Weltmeister Felix Sturm kündigt die Zusammenarbeit mit dem Universum-Boxstall.

Düsseldorf. Eigentlich wollte er sich eine längere Kampfpause gönnen, nachdem er im Juli seinen WBA-Titel im Mittelgewicht gegen den armenischen Stallgefährten Khoren Gevor behauptet hatte. Inzwischen aber hat Felix Sturm offenbar still und leise eine neue Front aufgemacht. Sein Gegner ist dabei jenes Promotion-Unternehmen, das sich bisher in seiner Ecke wähnte - und auch davon ausging, das dies so bleiben würde. Zumindest bis zum Abend des 4.August, als aus der Leverkusener Kanzlei Mourkojannis und Mörschner der erste Punch geflogen kam.

Gegen 20.30 Uhr traf im Büro der Universum Box-Promotion ein Fax ein, in dem Sturms Rechtsanwalt Lukke Mörschner das Vertragsverhältnis zwischen Europas größtem Boxstall und seinem populärsten Boxprofi fristlos kündigte. Kurze Zeit später wurde die einseitige Beendigung der Zusammenarbeit auch als Einschreiben mit Rückbrief zugestellt. Seither richten sich Sturms Betreuer in Köln, die nun über den Vorgang informierten, selbstbewusst auf ein längeres Scharmützel mit den Hamburger Promotern ein.

"Es geht nicht mehr um die Frage, ob Felix Sturm weiter bei Universum boxt oder nicht", beschreibt Roland Bebak als persönlicher Manager die Kampflinie. "Er wird künftig unter einem anderen Dach boxen oder andernfalls seine Karriere beenden." So hat er es mit seinem engen Freund und Klienten, der zur Zeit in Bosnien urlaubt, in den letzten Wochen besprochen. In diesem Sinne tritt auch Rechtsanwalt Mörschner gegen den bis Mitte November datierten Kontrakt an, der sich aufgrund einer einseitigen Option sonst um drei Jahre verlängern würde.

Felix Sturm fühlt sich bei Universum unzureichend gefördert

"Wir sind der Ansicht, dass der Vertrag, der ohnehin nur bis November läuft, beendet ist", so Mörschner. "Das Vertrauensverhältnis ist nachhaltig gestört, sodass fristlos gekündigt werden kann. Einseitige Optionsverlängerungen sind unwirksam." Im übrigen seien mehrere Vertragsjuristen mit ihm der Ansicht, dass der vorliegende "Knebelvertrag" sittenwidrig und damit nichtig ist: "Universum nutzt aus, dass sie faktisch eine Monopolstellung einnehmen. So sieht der Vertrag beispielsweise vor, dass Universum zugleich Veranstalter und Manager ist und dabei doppelt verdient. Das ist eine Interessenkollision, die in den USA verboten ist. Wie soll Universum als Manager hohe Boxer-Börsen gegen sich selbst als Veranstalter aushandeln, und warum wird für die Vermittlung an sich selbst eine Provision fällig?"

Felix Sturm möchte also ab sofort woanders boxen. Er fühlt sich unzureichend gefördert, wie er intern bereits häufiger klagte. Die Chemie zwischen ihm und dem von Klaus-Peter Kohl geleiteten Boxstall hat offenbar unter einem von früheren Fällen bekannten Problem gelitten. Noch aber ist der Kampf nicht aufgegeben. Es existiere ein gültiger Vertrag, der von beiden Seiten zu erfüllen sei, ließ Universum verlauten. Weitere Kommentare dazu will man sich in Hamburg vorerst sparen. Der Ring wird sich ab sofort mit Juristen füllen, die mit Papieren und Paragraphen fechten - und wer dabei zuerst umfällt, steht noch lange nicht fest.

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