Heute treffen die Philadelphia Flyers im Winter Classic auf die New York Rangers. Eine NHL-Partie unter freiem Himmel, in der es um weit mehr geht als zwei Punkte.

Das erste Winter Classic stieg 2008 in Buffalo zwischen den heimischen Sabres und den Pittsburgh Penguins.
Das erste Winter Classic stieg 2008 in Buffalo zwischen den heimischen Sabres und den Pittsburgh Penguins.

Das erste Winter Classic stieg 2008 in Buffalo zwischen den heimischen Sabres und den Pittsburgh Penguins.

dpa

Das erste Winter Classic stieg 2008 in Buffalo zwischen den heimischen Sabres und den Pittsburgh Penguins.

Philadelphia/New York. Eishockey hat es nicht leicht in Deutschland. Die Hallen sind selten voll, das freie Fernsehen berichtet nur in Ausnahmenfällen. Doch selbst die nordamerikanische NHL, Liga der Superstars und Millionengehälter, ist kein Selbstläufer. Hinter NFL (Football), MLB (Baseball) und NBA (Basketball) hinkt sie seit Jahren hinterher. Nur in Kanada hat die NHL eine ähnliche Bedeutung wie hierzulande der Fußball. Allerdings leben dort nur knapp 34 Millionen Menschen. Das große Geld durch Fernseh- und Sponsorenverträge sowie Fanartikel wird in den USA verdient – dort, wo selbst Collage-Football beliebter ist als Eishockey.

Bis zu den Play-offs gibt es allein in der Vorrunde 1230 Spiele

Da verwundert es nicht, dass NHL-Chef Gary Bettman (59) und Co. vor vier Jahren auf die Idee kamen, die 1230 Spiele (82 pro Team) dauernde Vorrunde bis zu den Play-offs um einen Höhepunkt zu bereichern: das heute (19 Uhr, MEZ) zwischen den Philadelphia Flyers und den New York Rangers stattfindende Winter Classic.

Seit 2008 steigt ein Ligaspiel pro Saison unter freiem Himmel, in einem eigentlichen Football- oder Baseballstadion. Eine millionenschwere Werbekampagne im Vorfeld, zwischen 40 000 und 70 000 Fans im Stadion und eine Show fast wie beim Superbowl garantieren der NHL zumindest dieser Tage die größten Schlagzeilen in der nordamerikanischen Sportberichterstattung.

Da das in Kanada ohnehin so ist, spielten bislang nicht zufällig ausschließlich US-Teams im Freien – und in Boston, Pittsburgh, Detroit und Chicago auch alles andere als unpopuläre Klubs. Nun steht mit Philadelphia gegen New York gar ein echtes Derby an. Zwar sind es immerhin 150 Kilometer zwischen den Städten, aber in einem Land mit der Größe der USA geht das fast als Straßenbahnduell durch.

Tabellenführer Rangers hat eine Euphorie in New York ausgelöst

Dazu ist das Spiel auch sportlich brisant. Auf der einen Seite der seit der Vizemeisterschaft 2010 nahezu runderneuerte Tabellenvierte aus Philadelphia um die so unterschiedlichen Superstars Claude Giroux (23 Jahre/aktuell 45 Scorerpunkte in 32 Spielen) und Jaromir Jagr (39 Jahre/19. Saison/insgesamt 1630 Punkte in 1305 Spielen). Auf der anderen Seite das beste Team, das New York seit Jahren gesehen hat. Pünktlich zur um die 600 Millionen Euro teure Renovierung der legendären Heimstätte Madison Square Garden sind die Rangers wieder ein echter Titelkandidat.

Die Mannschaft um Marian Gaborik (29) – zweitbester Torschütze der Liga mit 22 Treffern – Kapitän Ryan Callahan (26), 60-Millionen-Dollar-Mann Brad Richards (31) und Schwedens Olympia-Torhüter Henrik Lundqvist (29) hat eine echte Euphorie in New York ausgelöst. Tausende Rangers-Fans sind heute in Philadelphia, dazu ist das Empire State Building seit Tagen in den Farben der beiden Winter-Classic-Teilnehmer erleuchtet.

Auch überregional dreht sich vieles um das Spiel. Der TV-Sender HBO hat die beiden Teams in den vergangenen Wochen begleitet: zum Training, auf den Reisen, in der Freizeit, in der Kabine. Einmal pro Woche kam eine 60-minütige Dokumentation über das Alltagsleben eines Profiteams. Millionen schauten zu. Dazu versorgt die NHL Fans und Medien fast stündlich mit Interviews, Randgeschichten und Reportagen zum Winter Classic über ihre Website. Das funktioniert, das Interesse ist da – und auch nötig. Vor acht Tagen hat die NBA doch noch begonnen. Für die NHL wäre das drohende Saisonaus nicht das Schlechteste gewesen.

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