Nach dem Sieg gegen Hamburg ist der kämpferisch beeindruckende BVB Tabellenvierter. Ein Zufall ist das nicht.

Dortmund. Jürgen Klopp holte einmal tief Luft, ehe er auf Nachfrage die Leistung von Sven Bender beurteilte. "Da muss ich einmal durchatmen, um nicht zu euphorisch zu werden", sagte Klopp, und Kollege Bruno Labbadia trat scherzend hinzu. Gerade, sagte Labbadia, habe Klopp den jungen Bender noch adoptieren wollen. Und dann bestätigte der Dortmunder Trainer: "Der Junge ist uns zugeflogen, und wie er heute mit seiner Knieverletzung nach der Pause noch seine 30 Zweikämpfe gewonnen hat, da ziehe ich den Hut."

Als Bender in der 75. Minute Felipe Santana weicht, hat Dortmund den HSV längst niedergekämpft, und Klopp steht am Seitenrand und applaudiert seinem persönlichen Helden mit erhobenen Händen. Mehr Anerkennung geht nicht. Bender, sagte Klopp, sei ein toller Junge mit einem tollen Charakter. "Das ist im Leben überhaupt das Wichtigste. Und im Fußball hilft das auch."

An der Konfrontation mit dem Hamburger Sensationstransfer van Nistelrooy wurde deutlich, wie sehr es Klopp derzeit genießt, das Kontrastprogramm in der Bundesliga zu gestalten. Der BVB präsentiert eine junge, ambitionierte Mannschaft, die nicht sehr teuer, aber in Dortmund sehr beliebt ist.

Sie spielt bisweilen sehenswerten Fußball, und sie kämpft Fußball immer wie kaum ein anderes Team in der Bundesliga. Neun Siege und drei Unentschieden hat Dortmund seit der schmerzhaften Niederlage gegen Schalke gesammelt, die letzten sechs Spiele gewann das schwarz-gelbe Ensemble in Serie. Dortmund ist Vierter. 80.552 Zuschauer wurden am Samstag Zeuge, dass das nicht nur Zufall ist.

"Sie haben Feuer, sie geben alles. Das ist die Qualität dieser Dortmunder Mannschaft", sagte der Hamburger Abwehrspieler Joris Mathijsen, und er musste zugeben, dass Hamburg dem an diesem Tag nichts Erfolgversprechendes entgegensetzen konnte: "Wir haben heute nicht gespielt, was wir können." Wesentlich lag das an Dortmund. "Es war ein großartiges Spiel, wir haben sehr, sehr wenig zugelassen", sagte Klopp und befand: "Das ist in der Tat ein Qualitätsmerkmal."

Zur Leidenschaft gesellt sich eine gelungene taktische Ordnung

Überragend: -
Gut: Ziegler, Hummels, Subotic, Sahin, Owomoyela, Valdez, Blaczykowski, Sven Bender
Zufriedenstellend: Schmelzer, Barrios, Großkreutz
Enttäuschend: -

Überragend: -
Gut: -
Zufriedenstellend: Rost, Mathijsen, Rozehnal, Boateng, Jansen, Rincon, Jarolim, Petric, Elia, Berg
Enttäuschend: Aogo, Torun, Trochowski

Eine Qualität, die über den platzierten Schuss des wie immer eifrigen Nelson Valdez zum 1:0 (36.) hinaus ging - der Hamburger Dennis Aogo hatte eine Flanke von Mats Hummels technisch unsauber in die Mitte abgewehrt.

Die von Trainer Klopp vorgelebte Leidenschaft hat diese Mannschaft verinnerlicht, dazu gesellt sich inzwischen eine gelungene taktische Ordnung. Und wer Mats Hummels in der Dortmunder Innenverteidigung sieht, darf sich fragen, warum Bundestrainer Joachim Löw Robert Huth und nicht Hummels zum Fitnesstest der Nationalmannschaft eingeladen hat. "Hut ab vor dieser Entscheidung", sagte auch TV-Experte Lars Ricken höhnisch.

Noch schickt Jürgen Klopp seine Jungs "zur U 19 und nicht zur Nationalmannschaft". Ein bisschen - merkte man - hat er unter dieser Missachtung seines Jugendprojekts zu leiden. Aber einigen dieser Dortmunder Spielern gehört die Zukunft, Hummels und Bender, der zusammen mit Nuri Sahin ein tolles Duo im defensiven Mittelfeld bildet, gehören ganz sicher dazu.

"Ihre Zeit kommt nach der WM", sagte Bundestrainer Löw am Sonntag in einem "Bild"-Interview und meinte damit auch ganz offiziell Hummels. Überraschend kommt diese Erkenntnis freilich nicht mehr.

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