Nach den großen Gegnern stehen für das deutsche Team zum Viertelfinal-Einzug nun die entscheidenden Duelle an. Ein Verteidiger weiß, wie sie zu gewinnen sind.

Justin Krueger
Deutschlands Justin Krueger am Puck. Archivbild.

Deutschlands Justin Krueger am Puck. Archivbild.

Armin Weigel

Deutschlands Justin Krueger am Puck. Archivbild.

Köln. So richtig viel Umgewöhnungszeit brauchte Justin Krueger nicht. Der Verteidiger der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft spielt auch bei seinem Verein in schwarz-gelb-roten Trikots, zudem war die Allmend-Halle des SC Bern in der vergangenen Saison mit im Schnitt 16 399 Zuschauern erneut nahezu regelmäßig ausverkauft. "Stimmt, viel ist hier wie im Club. Interessant ist nur, wie weit das Rund der Kölnarena ist. Ich frage mich, ob die Zuschauer auf den oberen Rängen den Puck überhaupt sehen können", sagte Krueger.

Können sie und mussten erleben, wie die deutsche Mannschaft nach dem 2:1 über die USA gegen Schweden (2:7) und Russland (3:6) Lehrgeld zahlen musste. Erwartete Niederlagen gegen Turnier-Favoriten, kein Beinbruch also. Fortan aber beginnt die WM für das Team von Trainer Marco Sturm ernst zu werden. Zum Einzug ins Viertelfinale müssen nun Siege her und dabei kommt dem Duell mit der Slowakei am heutigen Mittwoch eine richtungsweisende Bedeutung zu. "Das wird ein großes Spiel", sagte Krueger.

Krueger wurde mit dem SC Bern 2016 sowie 2017 Schweizer Meister

Für Marco Sturm wird Krueger damit zum wichtigen Akteur. Denn der in Düsseldorf als Sohn des damals für die DEG stürmenden Vaters Ralph Krueger geborene 30-Jährige mag zwar nicht zu den auffälligsten Spielern im deutschen Kader gehören - er weiß allerdings ganz genau, wie "Endspiele" gewonnen werden. Krueger nämlich wurde sowohl 2016 wie auch 2017 mit dem SC Bern Schweizer Meister und war dabei just in der heißen Phase der Play-offs hellwach.

Kam der "Lockenkopf" in der regulären Saison bei der Plus/Minus-Bilanz (Anwesenheit auf dem Eis bei erzielten bzw. erhaltenen Treffern) noch auf einen Wert von -3, so war er in den Play-offs mit +8 drittbester Akteur aller Teams. Unspektakulär, aber äußerst solide verrichtet er seine Abwehr-Arbeit. Auch unter Druck gerät er so gut wie nie in Hektik und begeht auf diese Art kaum Fehler. "Es gilt, einfach zu spielen. Der Puck muss unkompliziert aus der Gefahrenzone befördert werden", erzählte Krueger im Gespräch mit unserer Zeitung.

Verlässlich wie ein Schweizer Uhrwerk - eine Erfolgsformel, die Krueger mit dem SC Bern vor wenigen Wochen zum zweiten Mal in Folge den Titel in der NLA holen ließ und mit der er nun der deutschen Mannschaft zum Sprung ins Viertelfinale verhelfen möchte. "Mir persönlich hilft die Erfahrung aus den beiden Final-Serien gegen den HC Lugano und den EV Zug", sagte Krueger. Mit 1,90m Größe sowie 98kg Gewicht liegen seine Stärken zudem auch im physischen Bereich. Krueger blockt Schüsse und fährt harte Checks.

Für Marian Bazany steht der Sieger zwischen Deutschland und der Slowakei fest. "Alles andere als ein Sieg der deutschen Mannschaft würde mich überraschen. Sie ist klarer Favorit", sagte der sportliche Leiter der Krefeld Pinguine. Bazany wurde in Bratislava geboren, spielte lange als Verteidiger für die Düsseldorfer EG und war danach Co-Trainer bei den Eisbären Berlin. Der 42-Jährige sieht derzeit große Probleme im Eishockey seines Heimatlandes. "Der Verband ist nicht gesund, jeder schießt gegen jeden. Es fehlt an einem Konzept und richtig guten Spielern. Der Kader bei dieser WM ist qualitativ wenig gut besetzt, es fehlen Profis aus der NHL."

Aggressiv, aber nicht unfair - diese Mischung sollte Krueger auch einigen seiner Team-Kollegen vermitteln. Mit Matthias Plachta gegen US-Boy Johnny Gaudreau, Marcus Kink gegen den Schweden Elias Lindholm sowie Patrick Hager gegen den Russen Sergej Mozyakin passierten in jedem Spiel jeweils ein gleichfalls unnötiges wie grobes Foul. "Das war sicherlich keine böse Absicht, aber in dieser Hinsicht müssen wir uns natürlich ab jetzt intelligenter anstellen", sagte Bundestrainer Marco Sturm.

Schließlich wurde Hager von der IIHF für ein Spiel gesperrt, dazu erlitt Tobias Rieder gegen die Russen eine schwere Knie-Verletzung und fällt für den Rest der WM aus. Sturm wird gegen die Slowakei nun mit nur elf Angreifern agieren - auf eine Nach-Nominierung verzichtet der 38-Jährige, um weiter auf mögliche Profis aus der NHL warten zu können. Für Justin Krueger stellt die neue Situation kein Problem dar. "Die Slowaken sind auf unserem Niveau und wir auf dieses Spiel total fokussiert."

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