Unser Kollege Matthias Rech hat beim Pizzabäcker genau hingehört.

Düsseldorf. Da, wo sonst immer lautstark palavert, diskutiert und gelästert wird, herrschte gestern plötzlich betretenes Schweigen. Am Tresen von Düsseldorfs beliebtestem Altstadt-Italiener schweigen sich die Pizzabäcker an. Der Flachbildfernseher in der Ecke zeigt ein verpixeltes 1:1 der Neuseeländer gegen die Slowaken und die Fahne an der Wand gegenüber hängt schlapp herunter, wo sie vor vier Jahren noch stolz prangte. "Nä, dasse ware gar nix gegen Paraguay", sagt der graumelierte Herr, der die Bestellung kopfschüttelnd entgegennimmt.

Er wollte eigentlich nicht über Fußball sprechen nach dem schwachen Auftritt der Weltmeister. Aber da er nun schon mal dabei ist, folgt eine kleine Analyse: "Gerannt sind sie, aber ohne Kopf und Verstand. Dasse wird nix diese Jahr." Der Teigkneter und der Pizzabäcker schauen betreten zu Boden. Die Squadra Azzura sei alt geworden, geht es weiter.

Und jetzt sagten alle, Pirlo wäre ja nicht dabei gewesen, aber der mache das Spiel ohnehin noch langsamer. So wie die jungen Deutschen hätten die Azzurri spielen müssen. Aber der alte Lippi habe eben Krach mit den jungen Italo-Kickern und deswegen seine Altherrentruppe mitgenommen.

Dann blitzt doch noch einmal der italienische Stolz von vor vier Jahren auf: "Unsere Jungs habe eben alles gewonne. Aber die Mannschaft isse satt." Satt, ein letztes Wort, das kein Pizzabäcker gerne hört. Noch schnell Oregano auf die Pizza, ein Grazie hinterher und das Schweigen am Steinbackofen geht weiter. Unterbrochen wird es nur von einem unfreundlich gezischten "Camoranesi" aus der letzten Ecke. Die Italiener sind kleinlaut geworden - bis zum nächsten Sieg.

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