Die Kölner Haie scheitern an ihrem schwachen Angriff und müssen weiter auf den neunten Titel warten.

Kölner Haie - Grizzlys Wolfsburg
Kölns Cheftrainer Cory Clouston verlässt nach dem 0:1 das Feld.

Kölns Cheftrainer Cory Clouston verlässt nach dem 0:1 das Feld.

Caroline Seidel

Kölns Cheftrainer Cory Clouston verlässt nach dem 0:1 das Feld.

Düsseldorf. Am Dienstagabend um 22.15 Uhr war es amtlich. Die Kölner Haie sind in den Play-offs zur deutschen Eishockey-Meisterschaft 2017 bereits im Viertelfinale gescheitert. Mit versteinerten Mienen fuhren die Spieler nach dem 0:1 in der entscheidenden siebten Partie der Serie gegen die Grizzlys Wolfsburg vom Eis. Der Traum vom neunten Titel, dem ersten seit 2002, ist für den KEC erneut beendet. Das lange Warten wird in seine 16. Saison gehen. "Das ist sehr bitter", sagte Kapitän Moritz Müller.

Vorab - ein Aus gegen die Grizzlys ist natürlich keine Blamage. In der Tabelle trennten die beiden Teams lediglich sechs Punkte, dazu versteht es der seit 2008 in Wolfsburg tätige Trainer Pavel Groß immer wieder aufs Neue, seine Spieler für die entscheidende Phase der Saison hervorragend einzustellen. In neun Jahren führte der Tscheche die Grizzlys nun schon zum siebten Mal insgesamt und zum fünften Mal hintereinander ins Halbfinale. 2011 sowie 2016 gelang ihm sogar der Sprung ins Endspiel.

Trotzdem muss sich der KEC Fragen gefallen lassen, denn der knappe Ausgang der Serie täuscht über die tatsächlichen Kraftverhältnisse hinweg. Wolfsburg wirkte spielerisch cleverer und taktisch reifer. So sah Köln schon im fünften Spiel wie der Verlierer aus. Doch statt des Treffers zum 0:2 nach einem Pfostentreffer von Aubin holte ein unberechtigtes Überzahlspiel die Haie ebenso zurück wie die strittige Strafzeit, welche ihrem Siegtreffer in Spiel sechs vorausging. In Spiel sieben aber kam das verdiente Aus. Die Gründe:

Torhüter: Zwar war Gustaf Wesslau ein sicherer Rückhalt und besonders in den Spielen eins, fünf, sechs und sieben hielt der Schwede sein Team überhaupt im Rennen. Insgesamt aber konnte der als Torwart der Saison ausgezeichnete Wesslau nicht ganz an seine starken Leistungen aus der Vorrunde anknüpfen, während sein Gegenüber Felix Brückmann auf die unglauliche Fang-Quote von 96,63 Prozent kam. Allerdings fanden sich vor Wesslau auch immer wieder große Lücken.

Angriff: Diese Lücken entstanden durch das Offensiv-Spiel der Verteidiger. Immer wieder mussten die Abwehrspieler für Impulse nach vorne sorgen, weil der Sturm der Haie nur ein laues Lüftchen war. In den sieben Spielen gelangen gerade mal acht Tore. Fünf davon erzielten Verteidiger, allein Shawn Lalonde traf viermal. Alle acht Tore fielen noch dazu in Überzahl, bei numerischer Gleichheit auf dem Eis herrschte die totale Flaute. "Das war der Knackpunkt", sagte Moritz Müller.

Disziplin: Bereits in der Vorrunde zierten die Haie dauerhaft das Ende der Fair-Play-Tabelle. Im Viertelfinale nun wies die Statistik erneut rund 20 Strafminuten pro Partie aus. Eine alte Weisheit aber besagt: Auf der Strafbank gewinnt man keine Spiele.

Trainer: Dass Cory Clouston den Spielern ihre Undiszipliniertheiten sowie dummen Fouls nicht austreiben konnte, mag ihm nur zum Teil angelastet werden. Der Kanadier aber entwickelte in der gesamten Saison keine Idee, wie der Angriffsschwäche beizukommen ist und verließ sich in seiner Ratlosigkeit ausschließlich auf Torwart und Abwehr. Dass Clouston in den Play-offs dann dennoch auf seinen zweitbesten Scorer Patrick Hager wegen dessen angeblich vereinsschädigenden Äußerungen verzichtete, kritisierten nach dem Aus selbst die Führungsspieler Christian Ehrhoff und Philipp Gogulla. Zudem muss Clouston vorgehalten werden, die Mannschaft nicht auf den Punkt fit bekommen zu haben. So endete die Vorrunde mit drei Niederlagen, die Haie kamen in einen Negativ-Lauf.

 

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