Timo Boll ist in China eine große Nummer.
Timo Boll ist in China eine große Nummer.

Timo Boll ist in China eine große Nummer.

dpa

Timo Boll ist in China eine große Nummer.

Hangzhou (dpa) - Tischtennisstar Timo Boll hat in der «Höhle des Löwen» seinen großen Traum für London 2012 formuliert. «Ich möchte Olympiasieger werden», sagte der Ausnahmesportler im chinesischen Staatsfernsehen - mit einem Lächeln und auf Bitten der Reporter ziemlich perfekt in der Landessprache.

Die «Kampfansage» wird Chinas Asse nicht umhauen. Sie haben Boll ohnehin seit Jahren als schärfsten Rivalen auf der Rechnung. Der TV-Sportkanal CCTV5 strahlte nach Angaben des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) ein Porträt über den Rekord-Europameister aus, der derzeit ein erfolgreiches Gastspiel in Chinas Superliga absolviert. Das zeigt die hohe Wertschätzung, die der 30-Jährige im Reich der Mitte genießt. Chinesisch lernt er seit längerer Zeit mit Hilfe eines Privatlehrers in Düsseldorf. Seine Kenntnisse sind inzwischen so weit fortgeschritten, dass er auf Wunsch seinen Namen in chinesischen Schriftzeichen schreiben kann.

So etwas kommt in China gut an. «Sie wollen immer etwas Privates wissen», erklärte der Spitzenspieler von Borussia Düsseldorf über die chinesischen Reporter, die ihn auch zu seiner Freundschaft mit Basketballer Dirk Nowitzki befragten. Die beiden Top-Sportler hatten sich bei den Olympischen Spielen in Peking kennengelernt. Für die diesjährigen NBA-Playoffs stand der Weltranglisten-Zweite nachts auf, um Nowitzki aus der Ferne erfolgreich die Daumen zu drücken.

Mit seinem Gastclub aus Hangzhou liegt Boll in der stärksten Liga der Welt als Tabellenzweiter auf Playoff-Kurs. Er selbst ist nach drei Partien noch ungeschlagen, allerdings stehen Vergleiche mit den besten Chinesen noch aus. Am Mittwoch könnte es zum Duell mit dem Weltranglisten-Ersten Wang Hao kommen, der für Spitzenreiter 8-1 Bayi aufschlägt.

«Als ausländischer Spieler will ich beweisen, dass ich hier mithalten kann», erläuterte Boll den besonderen Druck. «Wenn ich in Deutschland gut spiele, gewinne ich meistens. Hier kann es sein, dass das nicht ausreicht. Hier muss ich perfekt spielen.» Genauso wichtig wie die Punktspiele seien die täglichen Trainingseinheiten mit seinen Teamkollegen wie Olympiasieger Ma Lin.

«Man muss sich an ihr Spiel gewöhnen, an ihr hohes Niveau», sagte der WM-Dritte. «Hier zu trainieren und zu spielen ist noch einmal eine Spur härter als in Deutschland. Die Matches sind sehr anstrengend, das Training ebenfalls. Ich bin oft kaputt nach den Einheiten.»

Als ungewöhnlichste Mahlzeit beim diesjährigen China-Abstecher bezeichnete Pekingente-Fan Boll in dem Interview noch lebende Shrimps, die in einer Weinsoße serviert wurden. Weil chinesische Mahlzeiten meist aus vielen verschiedenen Gerichten bestünden, die auf einer Drehscheibe am runden Tisch allen gleichzeitig serviert würden, sei aber niemand gezwungen, alles zu probieren.

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