Nach den Auseinandersetzungen um die Zielvereinbarungen nun der Athletendisput.

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Kritisches Sprachrohr: Olympiasieger Robert Harting.

Kritisches Sprachrohr: Olympiasieger Robert Harting.

dpa

Kritisches Sprachrohr: Olympiasieger Robert Harting.

Düsseldorf. Feierstimmung hatte sich schon beim „Fest der Begegnung“ der Stiftung Deutsche Sporthilfe in Bonn nicht einstellen wollen. Trotz aller Bemühungen. Weil die Olympischen Spiele in London doch mehr ausgelöst haben, als der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) das erwartet hatte. Deutschlands oberster Olympier Thomas Bach hatte die Reise nach Bonn erst gar nicht angetreten.

Das Ende der Diskussion ist im Moment gar nicht abzusehen

War der Dachverband schon vor Ort in London mit den „Zielvereinbarungen“ für die deutschen Spitzenverbände eher unglücklich umgegangen, ist nun das Ende der Diskussion um die zukünftige Sportförderung im Lande gar nicht mehr abzusehen. Ungünstig bei dieser Diskussion scheint vor allem der Umstand, dass sich die Kontrahenten nun schon auf seiten der Athleten konstituieren. Der Ton im Disput um die Zukunft des Spitzensports in Deutschland wird rauer. Athletensprecher Christian Breuer reagierte in Bonn mit scharfen Worten auf die provokanten Äußerungen von Diskus-Olympiasieger Robert Harting. „Das ist eine Frechheit gegenüber denen, die nicht nur die Kamera suchen, sondern sich konstruktiv und aktiv einbringen“, sagte der ehemalige Eisschnellläufer Breuer.

Harting hatte die Pläne zu einem neuen Förderkonzept für den Spitzensport mit für ihn typisch markigen Worten kommentiert. „Da züchtet der Verband doch nur seinen eigenen kranken Funktionärsbaum hoch. Erfolgreiche Spitzensportler müssten sich mit dem Sportbund an einen Tisch setzen und nach Lösungen suchen“, forderte der Diskuswerfer.

Teilnehmer der Bonner Gesprächsrunde seien laut Harting „ehemalige Sportler, die früher mal bei einem Wettkampf dabei sein durften und heute Spesen kassieren“.

Breuer konterte, man habe „die Olympiamannschaft und alle von der Sporthilfe geförderten Athleten eingeladen, auch Robert Harting“. Diese Einladung wurde von Harting offenbar ausgeschlagen. „Doch der Herr ist sich zu fein, sich an der Diskussion zu beteiligen. Stattdessen gibt er Interviews, um sich selbst zu vermarkten. Gold alleine macht noch keinen großen Sportler“, sagte Breuer.

Der Diskus-Olympiasieger ist nicht der einzige kritische Geist

Aber Harting ist längst nicht der einzige kritische Geist in den Reihen der Athleten. Auch Beachvolleyball-Olympiasieger Julius Brink zeigte sich enttäuscht von einer Forderung von Thomas Bach nach mehr Leistungsbereitschaft der Athleten. „Ich halte die Ausführungen von Herrn Bach für völlig inakzeptabel und nicht gerechtfertigt.“

Ruder-Olympiasieger Kristof Wilke nannte die Zielvereinbarungen der Sportverbände mit dem Dachverband „albern“. „So etwas können sich nur Bürokraten ausgedacht haben“, sagte Harting über die in London weit verfehlten Medaillenprognosen.

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