Prügelknabe
Straubings Torhüter Barry Brust führt die Strafzeitenstatistik an. Foto: Revierfoto

Straubings Torhüter Barry Brust führt die Strafzeitenstatistik an. Foto: Revierfoto

dpa

Straubings Torhüter Barry Brust führt die Strafzeitenstatistik an. Foto: Revierfoto

Straubing (dpa) - Neun Heimerfolge in Serie, zwölf der vergangenen 14 Spiele gewonnen, sieben Siege am Stück im November: Solche Zahlen hatte man am kleinsten DEL-Standort Straubing letztmals in den Jahren 2005 und 2006 bejubelt - damals allerdings noch in der 2. Bundesliga.

In dieser Saison, der sechsten seit dem Aufstieg in die Deutsche Eishockey-Liga (DEL), legen die Straubing Tigers ihr Loser-Image ab. So ungewöhnlich wie der Siegeszug der fünftplatzierten Niederbayern sind auch die Geschichten rund um die Hintermänner des Erfolgs: Coach Dan Ratushny und Torhüter Barry Brust sind einzigartig in der Liga.

Der Goalie ist schon in seinem ersten Jahr in Deutschland zu einer schillernden Figur in der DEL geworden. Unbestritten einer der besten Schlussmänner der Liga, rangiert der Kanadier auch in einer anderen Statistik ganz vorne: 105 Strafminuten hat Brust in 25 Spielen schon angehäuft - so viele wie bislang kein anderer Akteur.

Ein Rekord ist ihm damit auch sicher: Noch nie hat ein Torhüter in der DEL-Geschichte mehr Strafzeiten kassiert. Drei Spieldauerstrafen und zwei Disziplinarstrafen stehen zu Buche. «Ich spiele nun mal so, wie ich spiele. Wir sind ein Team auf dem Eis. Wenn einer Hilfe braucht, helfe ich ihm, und umgekehrt ist es genauso», sagt Brust.

Anders Ratushny, der ruhig und besonnen arbeitet und in der Kabine der Tigers schnell respektiert wurde. «Er denkt viel nach, bevor er Entscheidungen trifft», erzählt Kapitän Michael Bakos. «Aber er scheut sich auch nicht davor, jene zu treffen, die vielleicht unpopulär sind. Zu so jemandem kann man nur aufschauen.» Dabei hatte der 41 Jahre alte Trainer nach seiner aktiven Laufbahn - in der er auch ein NHL-Spiel bestritt - mit dem Eishockey schon abgeschlossen.

Ratushny arbeitete in Nordamerika als Anwalt - doch der Sport ließ ihn nicht los. Vor zwei Jahren nahm er das Angebot des Schweizer Zweitligisten Olten als Trainer an und betrieb Werbung in eigener Sache. Zu Saisonbeginn zog es den Kanadier nach Straubing, wo er das System seiner Vorgänger komplett umkrempelte: Mit aggressivem Powerhockey und Zwei-Mann-Forechecking überraschen die Tigers nun die Gegner. Meister Eisbären Berlin und der aktuelle DEL-Spitzenreiter Adler Mannheim etwa zogen in Straubing schon den Kürzeren.

Ein fantastischer Teamgeist gehört ebenso zum Erfolgsgeheimnis wie vier ausgeglichene Sturmreihen. Das war jedoch zu Saisonbeginn noch nicht so. Einige Sorgenkinder sind erst in den vergangenen Wochen in Schwung gekommen, etwa Carsen Germyn, der zuletzt in zehn Spielen in Serie gepunktet hat und dabei acht Treffer erzielte. Davor war ihm gerade einmal ein Saisontor gelungen.

Den Umschwung läutete das Spiel in Augsburg ein. «Mir hat im halboffenen Stadion im zweiten Drittel eine Taube auf das Trikot gekackt. Bei uns zu Hause bedeutet das zehn Jahre Glück», erzählt der Kanadier und lacht. Und tatsächlich: In Augsburg wurde Germyn mit zwei späten Treffern zum Matchwinner, seither läuft es bei ihm.

Ungewöhnliche Typen und Geschichten, die zu diesem speziellen Club am kleinsten Standort der Liga mit dem zweitkleinsten Etat passen. Ob es am Ende erstmalig für die Playoffs reicht? «Wenn wir im zweiten Teil der Saison von Verletzungen verschont bleiben, dann ja», meint Stürmer Rene Röthke.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer