Der SC Preußen Münster gehörte 1963 zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga. Derzeit dominiert der SCP die 4. Liga.

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Torhüter Herbert Eiteljörge (r.) in Aktion beim Spiel Preußen Münster gegen den Duisburger SV in der Saison 63/64.

Torhüter Herbert Eiteljörge (r.) in Aktion beim Spiel Preußen Münster gegen den Duisburger SV in der Saison 63/64.

Kurt Müller

Torhüter Herbert Eiteljörge (r.) in Aktion beim Spiel Preußen Münster gegen den Duisburger SV in der Saison 63/64.

Münster. Herbert Eiteljörge erinnert sich heute noch, als wäre es gestern gewesen. „Als wir 1963 zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga gehörten, da herrschte in Münster und im Münsterland eine grenzenlose Euphorie. Beim ersten Spiel gegen den Hamburger SV kamen über 40 000 Zuschauer.

„Und die standen bis an den Spielfeldrand“, so der Torhüter, der insgesamt 14 Jahre das Tor des SC Preußen hütete, in dieser Zeit 250 Spiele bestritt und in Münster für viele ältere Mitbürger noch immer ein Idol ist.

Dass seine Preußen damals nur eine Saison lang in der Bundesliga „mittanzten“ kann der mittlerweile 76-Jährige auch heute noch nicht verstehen. „Eigentlich waren wir stark genug, um die Klasse zu halten“, sagt er.

schön war die Zeit

Zum Abstieg habe schließlich neben dem großen Verletzungspech ein dubioses Mauscheln der Berliner Hertha geführt. Eiteljörge: „Ganz koscher ist es damals im Abstiegskampf nicht zugegangen. Aber das haben wir erst später erfahren.“ Als der Keeper fünf Jahre nach dem Abstieg seine Karriere beendete, war der SC Preußen immerhin noch Zweitligist. Heute dagegen kickt der Verein – derzeit allerdings sehr erfolgreich – in der Regionalliga West.

Der Wiederaufstieg in die 1. Liga scheiterte nur knapp

Dabei, und davon sind alle Münsteraner überzeugt, die sich für Fußball interessieren, hätte auch alles ganz anders kommen können. Dann nämlich, wenn die Preußen Ende der siebziger Jahre den Wiederaufstieg geschafft hätten. Besonders in der Saison 1977/78 war das möglich.

25 Mal stand die Mannschaft auf Platz eins, hatte zwischenzeitlich sogar fünf Punkte Vorsprung auf die Verfolger, musste sich am Ende dann aber doch mit Rang drei zufrieden geben. Vielleicht auch deshalb, weil Unfrieden innerhalb des Vorstandes zu peinlichen Enthüllungen führten.

So gab Ehrenratsmitglied Josef Drees während der Jahreshauptversammlung am 10. März 1978 bekannt, dass der Verein seit Jahren „schwarze“ Karten verkaufe, was prompt den damaligen Chefankläger des DFB, Hans Kindermann, auf den Plan rief. Er klagte den kompletten Vorstand an, der wenig später mit einer dreijährigen Ämtersperre belegt wurde.

Die Münsteraner spendeten eine halbe Million Mark für ihren Verein

Was jedoch noch weitaus schlimmer war: Wie sich herausstellte, war der SCP zudem auch noch hoffnungslos überschuldet. Über drei Millionen Mark hatte der Verein an Verbindlichkeiten aufgetürmt. Gerettet wurde er schließlich nur, weil die Münsteraner in einer beispiellosen Aktion über eine Million Mark spendeten und dadurch einen Vergleich möglich machten.

„Sensationell“, findet das noch heute Reinhold Schmelter, der seinerzeit Vorsitzender des Vereins war und ergänzt: „Das zeigt, welchen Stellenwert der SC Preußen in der Stadt Münster hat.“

Im Schnitt verfolgen rund 4000 Zuschauer die Spiele

Und den hat er auch heute noch. Im Schnitt rund 4000 Zuschauer kommen zu den Heimspielen in der 4. Liga ins Stadion. Das hat in etlichen Bereichen zwar immer noch den Charme der 60er-Jahre, wurde im vergangenen Jahr durch den Bau einer neuen Haupttribüne aber immerhin deutlich aufgewertet.

Und da es mittlerweile auch sportlich deutlich aufwärts geht – zur Winterpause grüßt der SCP als Halbzeitmeister – blühen derzeit in Münster mal wieder Träume von einer besseren Zukunft. Die 3. Liga, die in dieser Saison mit aller Macht und einem Etat von über zwei Millionen Euro angestrebt wird, soll dabei nur eine Zwischenstation sein.

„2015 spielen wir in der 2. Liga. Und das in einem Stadion, dass dann zwei weitere neue Tribünen hat“, sagt keck Thomas Bäumer. Der erfolgreiche Unternehmer, der nicht nur Vorsitzender des Aufsichtsrates, sondern gleichzeitig auch Hauptsponsor des Vereins ist, gilt als Triebfeder des derzeitigen Aufschwungs.

Freilich: Ob der SC Preußen tatsächlich noch einmal an die glorreichen 50er- (Deutscher Vizemeister) und 60er-Jahre anknüpfen kann, muss abgewartet werden. Herbert Eiteljörge wünscht sich das zwar, hat aber auch seine Bedenken: „Bis dahin ist es noch ein weiter Weg.“

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