Nachgekommen
Doping-Experte Werner Franke soll der Untersuchungskommission nicht mehr angehören. Foto: Patrick Seeger

Doping-Experte Werner Franke soll der Untersuchungskommission nicht mehr angehören. Foto: Patrick Seeger

dpa

Doping-Experte Werner Franke soll der Untersuchungskommission nicht mehr angehören. Foto: Patrick Seeger

Stuttgart (dpa) - Schwarzer Tag für Werner Franke: Der renommierte Anti-Doping-Kämpfer hat vor Gericht zunächst eine erneute Niederlage gegen den langjährigen deutschen Olympia-Arzt Georg Huber einstecken müssen.

Anschließend verließ er nach einem Bericht der Online-Ausgabe der «Badischen Zeitung» jene Untersuchungskommission, die seit 2007 die Doping-Vergangenheit der Freiburger Uniklinik aufarbeitet.

Beides steht mit großer Wahrscheinlichkeit in einem Zusammenhang, denn dem Bericht zufolge kam der Molekularbiologe aus Heidelberg mit seinem Rücktritt einer Aufforderung der Kommissionsvorsitzenden Letizia Paoli nach. Die wirft Franke offenbar vor, Kommissionsgeheimnisse verletzt zu haben. Denn seine Klage gegen Huber stützte der 72-Jährige auf belastende Aussagen, die der frühere Bahnradfahrer Robert Lechner im April 2011 vor dem Gremium gemacht hatte. Darin sah Paoli offenbar eine Verletzung der vereinbarten Vertraulichkeit. Franke hatte den Schriftsätzen zu seinem Prozess gegen Huber auch Protokolle der Lechner-Aussagen beigefügt.

«Schade, dass Huber so aus dieser Instanz herausgekommen ist», sagte Frankes Anwalt Michael Lehner nach dem Urteil des Landgerichts Freiburg. Sein Mandant, der unter anderem frühzeitig Jan Ullrich des Dopings beschuldigte und zusammen mit seiner Frau Brigitte Berendonk in einem Buch das Doping-System der DDR aufdeckte, wollte Huber in diesem Verfahren eigentlich der falschen eidesstattlichen Erklärung und des Dopings überführen. Gleichzeitig hatte er gehofft, auch den Fall Lechner und damit womöglich die Dopingpraxis in der früheren Bundesrepublik vor einem Gericht zur Sprache bringen zu können.

Nach dem Urteil darf Franke stattdessen aber auch weiterhin nicht behaupten, dass Huber in den 80er-Jahren Radsportler gedopt hat. Das Gericht wies seine Anfechtungsklage gegen einen entsprechenden Vergleich zurück, den beide 2007 geschlossen hatten.

«Die Sache ist ein reines Rechtsproblem, das nichts mit den Inhalten zu tun hat», erklärte Lehner. In der Tat scheiterte Frankes Klage nicht an einem Mangel an Zeugen oder Indizien. Nach dem Urteil der 2. Zivilkammer des Landgerichts Freiburg hat der Doping-Experte «die Vereinbarung aus dem Jahr 2007 zu spät angefochten».

Der juristische Streit zwischen ihm und dem ehemaligen Verbandsarzt der deutschen Rad- und Skirennfahrer geht bis ins Jahr 2007 zurück. Damals standen sich Franke und Huber schon einmal vor dem Landgericht gegenüber und akzeptierten am Ende einen Vergleich, der Franke vor allem untersagte, Huber als Doper zu bezeichnen. Der Sportarzt erklärte damals an Eides statt, Testosteron nicht zur Leistungssteigerung sondern zum Schutz vor körperlichen Schäden «bei einzelnen U-23-Straßenradfahrern» verabreicht zu haben.

Ein Jahr später warf Lechner Huber in mehreren Interviews vor, ihn im Vorfeld der Olympischen Spiele 1988 systematisch gedopt zu haben. Diese Aussagen stehen im Widerspruch zu Hubers eidesstattlicher Erklärung, weshalb Franke sich «arglistig getäuscht» fühlt und argumentierte, sich nicht mehr an den Vergleich halten zu können.

Franke reichte seine Klage gegen den Vergleich aber erst im Juni 2011 ein, nachdem er Lechners Aussagen vor der Freiburger Kommission gelesen hatte. «Nach den Feststellungen des Landgerichts hatte Franke jedoch schon im Jahr 2008 die Täuschung entdeckt», hieß es in der Urteilsbegründung. Eine Anfechtung «wäre nur innerhalb eines Jahres nach Entdeckung der Täuschung möglich gewesen».

Eine Folge dieses Urteils ist auch, dass Lechner seine Aussagen nun nicht noch einmal vor Gericht wiederholen kann. «Das Landgericht durfte den als Zeugen benannten Robert Lechner nicht mehr dazu vernehmen, ob dessen Aussagen, die die Verabreichung von Dopingmitteln im Rahmen eines Dopingprogramms durch Huber betreffen, der Wahrheit entsprechen», hieß es in der Begründung.

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