Morgen verteidigt der deutsche Erfolgsboxer seinen WM-Titel gegen Koji Sato in Krefeld.

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Der Boxer und sein Ziel: Felix Sturm und der WM-Gürtel.

Der Boxer und sein Ziel: Felix Sturm und der WM-Gürtel.

Jochmann

Der Boxer und sein Ziel: Felix Sturm und der WM-Gürtel.

Krefeld. Einmal nur wird Felix Sturm grantig. Der smarte Weltmeister erhebt die Stimme und sagt unwirsch, was die Frage nach Arthur Abraham solle. "Das interessiert mich nicht." Den von den Boxfans herbeigesehnten Vereinigungskampf der Mittelgewichts-Weltmeister der beiden deutschen großen Boxställe Sauerland und Kohl schiebt Sturm vor seiner sechsten Titelverteidigung der Version der World Boxing Association (WBA) beiseite.

Der Japaner Koji Sato (Foto) ist am Samstag in Krefeld im KönigPalast die Gegenwart, und Sturm wirkt seltsam angespannt. "Jede Titelverteidigung ist schwierig", sagt Sturm. Weil mit jeder der Druck weiter steige. 14 Wochen, so lange wie noch nie, bereitete sich der 30 Jahre alte Weltmeister aus Leverkusen auf das Duell mit dem amtierenden Titelträger der OPBF (Oriental and Pacific Boxing Federation) vor - und führte dabei vor allem einen Kampf gegen sich selbst.

Beim heutigen Wiegen darf Sturm nicht mehr als 72 Kilo wiegen

Denn Sturm trägt an seinem Gewichtsproblem. Er ist zu schwer für seine Gewichtsklasse, das Mittelgewicht. Rund zwölf Kilogramm trainierte er in den vergangenen drei Monaten ab. In dieser Woche musste nur noch ein Kilogramm runter. Freitag beim Wiegen darf er nicht mehr als 72 Kilogramm auf die Waage bringen.

"Wenn Felix im Supermarkt keinen Kabeljau bekommt, ruft er mich an, ob er auch einen anderen Fisch nehmen kann", sagt sein Konditionstrainer Clive Salz zum strengen Ernährungsplan des Champions und streicht dessen professionelle Einstellung heraus. Boxen ist eben auch Verzicht. Aber nur bis zum Kampf. "Da werde ich 110Prozent geben für den Sieg", sagt Sturm vor dem Duell mit dem Japaner, seinem 35. Gegner im Profilager.

Das muss der Weltmeister vielleicht auch. Denn Sato, beim Weltverband WBA an Nummer 14 notiert, ist der K.o.-Spezialist aus dem Land des Lächelns. "Guten Tag. Ich freue mich, Sie zu sehen", sagt er charmant höflich, abgelesen aus seinem Japanisch-Deutsch-Wörterbuch.

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27. Januar 2001

Das ZDF zeigt den Kampf live ab 22 Uhr

"Angst ist wichtig, sie hält einen wach. Im Übrigen hat jeder Boxer Angst. Wer etwas anderes behauptet, der lügt", sagte Sturm dem Lifestyle-Magazin GQ (Mai-Ausgabe). Zudem gestand Sturm, nach dem Krebstod seiner Mutter 2006 sein Karriereende erwogen zu haben. "Ich konnte zunächst nicht weinen. Ich habe lange darüber nachgedacht, mit dem Boxen komplett aufzuhören", meinte der Leverkusener. Erst seine Ehefrau Jasmin habe ihn umstimmen können.

Seine 14Profikämpfe bestritt Sato alle siegreich, bemerkenswert dabei ist seine K.o-Quote, 13Duelle beendete er vorzeitig. Und so kündigte er vor acht Tagen vollmundig in einem TV-Interview einen K.o.-Sieg gegen Sturm in der ersten Runde an. Was ihm nun aber sichtlich peinlich war. "Das war ein Witz. Ich hoffe nicht, dass Sturm sauer ist."

Doch Weltmeister Sturm, der gerade einen lukrativen Werbevertrag für die Unterwäsche-Marke Calvin Klein abschloss, scheint der asiatischen Charme-Offensive wenig Vertrauen zu schenken. "Das kann Taktik sein", sagte Sturm zur Bescheidenheit seines Gegners und fügte respektvoll an: "Ich bin beeindruckt, was er mit einem Schlag ausrichten kann."

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