In Südkorea nehmen die Spannungen zu. Der Weltverband steht am Pranger.

Nie zuvor standen die Biathleten intensiver in der Kritik: Olympiasieger Michael Greis.
Nie zuvor standen die Biathleten intensiver in der Kritik: Olympiasieger Michael Greis.

Nie zuvor standen die Biathleten intensiver in der Kritik: Olympiasieger Michael Greis.

dpa

Nie zuvor standen die Biathleten intensiver in der Kritik: Olympiasieger Michael Greis.

Pyeongchang. Anders Besseberg sitzt in der Hotelhalle und telefoniert. Seine Stirn ist faltig, der Blick ernst, die Stimme streng. Der Norweger sagt via Handy: "Das ist ein Befehl." Seit 17 Jahren ist Anders Besseberg Präsident der Internationalen Biathlon-Union (IBU), doch Situationen, wie er sie in den Tagen der Weltmeisterschaften in Pyeongchang mitmacht, hat er in dieser Häufung und Intensität noch nicht erlebt. Diesmal fehlt ein Gerät zur Pistenpräparierung. Die Schwierigkeiten in Südkorea reißen nicht ab, die Stimmung ist gereizt, die Tonlage wird schärfer.

"Sind wir hier bei einer Clubmeisterschaft oder einer Weltmeisterschaft?"

Wolfgang Pichler, Trainer

Vor dem Start hat Besseberg gesagt: "Es ist schade, dass beim Saisonhöhepunkt nicht die besten Bedingungen herrschen." Undiplomatischer drückt es Wolfgang Pichler, Cheftrainer der Schweden, aus: "Sind wir hier bei einer Clubmeisterschaft oder einer Weltmeisterschaft?"

Das Heile-Welt-Image zerbricht, das Bild von der harmonischen großen Biathlon-Familie verblasst, zeigt beträchtliche Risse. Die Spannungen sind nicht zu übersehen. Und schon gar nicht mehr zu überhören. Die WM ist unzureichend vorbereitet, den lokalen Organisatoren mangelt es an Kompetenz, dazu kommen strittige Entscheidungen.

Magdalena Neuner erzählt, dass Kati Wilhelm und sie die Jury auf falsch gesetzte Hütchen auf der Strecke hingewiesen haben. "Vergangenes Jahr haben mich alle ausgelacht, als ich mich verlaufen habe", sagt Neuner, "man sollte überlegen, ob das WM-würdig ist." Wolfgang Pichler schützt die Koreaner.

"Die können nichts dafür", sagt er. Seine Kritik richtet sich klar gegen die Arbeit von Franz Berger. Der Renndirektor aus dem österreichischen Weltcuport Hochfilzen gibt eine unglückliche Figur ab. Auch, weil er Hinweise im Vorfeld nicht ernst genommen hat.

Verstärkt wird die Krise durch die Dopingfälle der Russen Ekaterina Juriewa, Albina Achatowa und Dimitri Jaroschenko. Nicht allein der Fakt sorgt für Gesprächsstoff, das Verhalten der Russen erzürnt die Konkurrenz. "Es ist nicht nachvollziehbar, wie locker und extrem gut gelaunt sie auftreten", sagt Magdalena Neuner fast schon angewidert, "diese Dreistigkeit, die tun so als ob nicht geschehen wäre."

Welche Brisanz in der Thematik steckt, belegen die massiven Morddrohungen per E-Mail gegen Pichlers Athleten Mattias Nilsson. Seit er als Reaktion auf das russische Kollektivdoping auf seiner Homepage von "Idioten" geschrieben hat, fürchtet er um sein Leben. Die Schweden haben alle Unterlagen der IBU übergeben.

 

Kommentar

von Christoph Fischer

Die heile Welt des Biathlons ist nur noch ein Relikt der Vergangenheit. Es ist nicht nur das ungelöste Dopingproblem, das diese Sportart aktuell erneut in die Negativschlagzeilen bringt. Es ist auch die sorglose Vergabe der Weltmeisterschaften nach Südkorea und die offensichtliche Überforderung der Veranstalter. Das Problem ist ein selbst gemachtes und selbst verursachtes, fällt auf den Weltverband zurück und verlangt personelle Konsequenzen. In Pyeongchang erlebt die Publikumssportart eine wirklich ernste Krise. Und das Personal, sie zu beenden, scheint nicht vorhanden.

christoph.fischer@wz-plus.de

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