Bonn (dpa) - Zum Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) in Bonn gibt es zwei positive Nachrichten: Es feiert am 8. Dezember mit einem Festakt sein 40-jähriges Bestehen - und es existiert aller Unkenrufen zum Trotz noch immer.

«Ich glaube, es ist eine Erfolgsgeschichte, auch wenn das Bundesinstitut Höhen und Tiefen durchlaufen hat», bilanzierte Jürgen Fischer, seit 2005 Direktor des BISp, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Überkommene Strukturen, mangelnde Transparenz, Steuerverschwendung oder Selbstbedienungsmentalität lauteten die Vorwürfe vor gut einem Jahr. Sogar eine Schließung des BISp stand als Drohung im Raum. «Die Optimierungen, die durch den Bundesrechnungshof veranlasst wurden, spielen einen große Rolle», sagte Fischer. «Die Förder- und Gutachterverfahren sind komplett neu aufgestellt und transparenter geworden.» Es sei bedauerlich, dass von diesen Veränderungen so wenig bekannt sei. «Vielfach ist das ignoriert worden, was uns sehr bedrückt hat.»

Der BISP-Direktor ist überzeugt, dass der Umbau, die Umstrukturierung und der Abbau von Altlasten in der Bonner Einrichtung zum Wohle des Sports gelungen ist. In seinem Festvortrag über «Die strategische Neuausrichtung» des BISp wird Fischer bei der Jubiläums-Veranstaltung Bundesinnenminister Thomas de Maizière und den Festgästen einen Überblick geben.

«Ich habe 2005 kein ganz leichtes Amt angenommen. Wir hatten damals schon Überprüfungen sowohl vom Bundesverwaltungsamt als auch vom Bundesrechnungshof. Das alles galt es umzusetzen», sagte Fischer. «Dass es viele Jahre in Anspruch nehmen würde, war mir klar.» Dazu gehörte auch eine Neuordnung der Strukturen. «Wir haben manches besser gemacht. Es ist aber ein steter Prozess.»

In den vergangenen vier Jahrzehnten sind unter der Ägide des BISp mehr als 2000 Projekte gefördert worden. 2011 wird das Institut über einen Etat von 6,62 Millionen Euro verfügen können, wovon 3,56 Millionen in die Forschungsförderung investiert werden soll. Dabei sitzen die Wissenschaftler nicht mehr in einem Elfenbeinturm, sondern suchen das Miteinander von Athleten, Trainern und Verbänden. «Die Mischung aus wissenschaftlichem Sachverstand und Praktikern bringt es», sagte Fischer. Das praxisfremde Forschen gehöre der Vergangenheit an. «Bücher nur für den Bücherschrank zu produzieren, ist genau das, was ich abzustellen versucht habe.»

Für Aufsehen hat zuletzt die Studie «Doping in Deutschland von 1950 bis heute», ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), gesorgt. Das Ziel ist, die Doping- Vergangenheit vor allem im Westen Deutschlands aufzuklären. Dabei wurde Kritik an einer angeblich fragwürdigen Ausschreibung der 500 000 Euro teuren Studie und Mutmaßungen über eine Verstrickungen des BISp in die Doping-Vergangenheit laut.

«Alle Archive und Materialen stehen zur Verfügung. Da wird nichts zurückgehalten», versicherte Fischer. Nach einem Zwischenbericht über die 50er und 60er Jahre sollen weitere Ergebnisse über die zwei Jahrzehnte danach im September 2011 vorgestellt werden. «Dies dürfte wohl noch interessanter werden», erwartet Fischer.

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