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Als Teameigentümer hat Michael Jordan mit seinen Aktionen wenig Erfolg. Foto: Davis Turner

Als Teameigentümer hat Michael Jordan mit seinen Aktionen wenig Erfolg. Foto: Davis Turner

dpa

Als Teameigentümer hat Michael Jordan mit seinen Aktionen wenig Erfolg. Foto: Davis Turner

Charlotte (dpa) - Michael Jordans Image hat tiefe Kratzer abbekommen. So grandios seine Aktionen früher auf dem Parkett im Trikot der Chicago Bulls auch waren, so fatal agiert der ehemalige Starspieler jetzt als Clubeigentümer.

Jordan ist Besitzer der Charlotte Bobcats und sein Team mit nur sieben Siegen aus 44 Spielen das mit Abstand schlechteste, was die nordamerikanischen Basketball-Liga NBA zu bieten hat - Bruchlandung für «Air Jordan». Während der 49-Jährige beharrlich zur Krise schweigt, hat kürzlich sein Kumpel Charles Barkley das gesagt, was viele denken. «Ich liebe Michael, aber als Besitzer hat er ganz einfach keinen guten Job gemacht», meinte Barkley.

«Sir Charles» kritisiert vor allem, dass sich Jordan in Charlotte ausschließlich mit Ja-Sagern umgeben hat. Widerspruch oder Einwände - Fehlanzeige. «Wenn du berühmt bist und die Rechnungen der Leute um dich herum bezahlst, wirst du kaum eine andere Meinung hören. Sie wollen schließlich in deinem Privatjet mitfliegen», betonte Barkley. 2006 hatte sich Jordan erste Anteile an den Bobcats erworben, seit 2010 ist der Mehrheitseigner.

Seitdem der «größte Basketballer aller Zeiten» (NBA-Homepage) in Charlotte mitmischt, hat der Verein nur eine Saison mit mehr Siegen als Niederlagen vorzuweisen. Als der Club aus North Carolina 2010 erstmals die Playoffs erreichte, ließ Boss Jordan anschließend die besten drei Spieler ziehen. Center Tyson Chandler ging zu Dirk Nowitzki nach Dallas und avancierte bei den Mavericks zum entscheidenden Puzzle-Teil der Meistermannschaft. Raymond Felton schloss sich den New York Knicks an, Gerald Wallace den Portland Trail Blazers. Charlotte bekam im Gegenzug maximal Mittelmaß - aus einem potenziellen Playoff-Kandidaten wurde eine graue Maus.

In dieser Saison ging der tiefe Fall weiter - und Michael Jordan schaut tatenlos zu. «His Airness», der scheinbar Unfehlbare, ist Mensch geworden, zeigt Schwächen, will diese aber nicht einsehen. Bereits während seiner Zeit als Team-Manager bei den Washington Wizards traf Jordan eine Fehlentscheidung, die ihm und dem Hauptstadt-Team bis heute nachhängt.

Washington hatte bei der Draft am 27. Juni 2001 von allen NBA-Teams das Erstzugriffs-Recht auf sämtliche Talente. Zur Auswahl standen unter anderem Tyson Chandler, Pau Gasol und Tony Parker. Jordan entschied sich jedoch für Center Kwame Brown, einen 19-Jährigen, der direkt von der High School kam. Chandler, Gasol und Parker wurden später in anderen Clubs zu Stars und jeweils mindestens einmal NBA-Champion. Brown indes hat einen Punkteschnitt von 6,8 Zählern und spielt mittlerweile bei den Milwaukee Bucks - es ist seine siebte NBA-Station.

Jordan ist nicht der Einzige, der als Spieler überragte und im Anschluss an die klangvolle Karriere in anderer Funktion scheiterte. Wayne Gretzky gilt bis heute als bester Eishockey-Spieler der Geschichte. 2001 kaufte sich «The Great One» Anteile an den Phoenix Coyotes und war von 2005 an Cheftrainer. Sein Engagement in der Wüste von Arizona wurde zum Desaster. Phoenix kam unter ihm kein einziges Mal auch nur annähernd an die Playoff-Plätze heran. Erst als Gretzky im September 2009 zurücktrat, schafften die Coyotes umgehend zweimal den Sprung in die K.o.-Runde.

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