Taktiker
Paul Biedermann posiert mit seiner Goldmedaille.

Paul Biedermann posiert mit seiner Goldmedaille.

dpa

Paul Biedermann posiert mit seiner Goldmedaille.

Dubai (dpa) - Dieser Sieg war für Paul Biedermann mehr als Gold wert. Der Weltrekordler hatte sein Lächeln wiedergefunden, die Leichtigkeit und Lockerheit, die zuvor in den erfolglosen Tagen von Dubai so schwer gefallen waren.

Am Ende eines sportlich schwierigen Jahres brachte der Triumph über 400 Meter Freistil bei der Kurzbahn-WM in Dubai Biedermann den versöhnlichen Jahresabschluss. «Das ist schon wichtig für mich zu wissen, was ich drauf habe, dass ich doch vorne mitschwimmen kann», sagte er.

Der 24-Jährige war von Triumphgeheul jedoch weit entfernt. «Ich weiß aber auch, was ich alles noch machen muss, um die Zeiten eines Ryan Lochte zu erreichen, wie viel mehr ich mich im Training anstrengen muss und dass ich einfach mehr aus den Puschen kommen muss.» Biedermann scheint die Lektionen verstanden zu haben, die ihm in diesem Jahr erteilt wurden. Nach den bitteren Kurzbahn-Niederlagen bei DM, EM und WM hatten ihm Freundin Britta Steffen und Heimtrainer Frank Embacher zu Änderungen seiner Renntaktik geraten.

Ironischerweise schaffte Biedermann mit seiner altbekannten Strategie des starken Schlussspurts nach verhaltenem Rennbeginn den kaum noch erwarteten Coup. In der geliebten Rolle des Außenseiters zeigte der 24-Jährige nach zwei WM-Enttäuschungen, was in ihm steckt. Nach dem enttäuschenden Vorlauf, in dem er als Achter gerade so ein peinliches Aus abgewendet hatte, erinnerte sich der Hallenser an seine überraschendste Niederlage.

Es lief alles für Biedermann. Das Anfangstempo nicht übermäßig schnell, kein Zwischenspurt, dem Biedermann schon öfter in diesem Jahr nicht folgen konnte, ein starker Russe Nikita Lobinzew als Lokomotive neben sich - da war der Weg frei für seinen gefürchteten Schlussspurt. «Mir zeigt es: Wenn ich mich auf mein Rennen konzentriere und nicht auf andere Leute, dann kann ich was machen.»

Wie vor einem Monat Markus Deibler bei den deutschen Meisterschaften düpierte nun Biedermann von ganz außen die eigentlichen Favoriten auf den mittleren Bahnen. «Das kannte ich ja selber durch Markus: Wenn man das nicht beachtet, da kann es schon mal passieren, dass man das nicht mitbekommt, wenn man außen abzieht.»

Im Vorlauf hatte der Doppel-Weltmeister auf der Langbahn von 2009 nicht gepokert - er konnte einfach nicht schneller. «Der Trainer hat gesagt, da musst du heute Abend mal zaubern und über dich hinauswachsen. Mir war es dann eigentlich egal, es hätte ja nur besser als Platz acht werden können», schilderte Biedermann seinen zwischenzeitlichen Hang zum Fatalismus.

Die trüben Gedanken sind wie weggeblasen, jetzt hat Paul Biedermann Zeit für Dubais andere Sehenswürdigkeiten abseits des 210 Millionen Euro teuren Schwimmpalastes inmitten der Wüste. «Ich mach jetzt schön Sightseeing. Bis Montag schaue ich mir noch was an. Jetzt freu' ich mich auf die Feiertage.»

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