Roberto Serniotti
Roberto Serniotti ist der Cheftrainer der Berlin Volleys. Foto: Christophe Gateau

Roberto Serniotti ist der Cheftrainer der Berlin Volleys. Foto: Christophe Gateau

dpa

Roberto Serniotti ist der Cheftrainer der Berlin Volleys. Foto: Christophe Gateau

Rom (dpa) - Die großen Sehenswürdigkeiten Kolosseum, Pantheon oder Trevi-Brunnen bekommen die BR Volleys in Rom nicht zu Gesicht. Die Berliner bestreiten am Wochenende im eher schmucklosen EUR-Viertel die Endrunde der Champions League.

«Aber wir sind nicht als Touristen hier», betonte Trainer Roberto Serniotti. Für ein Training hatte der italienische Coach eine alte Schulturnhalle im Stadtteil Esposizione Universale di Roma (EUR) besorgt, der 1942 noch unter Diktator Benito Mussolini errichtet worden war. Dort wird in der 10 000 Zuschauer fassenden Arena Palalottomatica auch das Final Four ausgetragen.

Es ist nicht die einzige Kuriosität, die den Außenseiter beim Aufeinandertreffen der vier besten europäischen Volleyball-Clubs begleitet. Natürlich ist die zweite Teilnahme der Berliner am Final Four ein herausragendes Ereignis für ein deutsches Team. Zumal diesmal anders als 2015, als sich die Berliner als Gastgeber den Startplatz und dann Rang drei gesichert hatten, die komplette Qualifikation mit Siegen gegen starke Gegner wie Cucine Lube Civitanova durchlaufen wurde. Lube ist wie Sir Safety Perugia und Berlins russischer Halbfinalgegner Zenit Kasan auch in Rom dabei.

«Ich habe sechs Jahre in Italien gespielt, ich freue mich riesig auf das Event», erklärte Kapitän Robert Kromm. Trotzdem gilt das Turnier irgendwie auch als Einstimmung auf das zweite Finalmatch um die deutsche Meisterschaft. Das erste hatte Berlin gegen Friedrichshafen mit 0:3 verloren - als Vizemeister müsste man sich die neue Teilnahme an der Champions League über eine Qualifikation sichern. «Ich bleibe dabei, dass das Mittwochspiel das viel wichtigere ist. Wenn wir diese Spiele in Rom als überragendste Vorbereitungsspiele nehmen, dann machen wir alles richtig», sagte Manager Kaweh Niroomand deutlich.

Finanziell ist die Champions League ohnehin ein Blindflug. Zwar musste der Club für die bisherigen Runden schon Lizenzgebühren von insgesamt 38 000 Euro zahlen und dazu alle Reisegebühren tragen. Die Erfolgsprämien auch für die Endrunde aber hat der europäische Volleyballverband CEV nicht festgeschrieben. «Die werden erst nach finaler Entscheidung des Boardes festgelegt», bemerkte Niroomand.

«Das ist das Paradoxe an unserer Sportart. Wenn ich im Fußball unter die ersten Vier in Europa gekommen bin, hätte ich die Finanzierung des Clubs für die nächsten drei bis fünf Jahre sicher. Wenn wir als Volleyballer dahin kommen, muss man froh sein, dass wir das nächste Jahr noch mal selbst finanzieren können», sagte Niroomand. «Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Ertrag, rein finanziell gesehen. Wir nehmen an der Champions League teil, weil es zur Verbreitung unserer Marke sehr wichtig ist», ergänzte der Manager.

Das ist den Berlinern inzwischen gelungen. Nicht zuletzt durch den Triumph im Vorjahr im CEV-Pokal. Und in dieser Saison haben die Volleys mit spektakulären Spielen und Siegen gegen Istanbul und Moskau für Furore gesorgt. «Es ist manchmal ein bisschen einfacher, gegen ein starkes Team zu spielen. Sicher muss alles klappen und alle müssen 100 Prozent bringen - aber es ist möglich», betonte Kromm, der in Rom unter die ersten Drei kommen will. Wenn es gegen die russische Übermannschaft von Titelverteidiger Kasan nicht klappt, gäbe es am Sonntag im Spiel um Platz drei dafür noch eine Chance.

Vor genau zehn Jahren war dem VfB Friedrichshafen sogar der Triumph in der Königsklasse gelungen. 1964 hatten die Männer des SC Leipzig, 1978 die Frauen des SC Traktor Schwerin den Europacup der Meister geholt.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer