Der Chinese Sun Yang posiert mit seiner Goldmedaille für den Sieg über 800 Meter Freistil.
Der Chinese Sun Yang posiert mit seiner Goldmedaille für den Sieg über 800 Meter Freistil.

Der Chinese Sun Yang posiert mit seiner Goldmedaille für den Sieg über 800 Meter Freistil.

dpa

Der Chinese Sun Yang posiert mit seiner Goldmedaille für den Sieg über 800 Meter Freistil.

Shanghai (dpa) - Die Ausbeute von elfmal WM-Gold in Rom haben die Chinesen mit 14 Titeln längst übertroffen. Einen Tag vor Titelkämpfe-Abschluss führt die asiatische Großnation den Medaillenspiegel an. Was zum großen Glück noch fehlt: Der Weltrekord über 1500 Meter durch Sun Yang.

Da saßen sie einen Tag vor dem Ende der Schwimm-WM vor der Fachpresse. Rechts Cheftrainer Yao Zhengjie, links Teamleader Xu Qi und sprachen. Worüber? Geheimnis, zumindest für die eingeladenen nicht chinesischsprachigen Journalisten, denn eine englisch- oder anderssprachige Übersetzung gab es nicht. Aber eins ist wahrscheinlich: Über die bisherige Medaillenausbeute bei den Titelkämpfen in Shanghai dürften sich die beiden ruhig daherredenden Sport-Bosse der Nummer 1 im Weltwassersport vor den rund 50 Zuhörern gefreut haben.

117 Sportler und 48 Offizielle wurden vom Ausrichter am 16. Juli mit einer klaren Mission in die Titelkämpfe geschickt: Ein Jahr vor Olympia muss Platz eins in der Medaillenwertung her. In den Finaltag am Sonntag gingen die Chinesen als führende der Nationenwertung. Zehn Goldmedaillen in zehn Sprungdisziplinen, sechsmal Silber und einmal Bronze hinter Übermacht Russland im Synchronschwimmen, ganz nebenbei Wasserball-Silber bei den Frauen. Und auch in den prestigeträchtigen Beckenwettbewerben schwimmen die Chinesen kurz vor dem Titelkampf-Ende diesmal ganz vorne mit.

Während die gedrillten Springer «im Land der Akrobatik und der Shaolin-Mönche», so der deutsche Leistungssportdirektor Lutz Buschkow, besonders auf ihr «großes Kaderpotenzial» bauen können, sind die Schwimmer bei ihrem Weg zurück an die Weltspitze andere Pfade gegangen. Sie trainierten bei ausländischen Spezialisten. Sun Yang, der als zweiter chinesischer Mann überhaupt Schwimm-Weltmeister wurde, ließ sich zum Beispiel vom Australier Denis Cotterell in Titel-Form bringen - und vielleicht auch auf Weltrekord-Speed.

«Ich hoffe, ich kann mein Bestes geben und jeden überraschen, aber niemand weiß, was passieren wird», sagte der 19-Jährige nach seinem lockeren Vorlaufsieg über 1500 Meter Freistil in 14:48,13 Minuten; rund 40 Sekunden vor dem frustriert ausgeschiedenen Magdeburger Christian Kubusch. Seit zehn Jahren steht der Weltrekord von Grant Hackett über die längste Beckenstrecke. Der Australier selbst geht davon aus, dass der Asienrekordhalter seine Marke mit dem «Heimpublikum im Rücken» am Sonntag brechen wird.

Die Bestzeit von 14:34,56 Minuten vom 29. Juli 2001 ist die einzige, die die Ära der Hightech-Anzüge überstanden hat. Jetzt erhoffen sich Chinas Fans und Funktionäre die neue Bestzeit von Sun Yang. Eigentlich erwarten sie es sogar. Denn wie hoch die Erwartungen sind, zeigte sich nach Platz zwei über 400 Meter Freistil. Warum kein Gold?, wurde der 1,98 Meter große Sun Yang da gleich kritisch gefragt. Dieser zweite Platz des Weltjahresbesten über 400, 800 und 1500 Meter genügte den Ansprüchen nicht.

Insgesamt 13 Becken-Medaillen, davon 4 goldene, standen für die Gastgeber dem letzten Finaltag im 220 Millionen Euro teuren Oriental Sports Center im Beckenschwimmen zu Buche. Nur in den 90er Jahren waren sie in dieser WM-Sparte schon einmal so stark. Damals aber war das Land, in dem der Leistungssport staatlich straff organisiert ist, kurz darauf in einen schweren Doping-Skandal verstrickt. Mehr als 40 chinesische Schwimmer wurden positiv getestet. Der Ruf war spätestens nach dem Auffliegen von sieben Sündern bei der WM 1998 in Perth auf Jahre zerstört.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer