Thomas Müllers Vorstellung gegen England war weltklasse, seine Sprüche danach auch.

Bloemfontein. Zwei, drei Fragen, dann wollte er nicht mehr. Und musste auch nicht mehr. Die Fifa wählt unmittelbar nach Spielschluss den "Man of the Match", und Thomas Müller, der 20-Jährige vom FC Bayern, hatte sich derart aufgedrängt, diesen Titel abzugreifen, dass die Entscheidung verkündet wurde, als Müller noch auf dem Rasen wandelte und auf die Tribüne hinauf winkte - direkt vom Rücken Bastian Schweinsteigers.

Der Held des Tages muss "stinkend" zur Pressekonferenz

Und dann musste er sich dieses Titels wegen auch noch ungeduscht in der Pressekonferenz präsentieren. "Die Mikrofone verbiegen sich schon, weil ich so stinke", sagte Müller, lächelte und verließ die Bühne, als er Sätze wie diesen gesagt hatte. "Gut, der Sieg ist sicher zu hoch ausgefallen, aber das ist jetzt ja auch egal." Niemand wollte ihm da widersprechen, selbst die englischen Journalisten schwiegen.

Die erste Bühne hatte er schon in der 72. Minute des historischen Spiels gegen England verlassen. Es gibt Akteure, die sich darüber aufregen, aber Müller hatte schlicht und einfach keinen Grund. Man könnte sagen: Er sah, dass alles gut war - und ging.

Ein Assist, zwei Tore, das alles gegen England im Achtelfinale. "Mit 40 sitze ich auf der Couch und sage mir: Das erste Jahr war geil", hatte er in einem Gespräch mit unserer Zeitung noch am Freitag gesagt. Am Sonntag wurde dieses erste Jahr mit Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions-League-Finale noch ein bisschen "geiler".

Noch unbegreiflicher. "Der Mann ist jetzt schon weltklasse", flüsterte ein englischer Journalist. Die Engländer neigen dazu, Spiele und Spieler zu überhöhen, aber in diesem Fall hatte er Wahres gesprochen.

Müllers Handlungsschema: Ball annehmen, gucken, schießen, jubeln

Wie schon gegen Australien bediente Thomas Müller beim 2:0 Lukas Podolski mit einem Pass in den Rücken der Abwehr. Und wie gegen Australien traf Müller selbst. Beim 3:1 nach einem traumhaften Zusammenspiel mit Bastian Schweinsteiger, beim 4:1 auf Pass von Mesut Özil. Das Schema immer gleich: Ball annehmen, Torwart ausgucken, platzierter Flachschuss, jubeln.

Bundestrainer Joachim Löw, der die Seinen angewiesen hatte, auch nach der 2:1-Führung zur Pause anzugreifen, wollte keinen Spieler herausheben. Er tat es dann aber doch, indem er den Spieler Müller erklärte: "Thomas hat im 16-Meter-Raum immer die Möglichkeit, seine Chancen eiskalt auszunutzen. Und weil er die Wege dorthin immer geht, hat er auch so viele Chancen."

Müller selbst musste diese Stärke nach dem Spiel selbst noch lange erklären. Bis Pressechef Harald Stenger zur Abfahrt mahnte. Müller spurte sofort. Er war jetzt auch geduscht.

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