Kurzarbeiter
Jannik Freese wechselte vom Letzten zum Ersten. Foto: Lukas Schulze

Jannik Freese wechselte vom Letzten zum Ersten. Foto: Lukas Schulze

dpa

Jannik Freese wechselte vom Letzten zum Ersten. Foto: Lukas Schulze

Istanbul (dpa) - Es war ein kurioser Wechsel, der sich Anfang des Jahres in der Basketball-Bundesliga abspielte. Vom baden-württembergischen Liga-Underdog Crailsheim Merlins stieß Jannik Freese zum Erfolgsclub ALBA Berlin.

Vom Letzten kam der Center zum Tabellenführer - und das als Kurzarbeiter für acht Wochen. Die Belastung ist für die Berliner mit Spielen in drei Wettbewerben in dieser Saison groß. Freese soll das Team entlasten.

«Ich soll der Mannschaft Tiefe verleihen, damit sie mit der extrem hohen Energiebelastung zurechtkommt», sagte der gebürtige Oldenburger über seine Rolle. Beim überraschenden Auswärtserfolg in Istanbul blieb dem 28-Jährigen nur die Zuschauerrolle. Angespannt verfolgte er, wie sein Teamkollege Vojdan Stojanovski rund eine Minute vor Schluss den vorentscheidenden Dreier zum überraschenden 75:65 über den türkischen Vizemeister Galatasaray versenkte.

Lieber hätte der Freese wohl auf dem Spielberichtsbogen gestanden, doch in der Euroleague ist der Neue nicht spielberechtigt. ALBA-Coach Sasa Obradovic wollte ihn dennoch unbedingt mit im Flieger haben. Schnelle Integration lautet die Devise. Schließlich kam der 2,11 Meter große Profi mitten in der Saison und ist erst einmal nur bis Ende Ende Februar da.

Freese soll Jonas Wohlfahrth-Bottermann ersetzen, der nach seinem Handbruch noch ausfällt. Am Samstag (20.30 Uhr) beim Mitteldeutschen BC will sich der Center beweisen, nachdem sein Debüt im ALBA-Trikot noch mäßig verlaufen war. Beim 84:78 gegen Tübingen spielte er nur etwas mehr als dreieinhalb Minuten. Freese kam gerade einmal auf zwei Punkte und einen Rebound. «Ich wollte ihm eigentlich mehr Zeit geben, aber das Spiel ist anders gelaufen. Da habe ich auf meine eingespielten Center vertraut», erläuterte Obradovic. «Das war unglücklich für ihn.»

In seiner zweiten Partie könnte Freese auf mehr Einsatzzeit kommen, sollten die Berliner das Spiel früher als gegen Tübingen im Griff haben. Dann könnte Obradovic sein kroatisches Center-Duo Marko Banic und Leon Radosevic schonen. Die Weißenfelser weisen mit acht Pleiten die längste Niederlagenserie der Liga auf. Für die Partie gegen den Spitzenreiter ziehen sie in die Arena in Leipzig um.

Freese würde sich gern für ein längeres Engagement bei ALBA empfehlen. Auch privat fühlt er sich in Berlin wohl. «Der Vertrag läuft zwei Monate, über mehr mache ich mir erst einmal keine Gedanken», sagte er. «Aber die Hoffnung auf die Playoffs ist da.» Die Tatsache, dass sein Kontrakt nur sechs Bundesliga-Spiele sowie die Qualifikation für das Pokalwochenende umfasst, nimmt Freese gelassen hin: «Das gehört zum Leben eines Profis dazu.»

In Crailsheim wurde sein Vertrag trotz anständiger Leistungen nicht verlängert. Der Center war mit durchschnittlich mehr als zwölf Punkten und sieben Reboundseiner der Leistungsträger der Merlins, doch die Vereinsführung warb offenbar nicht genug um den ehemaligen A2-Nationalspieler. «Es gab Gespräche in Crailsheim», sagte Freese. «Als das Angebot von ALBA kam, ging dann alles sehr schnell.» Vielleicht droht ihm schon Ende Februar der nächste schnelle Wechsel.

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