktpartie der Heim-WM, aber ein würdiger Abschied. «Was sollte denn noch Größeres zum Ende kommen?», fragt er. Die gepackte Schiedsrichter-Tasche steht trotzdem noch immer griffbereit im Flur.

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