Zwist
IOC-Präsident Jacques Rogge (l) und FIFA-Präsident Joseph Blatter haben Meinungsverschiedenheiten.

IOC-Präsident Jacques Rogge (l) und FIFA-Präsident Joseph Blatter haben Meinungsverschiedenheiten.

dpa

IOC-Präsident Jacques Rogge (l) und FIFA-Präsident Joseph Blatter haben Meinungsverschiedenheiten.

Lausanne (dpa) - IOC-Präsident Jacques Rogge hat eine Eskalation vermieden und einen diplomatischen Schlussstrich unter den Konflikt mit dem Fußball-Weltverband FIFA gezogen.

«Die Beziehungen zur FIFA sind exzellent. Es war nur ein leichter Vorfall, der inzwischen gelöst ist», sagte der Belgier in Lausanne. Damit reagierte der Belgier auf Angriffe von FIFA-Präsident Joseph Blatter gegen das IOC. Dieser hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) als «einen Club» bezeichnet, der keine Transparenz habe und in Finanzangelegenheiten eine «Hausfrauen»-Politik betreibe.

Blatter soll sich in einem Telefonat für die Äußerungen bei Rogge entschuldigt haben. Ob der FIFA-Chef tatsächlich Abbitte geleistet hat, sagte Rogge nicht. «Für mich ist es Vergangenheit. Ich denke nicht mehr daran und will die Diskussion nicht verlängern», antwortete er auf Fragen nach dem Gesprächsinhalt.

Wie aus IOC-Kreisen verlautete, drückte Blatter in dem Telefonat sein Bedauern aus, betonte aber auch, dass die am Rande der Asienmeisterschaft in Doha von ihm gemachten pikanten Anwürfe falsch interpretiert worden seien. Der Schweizer reiste am Mittwoch zu einer Tagung der Ozeanischen Fußball-Konföderation nach Amerikanisch-Samoa und hinterließ als Stellungnahme zum Gespräch nur: «Kein Kommentar.»

Blatter hatte das IOC, dem er selbst seit 1999 angehört, am vergangenen Freitag als einen Club bezeichnet, der «keine Transparenz hat. Das IOC macht es wie eine Hausfrau. Sie erhält etwas Geld und gibt etwas Geld aus». Kalkül oder Missverständnis? Der Angriff Blatters wird auch als gezieltes Ablenkungsmanöver nach den jüngsten Korruptionsvorwürfen gegen die FIFA sowie als Retourkutsche auf Aussagen von Rogge dazu angesehen.

Der IOC-Präsident hatte in einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung» die FIFA im Zuge der Betrugsvorwürfe kritisiert und Aufklärung angemahnt. «Die FIFA hat nicht dieselben Regeln wie wir», stellte er fest. «Aber sie will ja nun eine Taskforce einsetzen, die Änderungen prüfen soll. Wir begrüßen das sehr, ich glaube, es ist notwendig.»

Zudem hatte das IOC seine Ethik-Kommission veranlasst, Korruptionsvorwürfen von FIFA-Funktionären nachzugehen, die zugleich Mitglieder des IOC sind. Darunter ist auch Issa Hayatou, Präsident des afrikanischen Kontinentalverbandes (CAF), der durch einen Bericht des britischen TV-Senders BBC belastet wurde. «Die Kommission sammelt Informationen und ist auch in Kontakt mit der BBC», berichtete Rogge. «Wir müssen aber Beweise haben, sonst können wir nichts machen.»

Neues Konfliktpotenzial im Machtkampf zwischen IOC und FIFA steckt in dem Vorhaben von Blatter, die WM 2022 im heißen Wüstenstaat Katar in den Winter und damit möglicherweise zeitnah zu den Olympischen Winterspielen zu verlegen. «Wir hatten noch keinen Kontakt mit der FIFA, weil es noch eine hoch hypothetische Diskussion ist», sagte Rogge. Noch gebe es keine prinzipielle Entscheidung der FIFA zu einer WM-Verlegung in den Winter.

«Die Situation für das IOC ist sehr klar: Das IOC will die Winterspiele im Winter organisieren - und zwar Ende Januar bis Mitte Februar. Da gibt es keine Möglichkeit, sie im Dezember zu veranstalten», erklärte Rogge und mahnte die FIFA: «Die Diskussion muss sehr sensibel geführt werden, um einen Konflikt zu vermeiden.»

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