Partytime
Die Eisbären-Sause begann schon mit der Schlusssirene auf dem Eis. Foto: Britta Pedersen

Die Eisbären-Sause begann schon mit der Schlusssirene auf dem Eis. Foto: Britta Pedersen

dpa

Die Eisbären-Sause begann schon mit der Schlusssirene auf dem Eis. Foto: Britta Pedersen

Berlin (dpa) - Nach dem Rekord-Sieg begann der Party-Marathon in Berlin. Quasi im Minutentakt wurden die Bierfässer in die Kabine gerollt. Schampus floss, Siegerzigarren qualmten. Der alte und neue Meister hatte den Ruf als Eishockey-Hauptstadt eindrucksvoll verteidigt.

Danach wollten die Mannen um 1000-Spiele-Held Sven Felski auch deutscher Feier-Meister werden. Im Anschluss an den 3:1-Final-Krimi gegen die Adler Mannheim waren die Kufen-Cracks des neuen DEL-Rekordchampions nicht mehr zu halten. «Das läuft jetzt die ganze Woche so weiter», meinte Ur-Eisbär Felski.

Die Mannheimer hatten sich angeschickt, Serienmeister Berlin vom Thron zu stoßen, mussten nach fünf hochwertigen Matches den Gegner dann aber doch fassungslos beim Feiern zusehen. «Der Charakter dieser Mannschaft ist einfach unglaublich», betonte Berlins Stürmer André Rankel, der die Finals gesperrt verpasste, sich dafür aber beim Feiern ins Zeug legte. Beim Plantschen im Entmüdungsbad konnte er Felski dennoch nicht das Wasser reichen - zumal dieser es nicht für nötig hielt, vor dem Sprung ins Becken die Schlittschuhe auszuziehen.

Die Erfolgsformel im Team von Coach Don Jackson ist eine Mischung aus Erfahrung, spielerischer Klasse und unbedingtem Siegeswillen. «Wir haben in dieser Saison so viele Probleme überwunden, hatten so viele Verletzte, und dennoch mit dermaßen viel Energie gespielt», schwärmte Stefan Ustorf, der nach einer bösen Kopfverletzung in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) seit Dezember fehlte und sogar um seine Karriere bangen muss. «Ich bin einfach nur stolz.»

Neben Felski ist Ustorf das Gesicht dieser Eisbären, von denen darüber hinaus noch fünf andere Spieler bei allen Meisterschaften seit 2005 dabei waren. Im Kommen-und-Gehen-Geschäft Eishockey ist die Berliner Spitzentruppe seit Jahren eine Ausnahme. Das Modell von Manager Peter John Lee geht auf, zumal die jährlichen punktuellen Verstärkungen das i-Tüpfelchen sind. Mit ihren entscheidenden Toren in Spiel fünf schossen ausgerechnet die Neuzugänge Barry Tallackson (34. Minute), Darin Olver (44.) und Julian Talbot per Penalty (51.) die Berliner zum sechsten Meistertitel in der DEL.

Unvergesslich bleiben wird von dieser Finalserie - einer der spannendsten in der DEL-Geschichte - vor allem das vierte Spiel in Mannheim, das die Berliner trotz 2:5-Rückstands kurz vor Schluss noch drehten. «Dieses Spiel hat unser Team definiert», meinte Coach Jackson. «Wir haben gezeigt, dass wir alles erreichen können.»

Die Rekordbücher sind um einige Episoden reicher: Erstmals gewann beispielsweise der Gastgeber ein entscheidendes fünftes Spiel in den DEL-Finals, sechs Titel in der 1994 eingeführten DEL sind ebenfalls eine einmalige Marke. «Ich bin sehr stolz, ein Teil dieser Mannschaft zu sein», meinte Felski, nachdem er sich mit Tränen in den Augen von 14 200 Fans feiern ließ. «Zum ersten Mal hier in Berlin, mein 1000. Spiel - das ist einfach unbeschreiblich. Ich glaube, so etwas gibt es nie wieder, das ist eine einmalige Sache, total geil!»

Nach dem sechsten Titel in acht Jahren kam bei anderen fast schon Routine auf. Florian Busch meinte auf die Frage nach dem Stellenwert dieses Triumphs, etwa im Vergleich zur ersten Meisterschaft 2005: «Das ist so wie beim Sex - das erste Mal vergisst man nicht.»

Bei der Qualität im Team ist davon auszugehen, dass die Eisbären auch in den nächsten Jahren national das Team sein werden, das es zu schlagen gilt - auch wenn etwa Richie Regehr und John Sim die Truppe verlassen werden und über die Zukunft der schwer verletzten Ustorf und Denis Pederson kaum Prognosen möglich sind. «Aber jedes Jahr gibt es einen Umbruch», beschwichtigt Manager Lee, «dann verlierst zu zwei, drei Spieler, aber zugleich kommen einige neue dazu.»

Mehr als ein Dutzend Kufen-Cracks haben in der Hauptstadt ohnehin längerfristige Verträge, Torjäger Tallackson unterschrieb vor einigen Wochen einen neuen Kontrakt bis 2014, wie Lee so nebenbei verriet. Und Altmeister Felski? Der wollte sich im Meisterjubel nicht um seine ferne Zukunft Gedanken machen. Zunächst steht am Freitag ein fast schon traditioneller Autokorso, ein Empfang beim Regierenden Bürgermeister und die Saisonabschlussfeier auf dem Programm.

Eine Party hatten auch die Adler geplant, unabhängig vom Ausgang der Finalserie. Lust dazu verspürte bei den Kurpfälzer aber nach dem verpassten Titel-Coup trotz des Führungstreffers von Ronny Arendt (14.) niemand mehr. «Wenn ich in die Gesichter der Jungs in der Kabine schaue: Da will keiner feiern», berichtete Kapitän Marcus Kink. «Wir haben die Meisterschaft verloren, und nicht den zweiten Platz gewonnen.»

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