Alpe d' Huez (dpa) - Im sonnigen Alpe d'Huez schüttelte Daniel Bohnacker fast ungläubig den Kopf. Der 20-Jährige vom SC Gerhausen hat die Welt-Elite in der jungen Olympia-Sportart hinter sich gelassen und überraschend seinen ersten Weltcup-Sieg gefeiert.

«Das hat schon Zeit gebraucht, dass ich es im Kopf realisiert habe. Es lief von Heat zu Heat einfach immer besser, heute hat alles zusammengepasst», freute sich Bohnacker, der das Finale vor Andreas Matt und Patrick Koller aus Österreich gewann.

Das Team des Deutschen Skiverbands (DSV) ist drei Wochen vor der WM in den USA in blendender Form und sicherte sich den dritten Erfolg im Weltcup. «Die Saison läuft. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Dass wir mitfahren können, habe ich gewusst, aber das es so aufgeht - sensationell», sagte der sportliche Leiter Heli Herdt.

Den ersten DSV-Sieg hatte Simon Stickl, der Siebter wurde, vor einem Jahr eingefahren. Am vergangenen Wochenende in St. Johann hatte es Heidi Zacher dann als erste DSV-Dame ganz nach oben auf das Skicross-Stockerl geschafft. «Die pushen sich gegenseitig. Was Daniel in dem Alter geleistet hat, ist Wahnsinn», sagte Trainer Alex Böhme.

Zacher erreichte zum vierten Mal nacheinander das Finale der besten Vier. Zwar schaffte sie es nicht zu ihrem dritten Podest, aber die Führung im Disziplin-Weltcup verteidigte die 22- Jährige trotzdem. «Es war wieder ganz gut heute, leider musste ich im Finale von der schlechtesten Startposition ins Rennen gehen», sagte Zacher. «Um die Führung zu verteidigen, musst du in jedem Rennen vorne mit dabei sein. Das wird sehr schwer.»

Bohnacker hatte sich sein WM-Ticket in St. Johann gesichert, jetzt legte er einen drauf. «Er hat sich von der Euphorie aus St. Johann tragen lassen», sagte Herdt und lobte die konstante Fortentwicklung des Teams. Die jüngsten Erfolge schüren natürlich Erwartungen für den ersten Heim-Weltcup am 29. Januar in Grasgehren und die Weltmeisterschaften in Deer Valley wenige Tage später. «Es gilt die Form für Grasgehren und im Idealfall bis zur WM hoch zu halten.»

Alexandra Grauvogl, die einzige deutsche WM-Medaillengewinnerin, kämpft sich nach ihrem Kreuzbandriss weiter ran. In Frankreich belegte sie beim Erfolg von Kelsey Serwa (Kanada) Rang 20 - nächste Chance ist der Weltcup in Les Contamines am 16. Januar.

Dass die deutschen Skicrosser so im Weltcup mitmischen, hätte man sich nach der spektakulären Premiere der Sportart bei Olympia im Verband kaum träumen lassen. In Vancouver waren Anna Wörner auf Platz 17 und Simon Stickl auf Rang 19 die besten Deutschen. Aber mit Blick auf Sotschi 2014 wird die Sportart, in der vier Sportler auf einem Kurs mit Sprüngen, Wellen und Kurven gegeneinander antreten, mit mehr finanziellem Aufwand betrieben. «Wir sind richtig gut aufgestellt. Es hat eine Zeitlang gebraucht, aber jetzt trägt es richtig Früchte», sagte Bohnacker.

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